Meldungen


Buchbesprechung:
Vom Mythos der guten Natur

Je mehr die Natur bedroht ist, desto entschiedener wird sie von den Befürwortern alternativer Heilweisen als das Wahre und Gute schlechthin verehrt. Die berechtigte Kritik an der orthodoxen Medizin mutiert nicht selten zu einer Art Ersatzreligion, die neue Dogmen und Zwänge gebiert. Den Gefahren, die hier lauern, geht Rosalind Coward in ihrer ketzerischen Streitschrift "Nur Natur? Die Mythen der Alternativmedizin" nach (Verlag Antje Kunstmann, München 1995, 240 Seiten, DM 29,80). Den so beliebten Appell an die Selbstverantwortung des Einzelnen für Gesundheit und Krankheit kontrastiert sie mit unbequemen Fragen wie "Findet das Überleben der Tüchtigsten auf dem Hometrainer statt?" Körperliche Fitneß, so Coward, wird immer mehr zu einer gesellschaftlichen Obsession, die uns vor allem dazu befähigen soll, mehr zu produzieren und zu konsumieren. Illusionen, hoffnungslose Romantik wie die vom "natürlichen Geburtsrecht auf strahlende Gesundheit" und ein fragwürdiger Moralkodex (Krankheit als Ausdruck des Falschen, der persönlichen Niederlage) werden von Coward attackiert. Bei alledem macht sie jedoch kein Hehl aus ihrer Sympathie für einige der Naturheilweisen, deren Nutzen sie am eigenen Körper erfahren hat. Mit viel frechem Witz und Scharfsinn bringt die renommierte Journalistin Licht ins Dunkel einer modischen Gesundheitsideologie, ohne aber deren gläubige Anhänger ignorant zu denunzieren. Man muß nicht jedem von Cowards Schlüssen zustimmen, um großen Gefallen zu finden an diesem bemerkenswerten Buch.

Lebensmittekonservierung
Bestrahlung nachweisbar

Die Analyseverfahren, die radioaktive Bestrahlung nachweisen können, sind einen Schritt weitergekommen. In fetthaltigen, weiterverarbeiteten Produkten war der Nachweis bisher kaum möglich. Thermoluminiszenz heißt das Verfahren, mit dem etwa bestrahltes Geflügelfleisch in Brühwürsten, reifegestoppte Avocados oder Gewürzzubereitung in Maultaschen als bestrahlt entlarvt werden können. Die Bestrahlung von Lebensmitteln mit ionisierenden Beta- oder Gammastrahlen, mit denen unerwünschte Mikroorganismen abgetötet werden sollen, ist in Deutschland verboten. Bestrahlte Lebensmittel dürfen hier nicht auf den Markt gebracht werden. Allerdings ist die Bestrahlung weltweit in über 40 Staaten zugelassen, so daß bestrahlte Gewürze aus Belgien, Frankreich und den Niederlanden unentdeckt auf unserem Tisch landen könnten.

Heidelberger Frauenklinik:
Nur noch Biokost auf dem Klinikteller

Als erstes Krankenhaus in Deutschland bringt die Heidelberger Frauenklinik Sankt Elisabeth seit dem Vorjahr ausschließlich Obst und Gemüse aus kontrolliert biologischem Anbau auf den Tisch. Man will dabei nicht nur junge Mütter (1700 Geburten pro Jahr) und andere Patienten vor giftigen Spritzmitteln schützen, sondern auch zu einer langfristigen Änderung ihrer Ernährungsgewohnheiten motivieren. Durch steigende Verbrauchernachfrage könnten gleichzeitig umstellungswillige Landwirte überzeugt werden, heißt es. Das zusammen mit der DAK und dem Ministerium für ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Forsten geschaffene Modellprojekt "Natur auf die Teller" möchte außerdem die optimale Ernährung von Kleinkindern außer Haus gewährleisten und bietet ökologisch erzeugte Kost auch in Kindertagesstätten an.

Kontakt: Frauenklinik Sankt Elisabeth, Max-Reger-Straße 5-7, 69121 Heidelberg, Telefon 06221-4880, Fax 488208.

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