In Zeiten, in denen Minister sich nicht mehr damit begnügen, Weinköniginnen zu küssen, sondern offensiv und öffentlich zum großzügigen Weingenuß animieren, reservieren Öko-Winzer den anspruchsvollen Teil der Wein-Welt für sich. Sie setzen auf Qualität in Anbau und Ausbau der edlen Tröpfchen - und feine Gaumen wissen das zu schätzen. Damit Ihnen der Überblick angesichts des gewachsenen Angebotes guter Öko-Weine aus Deutschland und der Welt besser gelingt, stellt Ihnen Schrot&Korn - Das Naturkostmagazin in einer neuen Serie die Grundlagen des ökologischen Weinbaus und die wichtigsten Reben vor.
Vor dreißig Jahren schon kam im Weinbau die Wende. In den unruhigen sechziger Jahren hatten sich bei den Winzern die Düngung mit synthetischem Stickstoff und der Pflanzenschutz mit chemischen Spritzmitteln weitgehend durchgesetzt. Doch einige Winzer lehnten diese Neuerungen ab. Sie arbeiteten mit alten Methoden, experimentierten beim Pflanzenschutz - wurden belächelt, verspottet und lebten mit hohem wirtschaftlichen Risiko. Damals gab es weder Anbauverbände noch ausgebildete Berater für biologischen Pflanzenschutz. Die Pioniere des ökologischen Weinbaus liessen sich in ihren Heimatgemeinden für mehr oder weniger verrückt erklären - und setzten ihren Weg beharrlich fort. Zug um Zug erbrachten sie den Beweis, daß ökologischer Weinbau möglich ist. Lang lang ist's her ... und heute gehört Öko-Wein zu den geschätzten Selbstverständlichkeiten.
In den siebziger Jahren kamen immer mehr Betriebe hinzu, in Rheinhessen entstand die erste Öko-Winzer-Vereinigung, und bei BIOLAND dann die erste gebietsübergreifende Winzergruppe. In den achtziger Jahren wurde der Bundesverband Ökologischer Weinbau (BÖW) aus der Taufe gehoben, der mit seinem Warenzeichen ECOVIN auf vielen Etiketten den Naturkostladenkunden sicher bekannt ist.
Auch bei NATURLAND bildete sich eine Winzergruppe. Hier organisierten sich vor allem Betriebe, die gleichzeitig auch im VDP (Verband der deutschen Prädikatsweingüter) Mitglied sind.
Neuerdings macht ein weiterer Zusammenschluß von sich reden: ein 'Q' auf dem Etikett steht für 'QUINTESSENZ', für eine Gruppierung mit besonders hohen Ambitionen, vor allem, was die Weinqualität angeht.
Frankreich ist Marktführer
Die Entwicklung des ökologischen Weinbaus in Frankreich begann ganz ähnlich wie hierzulande. Die Winzer organisierten sich hier sehr früh schon in den Bio-Verbänden wie NATURE ET PROGRES. Heute steht Frankreich beim Öko-Weinbau weltweit an erster Stelle. Spitzenreiter innerhalb Frankreichs ist die Region Languedoc im Süden, an zweiter Stelle folgt Bordeaux. Im Languedoc gibt es bereits 1 600 Hektar Öko-Weinbaufläche auf denen 100 000 Hektoliter Wein produziert werden - Tendenz steigend. Es entstehen dort vor allem Tafel- und Landweine, aber mehr und mehr auch Qualitätsweine, wie aus den Gebieten Corbières, St. Chinian, Coteaux du Languedoc. Dort gibt es heute eine große Zahl von ökologisch arbeitenden Weingütern. In den Naturkostläden sind deren Weine - überwiegend rote - in großer Auswahl vertreten, da sie meistens für einen vernünftigen Preis recht ordentliche Qualität bieten, was übrigens auch für viele Landweine gilt.
Öko-Wein international: sogar aus Californien und Australien
In Italien hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan in Sachen Öko-Wein. In fast allen Anbaugebieten gibt es heute Öko-Winzer. Im Naturkostladen finden sich neben den zahlreichen Tafel- und Landweinen vor allem Weine aus der Toscana wie Chianti und aus der norditalienischen Region Veneto (Soave, Prosecco). Übrigens: Die gerade neu eingeführte Bezeichnung für italienischen Landwein lautet 'Indicazione Geografica Tipica' (IGT). Sie ist schon recht häufig auf den Etiketten zu finden.
Auch aus Spanien kommen vermehrt Öko-Weine zu uns. Die Entwicklung dort ist rasant. In vielen spanischen Anbaugebieten herrscht Aufbruchstimmung Richtung Europa. Einen spanischen Öko-Wein gibt es aber schon seit Jahren bei uns, den 'Sierra Morena', einen Sherry auf hohem Qualitätsniveau, der sich aber nicht Sherry nennen darf, da er nicht aus der dafür festgelegten Anbauzone stammt.
Das Angebot an Öko-Wein wird von Jahr zu Jahr größer. Aus Österreich, Griechenland, Kalifornien und selbst aus Australien können Sie heute Öko-Wein bekommen. Diese ausgefalleneren Weine finden Sie zwar nur selten im Naturkostladen. Aber meistens kann Ihr Ladner auch solche Weine besorgen, wenn Sie danach fragen. Außerdem gibt es inzwischen richtige Öko-Wein-Fachgeschäfte, die eine Riesenauswahl haben - da sollten Sie einfach mal probieren!
Wolfram Römmelt
Das Buch zum Thema
Heilen und vorbeugen mit Wein, Dr. med Franz-Anselm Graf von Ingelheim, Ingo Swoboda, Falken-Verlag, 128 S., 12,90 DM
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Herbstliche Genüsse
Das schönste am Herbst ist das Erdige, Satte, die Überfülle vor dem kargen Winter. Erntezeit mit Freude über Erreichtes und einer Prise Wehmut über den erstarrten Stillstand, der allem und allen bevorsteht. Zugegeben, auch der Winter hat seinen Reiz, eigene Köstlichkeiten für alle Sinne. Aber lassen Sie uns jetzt noch einmal schwelgen und aus den Vollen schöpfen - herbstlich genießen eben! Nicht nur mit Öko-Wein - dazu würzige Rohmilchkäse, knackige Kräcker und Sticks, erntefrische Kartoffeln, letzte Trauben, heiße Maronen.
Die eigene Rebe
Seit fast 15 Jahren hat sich Boskoop Glory als Tafeltraube Hauswände, Terrassen, Balkone und Wintergärten erobert. Die Züchtung von Hilde und Günther Pfeiffer aus Bad Endbach ist nicht nur dekorativ und süß, sondern vor allem robust und auch im rauhen Klima zu Hause. Sie kann im Kübel bleiben und verlangt keine besonderen Schnittkenntnisse.
Wein ist gesund
Eine interessante wissenschaftliche Diskussion über die gesundheitlichen Auswirkungen des Weintrinkens ist seit etwa zwanzig Jahren im Gange. Dabei geht es immerhin um die weitverbreiteten Beschwerden im Herz-Kreislauf-Bereich, Vorbeugung von Nierensteinen, Osteoporose, Alzheimer, Krebs. Die berühmteste Studie zu diesem Thema ist die 'Kopenhagen-Studie' aus dem Jahr 1995. Über 12 Jahre hinweg wurden hier 7.234 Frauen und 6.051 Männer beobachtet. Und siehe da: Die Gesamtsterblichkeit lag bei den Teilnehmern, die täglich 0,4 bis 0,6 Liter Wein tranken um 49 Prozent niedriger gegenüber jenen, die nie Wein tranken. Auch bei Einbeziehung anderer Faktoren wie Rauchgewohnheiten, Alter, Geschlecht, Bildung, Einkommen, Übergewicht usw. blieb immer der lebensverlängernde Effekt moderaten Weinkonsums erhalten. Viele andere Studien kamen zu ganz ähnlichen Ergebnissen. Vor allem die im Wein reichlich vorhandenen Phenole und Antioxidantien werden für diese positiven Effekte verantwortlich gemacht. Wenn Sie zum Öko-Wein greifen, tun Sie sich und der Umwelt etwas Gutes.
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