EINBLICK

Truthahn-Bakterien im menschlichen Darm
Antibiotikaresistente Darmbakterien von Truthähnen fanden niederländische und dänische Forscher jetzt auch im Darm des Menschen. Ursache der Resistenz ist nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung das Verfüttern des Mittels Avoparcin, das in der Geflügelmast als Leistungsförderer benutzt wird. Bei fast 40 Prozent der Geflügelzüchter und jedem fünften Schlächter ließen sich die Truthahn-Bakterien nachweisen. Selbst bei 14 Prozent der im Umkreis der Zuchtbetriebe lebenden Menschen fand man die Erreger im Darm.

Bioethik-Konvention in Deutschland gescheitert?
Die Gegner der umstrittenen Bioethik-Konvention des Europarates (ER) wittern Morgenluft. Nachdem der Versuch, das Regelwerk noch vor der Sommerpause durch den Bundestag zu boxen, gescheitert ist, sehen die Kritiker gute Chancen, es 1999 in Deutschland endgültig zu Fall zu bringen. An dem Text wird vor allem bemängelt, daß er Forschung an Menschen ohne deren Zustimmung sowie Experimente mit Embryonen erlaubt. Außerdem enthält er keinen Datenschutz für Gentest-Resultate und eine nur halbherzige Absage an das Klonen von Menschen.

Der SPD-Abgeordnete Robert Antretter sieht in dem Aufschub mehr als nur einen Etappensieg, sondern spricht von einem Erfolg gegen die Übermacht der Industrie- und Wissenschaftslobby. Von der Haltung der Kirchen ist er ebenso wie sein Parteikollege Wolfgang Wodarg enttäuscht. Die Kirchen hätten nur "unverständliche Weichheiten" von sich gegeben und damit "schmählich versagt", so Wodarg. Ein klares Nein zur Konvention und ein nationales Forschungsbegleitgesetz sind für Wodarg die einzig "logische Konsequenz".

Mitreißende Pillen-Story
Die Antibabypille ist das erfolgreichste Medikament aller Zeiten. Millionen von Frauen kaufen und schlucken sie täglich, als sei es das selbstverständlichste von der Welt. So sollte es auch sein, nach dem Willen von Margaret Sanger, einer kämpferischen Sozialistin und Feministin, ohne die der spätere Siegeszug des Kontrazeptivums kaum denkbar gewesen wäre. Wie sie ihre Zeitgenossen mit dem neuen Wort "Geburtenkontrolle" schockierte und 1916 in den USA die erste Verhütungsklinik ins Leben rief, schildert Bernard Asbell in seinem Buch "Die Pille und wie sie die Welt veränderte" (Verlag Antje Kunstmann, München 1996, 448 Seiten, DM 48,-) auf mitreißende Art.

Das Klappentext-Attribut "Spannend wie ein Kriminalroman" ist keineswegs übertrieben. Wir erfahren interessante Details über die Verhütungstricks unserer Vorfahren, den Pioniergeist einzelner Forscher, die Moralpredigten der Kirchen und die anfängliche Skepsis der Pharmaindustrie. Doch Asbell greift auch kritische Fragen nach den gefährlichen Nebenwirkungen ("Pillen killen") und den ethischen Herausforderungen "im Zeitalter der Biointervention" auf.

Der renommierte Journalist hat keine trockene Geschichte der Pille geschrieben, sondern eine lebendige Sozialreportage, die durch ihre elegant-feuilletonistische Sprache besticht. Selten hat Wissen so viel Spaß gemacht.

Hans Krautstein

 

Mit Hildegard von Bingen gesund durch's Jahr
Der Knoblauch, der in diesen Tagen zu blühen beginnt, hatte in Hildegards Arzneiküche vor allem bei der Behandlung von Schwächezuständen seinen festen Platz. "Für Gesunde und Kranke ist er heilsamer zu essen als der Lauch. Und er muß roh gegessen werden, denn wer ihn kochen würde, machte daraus sozusagen verdorbenen Wein. (...) Er schadet auch nicht den Augen. Trotzdem wird aber wegen seiner Wärme das Blut um die Augen sehr erregt, aber nachher werden sie rein. Aber er soll mäßig gegessen werden, damit das Blut im Menschen nicht übermäßig erwärmt werde. Wenn aber der Knoblauch alt ist, dann vergeht sein gesunder und rechter Saft , aber wenn er dann durch andere Speisen gemäßigt wird, erlangt er seine Kräfte wieder."

Hildegard bevorzugt also eindeutig rohen Knoblauch, denn nur der ist stark antibakteriell. Die blutverdünnende und cholesterinspiegelsenkende Wirkung behält Knoblauch dagegen auch nach dem Kochen. Frischer Knoblauch ist den meisten Knoblauch-Pillen auch deshalb überlegen, weil er im Gegensatz zu den Präparaten nicht nur die öllöslichen, sondern auch die wasserlöslichen Wirkstoffe enthält. Länger als ein Jahr sollte man die Knolle ohnehin nicht lagern, sonst ist die Heilkraft weitgehend dahin. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei etwa vier Gramm.

Chronobiologie im Internet
Die Wirkung von Medikamenten und der Erfolg medizinischer Untersuchungen hängt stark von der jeweiligen Tageszeit ab. Der günstigste Zeitpunkt für Impfungen und Röntgenaufnahmen ist etwa um neun Uhr morgens, Mammographien liefern an den Tagen vor dem Eisprung das zuverlässigste Ergebnis.

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