Brottrunk
Etwas sauer, aber sehr gesund
Durch natürliche Milchsäuregärung entstehen
für den Menschen wert-volle Lebensmittel, zum
Beispiel der Brottrunk. Seine positiven Gesundheitswirkungen
sind beachtlich und inzwischen auch wissenschaftlich
dokumentiert. Werben dürfen die Hersteller damit
aber aus rechtlichen Gründen nicht.
In Rußland ist der milchsaure "Kwaß"
seit Jahrhunderten bekannt und beliebt. Angeregt
durch Kriegsheimkehrer, be- gann der Bäckermeister
Wilhelm Kanne in Lünen schon früh mit eigenen
Experimenten zur Herstellung eines ähnlichen,
aber alkoholfreien Gärprodukts. Mit seinem "Brottrunk"
gelang ihm Anfang der achtziger Jahre der endgültige
Durchbruch. Seitdem wird die trübe Flüssigkeit
vor allem wegen ihrer Heilwirkungen auch hierzulande
von gesundheitsbewußten Verbrauchern sehr geschätzt.
Milchsäurebakterienleisten die Arbeit
Das Rezept ist denkbar einfach: Speziell für den
Brottrunk gebackenes Sauerteigbrot aus biologisch angebautem
Getreide (Weizen, Roggen, Hafer) wird zerkleinert und
mit Wasser in großen Gär-Kesseln angesetzt.
Unter Sauerstoffausschluß bringen die natürlich
vorkommenden Milchsäurebakterien (Laktobazillen)
eine Gärung in Gang, die über mehrere Wochen
andauert. Die Laktobazillen bilden aus den Kohlenhydraten
des Brotes zunächst Zucker und daraus über
die Zwischenstufe Brenztraubensäure am Ende die
Milchsäure. "Die Vergärung des Brotes
führt zu einer Zunahme von Milchsäure, Aromen
und Kohlendioxid", skizziert die Ernährungswissenschaftlerin
Petra Kühne den Prozeß. "Gleichzeitig
nehmen die Kohlenhydrate ab".
Außer dem Pionierunternehmen Kanne gibt es mit
dem Frucht- und Gemüsesaft-Hersteller Voelkel
nur noch einen größeren Anbieter. Voelkel
besorgt nur die Abfüllung und Vermarktung. Produzent
des Getränks, das man bei Voelkel nach der alten
Bezeichnung Kwaß nennt, ist der Hamburger Bäckermeister
Willi Bahde. Sein Brot wird aus einer Roggen-Weizen-Mischung
mit einem fünf- bis zehnprozentigen Anteil von
Hafer und Gerste eigens für den Trunk gebacken.
Nach Abschluß der "mindestens siebenwöchigen"
Gärung kommen ein paar Rosinen hinzu. Sie erfüllen
eine wichtige Funktion, bewirken sie doch eine kleine
Nachgärung, bei der sich an der Oberfläche
der Flüssigkeit Kohlendioxid bildet, das die Entstehung
von Kahmhefe verhindert. Über gesundheitliche
Nachteile dieses weißen Belags ist zwar nichts
bekannt, doch kann er den Geschmack beeinträchtigen.
Man hält ihn oft fälschlich für Schimmel.
Dessen ungeachtet sollte man die geöffnete Flasche
stets im Kühlschrank aufbewahren und bald aufbrauchen.
"Ein ausgegorener Kwaß kippt nach drei bis
fünf Tagen um, wenn er mit Luft in Berührung
kommt", sagt Bahde.
Der Hersteller betreibt nach eigenen Angaben "die
einzige Demeter-Bäckerei in Norddeutschland"
und verwendet nur Getreide mit dem gleichen Prädikat.
Neben Honig und Rosinen hat er in der Vergangenheit
' ' verschiedene andere Zusätze ausprobiert wie
etwa Pfefferminze, doch konnten ihn die Ergebnisse
in geschmacklicher Hinsicht nicht überzeugen.
Die Frage, ob es denn unbedingt Sauerteigbrot sein
muß, beantwortet Bahde mit einem klaren "Ja".
Sowohl die langsame Teigführung als auch eine
ausreichende Backzeit von drei bis vier Stunden hätten
positiven Einfluß auf die Qualität.
Den Alkoholgehalt seines Getränks beziffert Bahde
auf 0,05 bis 0,1 Prozent.
Das Lebensmittel wirkt fast wie ein Medikament
Über die mögliche Einstufung des Brottrunks
als Heilmittel wurde inzwischen etliches publiziert.
Eine entsprechende Werbung ist - wie bei allen Lebensmitteln
- aus guten Gründen nicht erlaubt. Die Tatsache,
daß das Getränk nicht als Medikament gilt,
schließt aber keineswegs vergleichbare Eigenschaften
aus. Interessantester Bestandteil des Brottrunks sind
wohl die Milchsäuren, die man in rechts- oder
linksdrehende einteilt. Bisher war man der Ansicht,
daß nur rechtsdrehende Milchsäure positiv
zu bewerten ist, weil der Körper sie rascher aufnehmen
und zur Energiegewinnung verstoffwechseln kann. Die
nur langsam abbaubare linksdrehende Milchsäure
dagegen könne zu einer Übersäuerung
des Blutes beitragen, hieß es. Diese Behauptung
ließ sich aber nicht beweisen, so daß neuere
Theorien sogar eine allgemeine Stoffwechselanregung
im Sinne einer "Entschlackung" für wahrscheinlicher
halten.
Produkte mit überwiegend rechtsdrehender Milchsäure
schmecken in der Regel saurer. Während in Joghurt
und anderen Sauermilcherzeugnissen rechtsdrehende
Milchsäure überwiegt, scheint Brottrunk
ebenso wie Sauerkraut beide Formen zu gleichen Anteilen
zu enthalten. Ohnehin ist linksdrehende Milchsäure
in den meisten Lebensmitteln genauso präsent wie
die vielgelobte rechtsdrehende, nur die Mischungsverhältnisse
sind jeweils anders.
Neben wertvollen Mineralstoffen dürfen außerdem
einige Aminosäuren (Prolin, Leucin) und Enzyme
nicht vergessen werden. Der auffallend hohe Natriumanteil
erklärt sich aus dem Würzen des Brotteiges
mit Kochsalz. Nennenswert ist die Gruppe der B-Vitamine,
darunter besonders das Vitamin B12 , das den Aufbau
körpereigener Aminosäuren und die Reifung
der roten Blutkörperchen unterstützt.
Umfangreiche Erfahrungen belegen, daß der regelmäßige
Genuß von Brottrunk nicht nur subjektiv als stärkend
und vitalisierend empfunden wird, sondern nachweislich
das Immunsystem anregt und damit die Abwehrkraft gegen
Krankheitserreger erhöht. Berichtet wird von guten
Behandlungserfolgen bei Hauterkrankungen und Neurodermitis,
aber auch bei Asthma und Verdauungsstörungen unterschiedlichster
Art.
So brachten zum Beispiel Allergikerinnen, die während
der Schwangerschaft zum Brottrunk griffen, nur in
rund zehn Prozent der Fälle ein allergiekrankes
Baby zur Welt. Auch bei Pilzerkrankungen des Darms
ist die regulierende Wirkung des Gärgetränks
unübersehbar. Zudem normalisieren sich die Kalium-,
Calcium- und Magnesium-Blutwerte auf lange Sicht.
Und: Grippale Infekte, so eine Heidelberger Studie,
werden mit Brottrunk besser überstanden.
Darüber hinaus wurde ein "selektiver Abfall
des schädigenden LDL-Cholesterin-Wertes"
von Professor Fritz Matzkies in Bad Neustadt beobachtet.
Der anthroposophisch orientierte Arzt Udo Renzenbrink
hatte schon vor längerer Zeit die schnellere
Abheilung von Akne und die Verbesserung der Glukoseverwertung
(Alters-Diabetes) herausgestellt.
Am bemerkenswertesten sind jedoch die "meßbaren
Gesundheitsverbesserungen", die weißrussische
Ärzte in der Therapie von tausend Kindern erzielten,
die nach der Tschernobyl-Katastrophe verstrahlt wurden.
Wilhelm Kanne hat nach Veröffentlichung dieser
Ergebnisse Tausende von Litern seines Brottrunks nach
Osten transportiert und tut dies noch heute. Weil
der Bedarf des dortigen 500-Betten-Krankenhauses so
auf Dauer aber nicht zu decken ist, baute man in Weißrußland
mit Kannes Unterstützung eine lokale Produktionsanlage
auf. Auch bei unveränderten Ernährungsgewohnheiten,
so erklärt Wilhelm Kanne, ließen sich mit
seinem Brottrunk in 30 Tagen 70 Prozent Cäsium
137 aus dem Körper eliminieren.
Mit russischem Kwaß lasse sich Brottrunk aber
nicht vergleichen, stellt Kanne klar, denn der enthalte
einigen Alkohol. Kanne sieht sich als "einzigen
Lebensmittel-Hersteller, der klassische medizinische
Forschung betreibt." Mit feinstofflichen Meßmethoden
wie Kinesiologie, Biotensor oder Pendeln könne
man die Qualität verschiedener Produkte gut bestimmen.
Beim Kanne Brottrunk gibt es übrigens keine Rosinen
mehr, aus hygienischen Gründen beugt man der Bildung
von Kahmhefe lieber mit heißem Dampf vor.
Brottrunk sei kein kulinarischer Genuß, weiß
Kanne, er werde daher meist von Kranken konsumiert.
Wann und wie oft er angezeigt sei, hänge vom Einzelfall
ab. Dennoch spricht nach bisherigen Erkenntnissen nichts
dagegen, Brottrunk sozusagen prophylaktisch regelmäßig
vor den Mahlzeiten zu trinken.
Anregend wie zwei Tassen Kaffee
Kurmäßige Anwendungen für eine bestimmte
Zeit sind genauso sinnvoll. Der Trunk hat anregende
Wirkung (Bahde: "Wie zwei Tassen Kaffee")
und beugt Konzentrationsmangel in Streßsituationen
vor. Wer die Säure des puren Getränks nicht
mag, kann mit Mineralwasser oder Saft verdünnen.
Selbst äußerliche Anwendungen wie Einreibungen
oder Bäder bei Erkältungen und zur Stabilisierung
des Kreislaufs sind denkbar. In der Küche hat
die milchsaure Flüssigkeit als gut verträgliches
Säuerungsmittel anstelle von Essig und Zitronensaft
in Salatsaucen, Suppen und Eintöpfen ihren Platz.
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