Toskana - Classico in Öko-Qualität

Viele hat sie schon verzaubert: Die Landschaft der Toskana erscheint besonders im Frühling wie ein Stück vom Paradies. In der Heimat des Chianti wachsen inzwischen hervorragende Öko-Weine.

Das herrliche Frühjahr ist nur eine Seite der Wirklichkeit. Denn die toskanische Hügellandschaft liegt 200 bis 600 Meter über dem Meer. Da weht öfter ein rauher Wind, die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind groß, die Winter oft hart.

Oliven- und Weinkultur sind uralt in der Toskana, sie tragen viel zum Bild dieser Landschaft bei. Doch war dieses Land durch die Jahrhunderte immer arm, und der Wein meist von einfacher Art. Erst in den letzten 25 Jahren hat sich der Weinbau in der Toskana verändert, allmählich findet er Anschluß an die berühmtesten Anbauregionen der Welt.

Der bekannteste Wein der Toskana ist der Chianti, der bis vor kurzem aus zwei roten und zwei weißen Sorten hergestellt werden mußte, wovon aber die einzig hochwertige die rote Sangiovese-Traube ist. Heute gibt es Chianti-Weine, die ausschließlich aus dieser Sorte bestehen und höchste Ansprüche erfüllen. Zunehmend werden französische Sorten mitverwendet wie zum Beispiel Merlot, Cabernet und Syrah. Diese Entwicklung wurde angestoßen durch die sogenannten "Super-Toskaner", eine Kategorie, die im bewußten Gegensatz zur alten starren Chianti-Definition entwickelt wurde. Auf diesem Niveau wurde immer schon ausschließlich mit hochwertigen Sorten und Barriques, den kleinen Eichenfässern, gearbeitet. Diese "Super-Toskaner" überflügelten die Chianti-Tropfen in Qualität und Preis bei weitem. Jetzt öffnet sich der Chianti für diese Neuerungen und eine Annäherung beginnt.

Der "Chianti Classico" kommt aus einem Teilgebiet im Herzen der Toskana. Hier wird schon etwas länger auf höhere Qualität geachtet, vor allem im Hinblick auf Rebsorten und Ertrag. Dementsprechend hat er unter allen Chianti-Weinen das beste Ansehen.

Es gibt in der südlichen Toskana zwei weitere Rotweinspezialitäten. Die interessanteste ist der "Brunello di Mon- talcino". Er entsteht ausschließlich aus der Sorte Brunello, die eine Spielart des Sangiovese ist. Dieser Wein ist schwer und alkoholreich, er eignet sich für langes Einkellern. Erst nach vier Jahren Lagerung, davon mindestens drei Jahre im Faß, darf der edle Tropfen in Verkauf gebracht werden.

Der Montepulciano:
ein nobler "kleiner Bruder"

Die zweite Spezialität ist sozusagen der Nachbar und kleine Bruder des Brunello, der "Vino Nobile di Montepulciano". Er entsteht aus der üblichen Chianti-Rebenmischung, wie dieser aber immer mehr nur aus Sangiovese. Durch das wärmere Klima ist der Vino Nobile schwerer, üppiger und säureärmer als der Chianti.

Der interessanteste Weißwein der Toskana ist der "Vernaccia di San Gimignano". Er wächst im Umkreis San Gimignanos, der Touristenstadt mit den hohen Türmen. Vernaccia ist eine kleinbeerige Rebsorte. Sie bringt in guten Jahren sehr achtbare Weine hervor, die gut zu Fisch- und Gemüsegerichten passen, zum Beispiel zu Spargel.

Es gibt in der Toskana eine ganze Reihe von Betrieben, die ökologischen Weinbau betreiben. Viele ihrer Produkte sind im Naturkostladen zu finden: neben dem einfachen Chianti die sogenannten "Chianti Colli Senesi" und "Chianti Colli Fiorentini", was auf die Anbauzonen um Siena und Florenz hinweist und gleichzeitig eine höhere Qualität anzeigt. Auch der berühmte "Chianti Classico" wird in den meisten Naturkostläden angeboten. Hier gibt es einige hervorragende Weine zu entdecken.

Seit kurzem kommt ein "Vino Nobile di Montepulciano" aus ökologischem Anbau, der zu den besten seines Anbaugebiets gehört. Und beim "Brunello di Montalcino" besteht Hoffnung, denn ein Betrieb ist zur Zeit in Umstellung. Aber da die Brunelli erst nach vier Jahren Lagerung auf den Markt kommen, ist noch ein wenig Geduld angesagt. Der "Vernaccia di San Gimignano" dagegen ist im ökologischen Anbau bereits mit zwei Betrieben vertreten, ebenso die sogenannten Super-Toskaner.

Auf ökologischen Anbau wird immer per Etikett oder Rückenetikett hingewiesen. Am häufigsten ist der Verband AIAB (Associatione italiana l'Agricoltora biologica) zu finden. Meistens mit dem Zusatz "Regime di Controllo CEE" und einem Bandwurm aus Buchstaben und Ziffern. Die Bezeichnung weist auf die EU-einheitliche Bio-Kontrolle hin, dann folgt die Kontrollnummer. Umstellbetriebe sind kenntlich gemacht durch: "Agricultura Biologica in Conversione". Es gibt darüber hinaus Bio-Betriebe, die keinem Anbauverband angehören. Dann findet sich auf dem Etikett lediglich der Hinweis auf die Kontrolle und die Kontrollnummer.

Daß Küche und Keller der Toskana einiges zu bieten haben, muß man nicht eigens betonen. Wohl aber, daß die Auswahl der Öko-Produkte immer größer wird. Es lohnt sich also, auf Entdeckungsreise zu gehen.
Wolfram Römmelt

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