Während die thermische Nutzung der Sonnenkraft ausgereift und akzeptiert ist, gilt Solarstrom als zu teuer und nicht konkurrenzfähig. Doch die rasante technische Entwicklung eröffnet ungeahnte Möglichkeiten. Wenn Politiker und Bürger es wirklich wollen, ist der solare Durchbruch greifbar nah.
Sonnenenergie ist zwar nur ein Baustein in einem ressourcenschonenden Energiekonzept, aber ein eminent wichtiger. An sonnigen Tagen fällt auf eine Fläche von 15 Quadratmetern etwa soviel Strahlungswärme, wie die Heizung in einem Einfamilienhaus liefert. Nur leider scheint die Sonne nicht immer. Trotzdem sind solarthermische Anlagen, die Sonnenlicht in Wärme umwandeln und zur Temperierung von Brauchwasser oder zur Heizungsunterstützung dienen, schon heute nahezu wirtschaftlich (siehe Kasten). Fast 200.000 deutsche Haushalte nutzen die Vorteile der Solarthermie, immer mehr Schwimmbäder und gewerbliche Heizsysteme arbeiten mit Sonnenkraft. Das durchschnittliche jährliche Wachstum lag in den vergangenen zehn Jahren bei 25 Prozent.
Auch die Photovoltaik, die direkte Umwandlung von Licht in Strom, erlebte 1997 ein Rekordjahr (Steigerung um 56 Prozent). Trotzdem blieb ihr bisher der Durchbruch versagt. Doch nicht nur in den Nischen tut sich einiges. Die sogenannten Inselsysteme, also netzunabhängige Anlagen, die den Strom direkt verbrauchen oder in Batterien zwischenspeichern, sind vor allem in abgelegenen Gegenden sinnvoll. Dies gilt zwar auch für unsere Wochenendhäuser und Gartenhütten, aber mehr noch für die Stromversorgung in den Ländern der Dritten Welt. Für viele der zwei Milliarden Menschen, die weltweit ohne Stromanschluß sind, ist Photovoltaik die billigste Versorgungsmöglichkeit und gleichzeitig ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz. Hierzulande werden etliche Camping- und immer mehr Kleingeräte von der Notrufsäule bis zum Taschenrechner mit Inselsystemen betrieben.
Am häufigsten trifft man jedoch in Deutschland netzgekoppelte Photovoltaik-Anlagen an. Kleinkraftwerke bis 10 Kilowatt (kW) haben den größten Marktanteil und werden je nach Förderprogramm von Bund, Ländern oder Gemeinden mit 30 bis 50 Prozent bezuschußt (siehe Kasten). Doch da die Kosten für eine bescheidene Erstinvestition bei über 20.000 Mark liegen, wagen nur wenige Privatleute diesen Schritt. Sinnvoll ist er besonders dann, wenn parallel dazu der Stromverbrauch drastisch sinkt. Ein Drei-Personen-Haushalt könnte nach Expertenmeinung seinen Jahreskonsum von derzeit rund 3.500 Kilowattstunden (kWh) auf 1.500 kWh drücken. Diesen Bedarf würde schon eine Photovoltaik-Anlage mit 2 kW Leistung decken. Für die Montage eines solchen, rund 20.000 Mark teuren Kleinkraftwerks würden 20 bis 30 Quadratmeter Fläche benötigt.
Allein die Tatsache, daß jährlich 20 Milliarden kWh Strom im Stand-By-Betrieb verpuffen, zeigt, daß die Spar-Kalkulationen realistisch sind. Ein Videorecorder verschwendet 90 Prozent seines Stromhungers auf den Luxus, allzeit bereit zu sein. Wenn die Hersteller umdenken und das von der Gemeinschaft Energielabel Deutschland (GED) geforderte Öko-Siegel für geringen Stromverbrauch aufgreifen würden, wäre das Einsparpotential enorm.
Flankierende Maßnahmen: Nichts geht ohne Politik
Noch ist dies Zukunftsmusik. Gegenwärtig gilt Solarstrom als unrentabel und nicht konkurrenzfähig. Vor allem die Energieversorgungsunternehmen (EVU's) wehren sich gegen Veränderungen. Nur weil sie seit 1991 gesetzlich dazu verpflichtet sind, zahlen sie zähneknirschend 16,9 Pfennige pro kWh für die Einspeisung von privat erzeugtem Solarstrom ins öffentliche Netz. Eine kostendeckende Vergütung beziffern Fachleute allerdings auf knapp zwei Mark. Mehr als 30 bundesdeutsche Städte versuchen daher, mit erhöhten Einspeisevergütungen den Photovoltaikmarkt anzukurbeln.
"Ohne politische Weichenstellungen läuft nichts", betont Irm Pontenagel, Geschäftsführerin der Europäischen Sonnenenergie-Vereinigung Eurosolar. Die Photovoltaik sei "kein Selbstläufer", denn noch säßen die großen Stromkonzerne am längeren Hebel. Aber ihr Monopol beginnt deutlich zu wanken. Die seit Februar 1997 geltende EU-Binnenmarktrichtlinie erlaubt mittlerweile auch neuen, ökologisch sensibleren Stromproduzenten den Zugang zum Netz. An dessen anderem Ende kann jeder Abnehmer theoretisch frei entscheiden, von wem er seinen Strom bezieht. Doch die EVU`s sperren sich mit überhöhten Durchleitungsgebühren gegen den Liberalisierungstrend. Nur eine von der neuen Bundesregierung zu erlassende faire Netzzugangsverordnung, so Pontenagel, könnte den Markt für Solarstrom dauerhaft dezentralisieren.
Zwei oft erhobene Einwände gegen die breite Nutzung der Photovoltaik haben sich inzwischen als Vorurteile entpuppt. Die Behauptung, die Sonneneinstrahlung in Deutschland reiche für die Stromerzeugung in nennenswerten Mengen nicht aus, läßt sich ebenso widerlegen wie die These, man müsse zu diesem Zweck die gesamte Landesfläche mit häßlichen Solarzellen zupflastern. Schon jetzt, so das Ergebnis einer Studie des Osnabrücker Instituts für Umweltsystemforschung, könnte rund ein Drittel des benötigten Stroms einer deutschen Großstadt von der Sonne stammen. Daß dank technischer Innovation nicht mehr nur Schrägdächer mit Südost-/Südwest-Ausrichtung, sondern auch unzählige Fassaden für die Montage von Solarmodulen in Frage kommen, dürfte völlig neue Dimensionen eröffnen. Durch neue Farbvariationen bei den Modulen werden auch ästhetische Skrupel zunehmend gegenstandslos.
Was also fehlt? Nach Meinung von Irm Pontenagel ein staatlich gefördertes Markteinführungsprogramm, das der Photovoltaik zum Durchbruch verhilft. Wenn die Nachfrage steigt, würden die Preise schnell fallen. Manche erhoffen sich vom jüngsten Regierungswechsel eine Kursänderung. Das 100.000 Dächer-Programm der SPD wurde immerhin auf Druck der Basis in den rot-grünen Koalitionsvertrag aufgenommen.
Weil solche Impulse überfällig sind, macht Greenpeace seit Monaten mit seiner "Aktion Stromwechsel" mobil. Der Solarstrom ist wichtiger Bestandteil in diesem grünen Energiemix aus Wasser-, Wind- und Sonnenkraft sowie gasbefeuerter Kraft-Wärme-Koppelung. Eine Beschwerde beim Bundeskartellamt soll den "Mißbrauch des Netzmonopols" durch die EVU's beenden und ein beim Bundesumweltamt beantragter "Umweltengel" das "Produkt sauberer Strom" profilieren helfen. Daß Anfang November der Begründer der Solarfabrik Freiburg, Georg Salvamoser, vom grünen Minister Jürgen Trittin mit dem Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ausgezeichnet wurde, könnte Nachahmer zusätzlich motivieren und die Trendwende auf dem deutschen Solarmarkt beschleunigen. Als Preisgeld erhielt Salvamoser für seine Pionierarbeit eine halbe Million Mark.
Zukunftsvision: Solarenergie könnte den Planeten verändern
Rund 8.000 Solarstromanlagen wurden bisher auf deutschen Privatdächern installiert, nicht gerade ermutigend viel. "Wenn alle darauf warten, daß Solarstrom billiger wird, wird er nie billiger", sagt der Solarexperte Christian Leppert. Der Betreiber eines Pensions- und Seminarhauses aus Aitern-Multen am Fuße des Belchen (Südschwarzwald) hatte schon vor über einem Jahrzehnt damit begonnen, sein "Haus Sonne" mit Solarmodulen auszustatten. Trotz schwer kalkulierbaren Bedarfs durch wechselnde Gäste deckt Lepperts ältere Photovoltaik-Anlage mit knapp 2kW-Leistung ein Drittel des gesamten Stromverbrauchs ab.
Inzwischen hat Leppert nebenher eine Firma gegründet und handelt selbst mit Solartechnik. Was ihn ärgert, ist, daß "viele nur die Modelle empfehlen, für die sie am meisten Provision kriegen". Leppert favorisiert die Dreischicht-Dünnfilm-Solarzellen, die nur einen Bruchteil des Rohsiliziums verbrauchen wie die klassische Kristallin-Fertigung. "Das Ende der Kristallin-Technik ist nahe", meint Leppert, das Kostensenkungspotential der neuen Module sei enorm. Für Leppert, Berater der Schönauer Stromrebellen und mehrerer Firmen ist das Ganze auch eine Sache des Herzbluts: "Wenn genügend Menschen das, was sie an Liebe, Zeit und Fachwissen in ihre Schrebergärten stecken, für die Solarenergie aufbrächten, könnte dies den Planeten verändern".
Hans Krautstein
Thermische Solaranlagen: Für Neubauten ein Muß
Mit seinem Phönix-Projekt für thermische Solaranlagen hat der Bund der Energieverbraucher (BdE) die Solarbewegung einen entscheidenden Schritt vorangebracht. Fast 12.000 Phönix-Anlagen wurden seit 1994 auf deutschen Dächern installiert. Grund dafür war nicht zuletzt das niedrige Preisniveau, das sich bei Bereitschaft zum Selbstbau noch weiter senken läßt. Schon für 5.000 bis 10.000 Mark, so BdE-Vorsitzender Aribert Peters, sind Phönix-Einstiegspakete zu haben. Verrechnet man diese Ausgaben mit den zu erwartenden Fördermitteln, wird die Nutzung der Sonnenkraft durchaus wirtschaftlich.
Nicht alle sehen die Phönix-Aktivitäten jedoch mit Sympathie. Der Deutsche Fachverband Solarenergie (DFA), in dem vor allem Hersteller, aber auch Händler, Handwerker und Planer organisiert sind, sprach von Wettbewerbsverzerrung. Die Konkurrenz wächst. Inzwischen gibt es eine erkleckliche Reihe kleiner und größerer Firmen, die Solarmodule verkaufen. Wer beabsichtigt, sich die Sonne aufs Dach zu holen, sollte sich vorher über technische Details, die Preise und vor allem den Beratungsservice eingehend informieren.
Bei Neubauten, wo die Wärmedämmung erheblich besser ist als bei älteren Häusern, ist der Einbau einer Solaranlage praktisch ein Muß. Dies meint der Systemwissenschaftler Olaf Giesen von der Osnabrücker Firma Solar-Direct - und ist mit dieser Ansicht keineswegs alleine. Vielmehr geht der Trend, nachdem die Warmwasser-Bereitung als umweltschonende Technik etabliert ist, nun zur solaren Raumheizung. Bisher funktioniert dies nur in Übergangszeiten, die längerfristige Wärmespeicherung in kleineren Wohneinheiten ist noch ein Problem. Allerdings hat inzwischen eine Firma aus Eberswalde zusammen mit dem Freiburger Fraunhofer-Institut einen neuartigen Speicher entwickelt, der in zwei Jahren marktfähig sein könnte. Im Großen wird die saisonale Wärmespeicherung bereits erprobt. Im Neckarsulmer Stadtteil Amorbach entsteht im Auftrag der Stadtwerke der erste Erdsondenwärmespeicher der Republik. Er wird mit Solardächern und Blockheizkraftwerken zu einem umweltfreundlichen Nahwärmesystem verknüpft, das langfristig auch im Winter einen ganzen Stadtteil mit Heizenergie versorgen soll.
"Grüne Tarife" und Öko-Strom
Manche der herkömmlichen Stromversorger bieten neuerdings sogenannte "grüne Tarife" an. Für Strom aus regenerativen Energien zahlt der Kunde freiwillig einen höheren Preis, die Mehreinnahmen sollen in die umweltschonende Stromerzeugung fließen. Hermann Scheer von Eurosolar sieht hierin "eine psychologische Ausbeutung umweltbewußter Stromkunden", weil der "grüne Scheintarif" das Verursacherprinzip im Umweltschutz auf den Kopf stelle. Am klaren Kohle- und Atomkurs der Stromwirtschaft änderten solche "grünen" Zusatzangebote nichts.
Scheer setzt dagegen auf einen echten Öko-Strommarkt, wobei unabhängige Anbieter ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien bereitstellen. Im Schwarzwaldort Schönau ist die ersehnte Abkoppelung schon gelungen. Die dortigen Elektrizitätswerke (EWS) befinden sich seit einiger Zeit in Bürgerhand. Der "Watt ihr Volt-Intensivstrom" wird als Energiemix bundesweit angeboten und ist gegen einen Aufpreis von acht Pfennigen pro Kilowattstunde zu haben.
Eine aktuelle Liste weiterer Stromanbieter, die auf Kohle und Atom verzichten, ist bei der Fachzeitschrift Solarthemen gegen fünf Mark in Briefmarken erhältlich. Kontakt: Solarthemen, Bültestraße 85, 32545 Bad Oeynhausen, Telefon 05731-83460, Fax 83469.
Solartechnik in Kürze
Thermische Solaranlagen arbeiten mit einem gewollten Treibhauseffekt. Sie fangen die Sonnenstrahlung mit gut isolierten Absorberplatten auf - darunter "staut" sich die Wärme sozusagen wie in einem Wintergarten - und geben sie über einen Wärmetauscher an einen im Haus befindlichen Wasserspeicher ab. Als Leitungen für den Wärmetausch benutzt man meist Kupferrohre, die mit einem Frostschutzmittel gefüllt sind. Dieses bewegt sich nur in einem geschlossenen Kreislauf und kommt nicht direkt mit dem Wasser in Kontakt.
Photovoltaik-Anlagen wandeln auf physikalischem Wege die Sonnenstrahlung in elektrische Spannung um. Dazu verwendet man Solarmodule, die aus Siliziumzellen in kristalliner oder amorpher (Dünnschicht-Technik) Form bestehen. Der von diesem sogenannten "Solargenerator" erzeugte Gleichstrom kann entweder in Inselsystemen verbraucht (beziehungsweise in Batterien gespeichert) oder - wie beim häufigeren Netz-Parallelbetrieb - über einen Einspeisewechselrichter mit dem normalen Stromnetz verbunden werden.
Aktuelle Förderprogramme
Zum Thema "Thermische Solaranlagen" hat das ÖKO-Institut ein Nachschlagewerk zusammengestellt, das neben detaillierten Angaben zu Technik, Umweltbilanz und Wirtschaftlichkeit auch eine Übersicht über aktuelle Förderprogramme enthält. Es kann als Buch (DM 29,80), CD-ROM (DM 89,-) oder im Paket (DM 98,- plus Versandkosten) bezogen werden bei: ÖKO-Institut, Postfach 6226, 79038 Freiburg.
Eine vergleichbare Marktübersicht zur Photovoltaik existiert derzeit nicht. Interessierte Verbraucher sollten entweder bei einer unserer Kontaktadressen um Rat fragen oder sich bei Kommunen, Ländern oder bei der Bundesregierung über die neuesten Fördermöglichkeiten informieren.
Kontaktadressen
Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände, Heilsbachstraße 20, 53123 Bonn, Telefon 0228-64890, Fax 644258.
Bund der Energieverbraucher (BdE), Grabenstraße 17, 53619 Rheinbreitenbach, Telefon 02224-92270.
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Birgit Siemen, Im Rheingarten 7, 53225 Bonn, Telefon 028-4009756.
Deutscher Fachverband Solarenergie (DFS), Bertoldstraße 45, 79098 Freiburg; Telefon 0761-296209-0.
Elektrizitätswerke Schönau GmbH (EWS), Neustadtstraße 8, 79677 Schönau, Telefon 07673-931578, Fax 931580.
Eurosolar, Plittersdorfer Straße 103, 53173 Bonn, Telefon 0228-362373, Fax 362375.
Greenpeace, Stromwechsel-Kampagne, Sven Teske, Große Elbstraße 39, 22767 Hamburg, Telefon 040-30618-312.
Solar-Projekte, Christian Leppert, Multen 6, 79677 Aitern, Telefon 07673-932011, Fax 932012.
Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme, 79100 Freiburg, Oltmannsstraße 5, Telefon 0761-45880.
Hessisches Umweltministerium, Abteilung Energie, Mainzer Str. 80, 65189 Wiesbaden, Fax 0611-815-1666
| Anbieter von "Grünem Strom" | |
| Firma | Kontakt |
| Grüner Strom AG | Tel. 040-37501372 |
| Naturstrom AG | Tel. 0211-7709686-0 |
| WRE Stromhandel GmbH | Tel. 06172-9245-0, Fax -99 |
| NaturEnergie AG | Tel. 07624-9080-3140, Fax-3149 |
| Watt Ihr Volt aus Schönau | Tel. 07673-931559, Fax -70 |
| Solarstrombörse Jahraus | 07121-371282, Fax -81 |
| EWE NaturWatt | 0441-350910-0, |
| Mann-Naturenergie GmbH&Co | Tel. 02661-6262-50 |
| Ökostrom Handels AG | Tel. 040-284063-0, Fax -25 |
| Vasa Energy GmbH&Co.KG | Tel. 040-374722-26, Fax -88 |
| Freiburger Energie- und Wasserversorgungs-AG | Tel. 0761-279-2410, Fax 2411 |
| Plambeck Neue Energien AG | Tel. 04721-718-440, Fax -444 |
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