Burgunder - eine Großfamilie

Es begann mit einer roten Rebe namens Pinot Noir. Bei uns heißt sie Blauer Spätburgunder. In Burgund wurde aus ihr vermutlich schon vor mehr als tausend Jahren Rotwein erzeugt. Der fand offenbar auch anderswo Anklang, denn die Rebe breitete sich immer mehr aus. Bei den Ökowinzern steht die Rebe hoch im Kurs.

Aber der Pinot noir ist kein "Hans Dampf in allen Gassen" wie etwa die Moderebe Cabernet-Sauvignon. Im Gegenteil. Die Rebe ist empfindlich für die Unbilden des Wetters, sensibel für Fehler im Keller und launisch in der weiteren Entwicklung in der Flasche. In den Händen eines Winzers mit Können und Einfühlungsvermögen kann sie jedoch großartige Öko-Weine hervorbringen.

Aber so, als wollte sie jedem noch weitere Chancen geben, hat sie sich auf ganz besondere Weise vermehrt. Denn sie mutierte ein ums andere Mal. So entstand der Pinot Meunier, der bei uns Müllerrebe oder auch Schwarzriesling heißt, besonders verbreitet in Württemberg. Der Pinot Meunier stellt auch einen großen Anteil der Reben in der Champagne. Dort wird er gerade wegen seiner Robustheit geschätzt und steht deshalb in den weniger guten Lagen, während sein sensibler Stammvater Pinot Noir die günstigeren Hänge besetzt.

Eine weitere Mutation des Pinot Noir ist dann der Pinot Gris, der rötlich-graue Beerenhaut hat. Bei uns wird er Ruländer oder auch Grauburgunder genannt. Im Elsass heißt er Tokay, in Italien Pinot Grigio. Diese Sorte kann in Deutschland hervorragende Weine hervorbringen. Besonders in Baden und der Pfalz ist sie verbreitet, ist aber auch in anderen Gebieten auf dem Vormarsch. Die Weine sind meistens gehaltvoll bis vollmundig, elegant und mit gutem Säuregerüst. In günstigen Jahren gibt es häufig Spät- und Auslesen. Auch die Edelfäule befällt den grauen Burgunder gerne, wodurch dann Beerenauslesen oder sogar Trockenbeerenauslesen entstehen können. Viele deutsche Öko-Winzer haben diese Sorte im Anbau und erzeugen daraus sowohl trockene als auch süße und edelsüße Weine. Darüber hinaus ist der Graue Burgunder für die Sektherstellung bestens geeignet.

Im gut sortierten Weinregal des Naturkostladens sind diese Weine meistens zu finden. Noch viel häufiger allerdings der heute allseits so beliebte Pinot Grigio aus Norditalien, der meistens leichter ist als seine deutschen Kollegen.

Die weißen Sorten machten ihren Weg
Aber nicht genug der Mutationen. Aus dem Grauburgunder entstand der Weißburgunder oder Pinot blanc. Wiederum eine interessante Sorte, die ihren Weg machte. Wir finden sie heute vor allem in Baden, Elsaß, der Pfalz und Norditalien (Pinot bianco). Ihre Weine sind schlanker als die ihres grauen Verwandten, meistens neutral, aber mit Körper und Eleganz. Sie passen ausgezeichnet zum Essen, besonders zu Gemüse und Fisch. In Deutschland wird der Weißburgunder immer beliebter. Er ist schon recht häufig im Naturkostladen zu finden.
Die erfolgreichste weiße Burgundersorte ist aber der Chardonnay. Er stellt den größten Teil der weißen Reben in Burgund und hat sich inzwischen zur weltweit führenden weißen Rebsorte entwickelt. Von Südfrankreich bis Norditalien, von Kalifornien bis Australien, überall ist diese Rebe dank ihrer enormen Anpassungsfähigkeit erfolgreich. In verschiedenen Böden und Klimazonen ist sie fast immer in der Lage, guten Wein hervorzubringen.

Seit kurzem zeigt sie auch in Deutschland, was sie kann. Vor allem in Baden und der Pfalz lassen sich immer mehr Chardonnay-Weine finden, teilweise im modern gewordenen Barrique-Stil, das heißt im kleinen Eichenfaß vergoren und gereift. Das Klima im Rheintal ist gut geeignet für Chardonnay-Reben, und so entstehen bei uns immer mehr ausgezeichnete Weine aus dieser Sorte. Auch bei den Öko-Winzern wird sie immer beliebter, und so wird sich bald schon der eine oder andere deutsche Öko-Chardonnay im Naturkostladen finden.

Kaum zu übersehen ist dagegen das Angebot an Chardonnay-Weinen aus Frankreich und Italien. Es reicht vom einfachen Landwein bis zum edlen Burgunder, bei dem dann allerdings die Rebsorte meistens gar nicht mehr auf dem Etikett genannt wird.

So haben sich die vielen Mitglieder der Burgunderfamilie mit großem Erfolg über die ganze Welt ausgebreitet. Der Freund des Öko-Weins kann heute seine wahre Freude daran haben.
Wolfram Römmelt

Im sechsten Teil der Serie zum Thema Wein informieren wir Sie in der März-Ausgabe über die Anbau- gebiete in der Toskana.

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