Einblick
Antibiotika-Mißbrauch fördert Resistenzen
Der Verdacht, daß die Ausbreitung resistenter Bakterien eng mit dem großzügigen Gebrauch von Antibiotika
zusammenhängt, wurde bei einer Untersuchung an isländischen Kindern
zweifelsfrei erhärtet. Auf der Insel waren Pneumokokken, die nicht
auf Penicillin ansprechen, erstmals 1988 nachgewiesen worden. Fünf
Jahre darauf war schon jeder fünfte Erregerstamm unempfindlich. Auch
auf Erythromycin, Tetracyclin, Sulfonamide und andere Substanzen sprachen
viele Keime nicht mehr an. Durchschnittlich zehn Prozent der Pneumokokken
wiesen eine oder mehrere Resistenzen auf. Bei Kindern bis zum Alter von
zwei Jahren war der Anteil sogar doppelt so hoch. Die Wissenschaftler raten
dringend zu Maßnahmen gegen den verbreiteten Antibiotika-Mißbrauch.
Überleben inmitten von Gefahren
Die Erde war "nie ein Garten Eden (...). Inmitten von Gefahren zu gedeihen,
ist das Schicksal der menschlichen Rasse". Mit dem Abschied vom "Zeitalter
der Illusionen" beginnt der renommierte US-Mediziner Frank Ryan sein
Buch "Virus X - Den neuen Killer-Viren auf der Spur" (Umschau
Buchverlag, Frankfurt/M. 1997, 49,80 DM). Die Rückkehr der von vielen
schon besiegt geglaubten Mikroben liest sich spannend wie ein Kriminalroman,
doch wird der Täter am Ende nicht gefaßt, sondern der Ausgang
bleibt offen. An das Leben an der Seite tödlicher Krankheitserreger
müsse sich der Mensch wohl gewöhnen, sagt Ryan, auch an die Vorstellung,
sie könnten eines Tages die ganze Zivilisation auslöschen. Die
wiederum ist nicht unschuldig am Fortgang der Dinge. Der Wahn, moderne Wissenschaft
würde irgendwann die Virus-Gefahr endgültig beseitigen, trägt
ebenso wie unsere Ahnungslosigkeit zur Unterschätzung der Gefahren
bei. Die heißen jetzt Ebola, Hanta, Malaria oder Aids, doch morgen
werden es vielleicht ganz andere sein. Mit Naturromantik läßt
sich ihnen nicht beikommen. Trotzdem sind wir ihnen nicht so hilflos ausgeliefert,
wie es zunächst scheinen mag. Gegen lähmenden Fatalismus hilft
laut Ryan nur umfassende Information.
Mit Hildegard von Bingen
gesund durch's Jahr
Als Begleiter für die kalten Februartage haben wir diesmal zwei Pflanzen
ausgesucht, die Hildegard wegen ihrer wärmenden Qualitäten hervorhebt:
Ingwer und Muskatnuß. Obwohl Hildegard von Bingen den "sehr heißen"
Ingwer mehr dem "dürren und hinfälligen" Menschen zuordnet
und bei wohlgenährten Naturen Bedenken hat, sei Ingwertee allen empfohlen,
deren Abwehr jetzt geschwächt ist und die bei einer Erkältung
die Kraft feuriger Gewürze gut gebrauchen können. Ein vier Zentimeter
langes Stück Ingwerknolle wird grob zerkleinert und mit einem Liter
kaltem Wasser aufgesetzt. Nach 30-minütigem Köcheln wird die Flüssigkeit
durch ein Sieb abgegossen und anschließend der Tee mit Honig gesüßt
langsam getrunken. Bei Schwächezuständen kann man auch etwas Ingwerpulver
aufs Frühstücksbrot streuen. In der Volksmedizin kommt Ingwer
bei Durchblutungsstörungen und krampfartigen Beschwerden wie Ischias
und Hexenschuß zum Einsatz. Im indischen Ayurveda gilt die Wurzel
sogar als eine Art Allheilmittel.Daß die Muskatnuß dank ihrer
Inhaltsstoffe Elemicin und Myristicin halluzinogene und antriebssteigernde
Wirkung hat, ist wissenschaftlich belegt.
In höheren Dosen kann die Nuß einen Abort auslösen, wozu
sie früher auch gezielt mißbraucht wurde. Vor Überdosierungen
sei also gewarnt. In Maßen genossen, öffnet die Muskatnuß
nach Hildegard "das Herz des Menschen und läutert sein Gefühl
und verschafft ihm einen guten Verstand". Wer die winterliche Melancholie
beseitigen und zur allgemeinen Gesunderhaltung und Steigerung der Leistungsfähigkeit
beitragen will, sollte einmal Hildegard-Nervenkekse probieren. Aus den Zutaten,
3 Teelöffel Zimt, 1 geriebene Muskatnuß 125 Gramm Butter, 250
Gramm Mehl (fein), 1 Ei, 3 Eßlöffel Rohrzucker und 1 Eßlöffel
Honig knetet man einen Teig, rollt ihn flach und sticht daraus kleine Plätzchen.
Nach zehnminütigem Backen bei 180 Grad sind die Kekse fertig. Schwangere,
Stillende und Kinder sollten jedoch nicht davon essen, gesunde Erwachsene
nicht
mehr als sechs Stück pro Tag.
Neurodermitis durch Candida?
Die Entstehung chronischer Hautkrankheiten wie Neurodermitis wird möglicherweise
durch Pilze im Darm begünstigt. Eine Studie des Herborner Institutes
für Mikroökologie ergab, daß jeder zweite Neurodermitiker
extrem hohe Mengen des Hefepilzes Candida albicans im Verdauungstrakt hat.
Kritiker bezweifeln allerdings, ob der Pilzbefall wirklich die Ursache der
Hautreaktionen ist und nicht eher die Folge einer geschwächten Immunabwehr.
Bei Neurodermitis handelt es sich in ihren Augen ohnehin um eine systemische
Allgemeinerkrankung und nur oberflächlich betrachtet um ein Hautleiden.
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