Natur&Mode
Ökologisch - Modisch
Fünf Designerinnen und ihre neuen Kreationen
Was tragen ökologisch bewußte Leute im Frühjahr/Sommer '98? Unsere Redakteurin Barbara Gruber hat sich umgesehen und fünf Naturtextil-Designerinnen nach ihren neuen Kollektionen befragt.
Eva Seiser,
Designerin bei
Leela Cotton, Bremen
"Naturtextilien müssen heute nicht mehr nur gesund, sondern auch schön und modisch sein."
Das Entwerfen und Nähen von Textilien hat bei Eva Seiser Familientradition.
Bereits mit 12 Jahren entwarf sie ihre ersten eigenen Klamotten. Mit Öko-Mode kam die Designerin in Kontakt, als ihre Tochter an Neurodermitis erkrankte. "Textilien aus unbehandelter Baumwolle kann meine Tochter mit gutem Gewissen tragen", erklärt sie. Außerdem schätzt sie an der Naturtextilbranche den vernünftigen Umgang mit Rohstoffen und die fairen Arbeitsbedingen, die der Natur und den Menschen zu Gute kommen. Anregungen holt sich Eva Seiser von überall - aus Magazinen, Medien, Kunstbüchern.
"Und manchmal ist eine Idee einfach da," meint sie.
Im Frühjahr/Sommer '98 setzt Leela Cotton auf weibliche und sportliche Mode, die von ganz normalen Frauen getragen werden kann.
"Wir verfolgen keinen bestimmten Trend. Für uns ist es auch unbedeutend, ob in der nächsten Saison rosa oder giftgrün in sein wird, da wir mit Farben aus ökologischen und geschmacklichen Gründen sparsam umgehen", erklärt Eva Seiser und verrät, daß in der aktuellen Kollektion natur, blau und ziegelrot überwiegen.
Sabine Hofius-Dümer,
Diplom-Designerin von MiniMatz Kinderbekleidung
und der Damenkollektion by Sabine Hofius, Dortmund.
"Naturtextilien sind dem "Kartoffelsack"-Image entwachsen und verbinden heute Design mit Umweltverträglichkeit." Für Sabine Hofius-Dümer ist die Öko-Textilbranche Herausforderung und Chance zugleich. "In einer Zeit, in der die konventionelle Modeindustrie sehr viel Plastik verarbeitet und Wegwerfkleidung produziert, bietet die Naturtextilbranche die Möglichkeit qualitativ hochwertige Produkte zu entwickeln", erklärt sie und bemängelt "die große Resourcenverschwendung der konventionellen Hersteller." Aktuelle Trends sind ihrer Meinung nach für Naturtextilien von Bedeutung, denn "auch wer Naturmode trägt, ist hinsichtlich des Designs Umgebungseinflüssen ausgesetzt." Anregungen holt sich die Designerin auf Messen in Paris und Mailand und durch "Gucken, welche Richtungen sich auf der Straße abzeichnen". Umgesetzt werden diese jedoch nur im weitesten Sinne. "Die Kundinnen suchen uns, gerade weil
ich Trends mit meiner eigenen Handschrift interpretiere", erklärt sie. Über die
neue Kollektion verrät Sabine Hofius-Dümer: "Sie ist schmal geschnitten,
jedoch nicht hauteng; körperbetont und dennoch bequem."
Anja Kendziersky, Modedesignerin
bei Living Crafts, Achberg-Esseratsweiler
"Naturtextilien sind eine ständige Herausforderung. Man trägt eine große Verantwortung und muß flexibel sein, da die Stoffauswahl begrenzt ist und viele ökologische Anforderungen zu erfüllen sind." Bevor Anja Kendziersky zu Living Crafts kam war sie im konventionellen Modebereich in Paris tätig. Der enorme Preisdruck, aufreibende Diskussionen über Rocklängen und die ständige Anforderung, möglichst billig zu produzieren, waren für ihre damalige Arbeit kennzeichnend. "Dort bleibt menschlich viel auf der Strecke", so die Designerin, "und es kam der Punkt an dem ich mehr leisten wollte, als Plastikmode zu machen, die nur eine Saison halten sollte." Trotzdem, zweimal im Jahr holt sie sich Anregungen in Paris. "Man sollte sich der konventionellen Mode nicht verschließen. Ich greife aktuelle Themen auf, die sich bei Naturtextilien umsetzen lassen. Meine Modelle müssen nicht hochmodisch sein, sollten sich aber zumindest an die aktuellen Trends anlehnen", erklärt Anja Kendziersky.
In der neuen Kollektion von Living Crafts überwiegt Leinenjersey, aber auch Baumwollstrick in kbA-Qualität kommt zum Einsatz. Sie fällt durch Zacken, Säume unterschiedlicher Länge und das Spielen mit Schrägen und Säumen auf. Im Vordergrund stehen dunkle und gedeckte Farben, insbesondere lila.
Simone Adrian,
Diplom-Designerin bei hess natur, Butzbach
"Es ist eine Freude zu sehen, daß selbst ein klassischer Anzug ökologisch produziert werden kann." Ihre Laufbahn als Designerin startete Simone Adrian in einer konventionellen Modefirma. "Irgendwann hat mir nur Mode machen nicht mehr genügt. Bei hess natur habe ich gefunden, wonach ich seit langem gesucht habe, ganzheitliches Denken - an den Menschen und seine Umwelt", erklärt sie ihren Wechsel. Mode, die ökologischen Anforderungen entspricht, umfaßt für Simone Adrian mehr als Stil, Ästhetik und wirtschaftliche Interessen: "Die Menschen sollen sich in ihrer Kleidung durch und durch wohlfühlen und es gilt einen Beitrag zu leisten, die Welt in der wir leben und in der auch noch unsere Kinder und Enkel leben sollen, lebenswert zu erhalten." Anregungen holt sich die Designerin auf Messen, bei Stadt- und Museumsbesuchen, durch Beobachten von Menschen auf der Straße und bei Gesprächen im Team. Was für gewöhnlich unter Modetrends verstanden wird, ist für ihre Kollektion nicht ausschlaggebend, denn Simone Adrian setzt auf eine "zeitlose, langlebige Mode, die einer flüchtigen Zukunft nicht atemlos nachhetzt."
Christa Müller,
zuständig für das Design bei Consequent, Imsweiler:
"Kleidung sollte sich nicht den Modetrends unterwerfen, sondern die Persönlichkeit des einzelnen Menschen unterstreichen."Der Wunsch individuelle Mode zu entwerfen und mit Materialien zu arbeiten, die "ökologisch einwandfrei" sind, war für Christa Müller ausschlaggebend im Naturtextil-Bereich tätig zu werden. "Saisonale Kleidung ist unökologisch", untermauert sie ihren Wunsch zeitlose Mode zu machen, die auch im nächsten Jahr noch getragen werden kann. Aktuelle Modetrends sind jedoch für Christa Müller kein Tabuthema. Anregungen findet sie auf Modemessen und in Trendheften. "Ich greife die Richtung grob auf und versuche sie individuell umzusetzten", erklärt sie. In der Frühjahr-/Sommer-Kollektion überwiegen Hanf- und Leinengewebe. Farblich dominieren warme Erd- und Rottöne. "Schlicht gehaltene Schnitte unterstreichen die Individualität und lassen dem Material Raum, sich zu entfalten", so die Designerin.
Übrigens...
....die Deutschen zählen zur Weltspitze beim Textilverbrauch. Jährlich kauft jeder Bundesbürger rund 26 Kilogramm Stoffe, wozu außer Kleidern (zehn Kilo) und Bettwäsche auch Gardinen oder textile Verkleidungen am Auto zählen.
Wie die Enquete-Kommission "Schutz des Menschen und der Umwelt" des deutschen Bundestages ermittelt hat, liegt der Weltdurchschnitt des Textilverbrauchs bei acht Kilo.Die Ex- und Hopp-Mentalität geht auf Kosten der Umwelt. In der Bundesrepublik setzen die Hersteller jährlich 100 000 Tonnen Textilhilfsmittel zur "Veredlung" ein. Hinzu kommen 100 000 bis 280 000 Tonnen sonstige Chemikalien und 11 000 Farbstoffe. Von den Textilhilfsmitteln und Farbstoffen bleiben etwa zehn Prozent auf der Kleidung, bei Baumwolle kann dieser Anteil auf 30 Prozent steigen. Formaldehyd, Farbstoffe, oder andere Zusätze können Hautreizungen,
Allergien und weitere Gesundheitsschäden auslösen.Belastet werden zudem die nachfolgenden Generationen. Pro Jahr mustern die Bundesbürger 600 000 bis 800 000 Tonnen Kleider aus, die Hälfte davon landet auf der Deponie oder in der Müllverbrennung. Außerdem müssen je Kilogramm veredelter Kleidung etwa
70 Gramm Klärschlamm entsorgt werden.
Naturtextilien:
Rohstoffe sind immer bio
Einige der Naturtextilhersteller, sind Vollmitglied im Arbeitskreis Naturtextil, einem Zusammenschluß von derzeit 16 Herstellern. Die Unternehmen sind verpflichtet, die Mitgliedschafts- Qualitätsstandards einzuhalten. Im Rahmen dieser Standards dürfen derzeit auch noch Materialien aus konventionellem Anbau bzw. aus konventioneller Tierhaltung verarbeitet werden.
Wo gibt's die neuen Modelle?
Consequent, Leela Cotton, Living Crafts und MiniMatz verschicken auf Anfrage Bezugsadressen. Naturtextilien von hess natur können über Katalog bestellt oder im hess natur Laden gekauft werden.
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