Heilerde - eine traditionsreiche Naturarznei

Heilerde ist ein uraltes Naturarzneimittel. Ihre Kraft kannten schon die alten Griechen, man schätzte sie in Ägypten genauso wie in Indien. Auch viele Naturvölker kannten ihre Wirkung. In der modernen westlichen Welt kommt Heilerde dagegen eine eher bescheidene Rolle zu. Dabei hat das Naturprodukt überzeugende Qualitäten.

Es gibt Tonerden in den verschiedensten Farben: weiß, gelb, braun, grün... Sie stammen aus Erdvorräten in 10 bis 30 Metern Tiefe. Die Depots entstanden zumeist während der letzten Eiszeit, als die Erde zu großen Teilen von einer dicken Eisschicht bedeckt war. Die tonnenschwere Last zermalmte Felsen und Steine zu feinem Gestein. Wind und Wasser zerkleinerten die Gesteinspartikel schließlich auf Staubkorngröße. Man nennt diese Tonerden auch Löss. Je nach ursprünglich vorherrschender Gesteinsart unterscheidet sich die genaue chemische Zusammensetzung. Für die unterschiedlichen Farben sorgt der Gehalt an Eisen- und Magnesiumoxiden. Weißer Löss stammt aus saurem, durch Regenwaser ausgelaugtem Gestein.

Die Inhaltsstoffe bestimmen den Verwendungszweck

Jede Heilerde hat ihre besonderen Vorzüge und Anwendungsgebiete. Manche eignen sich nur für die äußere Behandlung, andere können sowohl innerlich als auch äußerlich angewendet werden. Im Naturkosthandel findet man Erden als Heilerde, Nahrungsergänzungsmittel oder als Kosmetikum. Fördergebiete liegen unter anderem in Deutschland, Frankreich und Italien.

Die ausdrückliche Bezeichnung "Heilerde" darf bei uns bislang nur die braune Erde der Firma Luvos führen. Grund dafür ist das Arzneimittelgesetz. Um eine Arzneimittelzulassung zu bekommen, müssen aufwendige und teure Studien vorgenommen werden. Nur wenn das Produkt die behördliche Anerkennung als Arzneimittel bekommen hat, darf es mit gesundheitlichen Wirkungen beworben werden. Wer diese immensen Kosten scheut, deklariert sein Produkt lieber als "Nahrungsergänzungsmittel". Krankheitsbezogene Aussagen sind dem Hersteller oder Verteiber dann allerdings per Gesetz strikt verboten.

Und sie wirken doch, würden an dieser Stelle die Firmen sagen, die so ein "Nahrungsergänzungmittel Tonerde" in den Handel bringen. Für die Qualität bürgt das deutsche Lebensmittelgesetz. Das Naturprodukt darf keine Schwermetalle enthalten und muß frei von pathogenen Keimen und Zusätzen jeglicher Art sein. Regelmäßige Untersuchungen sind Pflicht. Die Firma Jatex, wichtigster Anbieter im den Naturwarenläden, läßt beispielsweise jede Charge ihrer in Frankreich geförderten "Grünen Mineralerde" untersuchen.

Vom Standpunkt der Ursprünglichkeit eines Naturheilmittels betrachtet, bringt die Anerkennung als Arzneimittel nicht unbedingt nur Positives mit sich. Weil kranke Menschen meist ein geschwächtes Immunsystem haben, muß das Arzneimittel Heilerde so keimfrei wie möglich sein. Tonerden aus 10 Metern Tiefe enthalten zwar so gut wie keine schädlichen Erreger, werden aber in diesem Fall sicherheitshalber bei 133 Grad sterilisiert. Anders die "Grüne Mineralerde" aus Frankreich. Als Nahrungsergänzungsmittel trocknet sie lediglich unter der Sonne der Provence.

Die genaue Zusammensetzung der Tonerden variiert nach Abbaugebiet. Grundsätzlich sind sie sehr mineralstoffreich. Sie enthalten nahezu alle essentiellen Mineralstoffe sowie viele wichtige Spurenelemente. Heilerden sind reich an Kieselsäure, Kalzium, Kalium, Eisen, Magnesium, Aluminium, sowie wichtigen Spurenelementen, zum Beispiel Selen, Zink, Kupfer, Mangan oder Lithium.

Heilerde verdankt ihre gesunde Wirkung jedoch nicht nur dem Mineralstoffreichtum. Die unregelmäßige Oberfläche der feinen Gesteinspartikel kann andere Teilchen - zum Beispiel Nahrungsgifte oder schädliche Stoffwechselprodukte - aufnehmen und an sich binden. Die hohe Absorptionsfähigkeit hängt auch mit einem Ionenaustausch im Organismus zusammen: Die enthaltenen Kalzium-, Kalium-, Natrium- und Magnesiumionen sind bei vielen Lösspartikeln chemisch nicht gesättigt. Sie haben auf andere Stoffe eine starke Anziehungskraft. Von Bedeutung ist dabei die Struktur der microfeinen Körnchen: Sie ähnelt übereinander geschichteten dünnen Blättchen. Es gibt Heilerden mit bis zu fünfschichtiger Struktur. Je mehr Schichten, um so größer die Kapazität, Substanzen aufnehmen zu können. Die kristallgitterähnliche Struktur kann sich stark ausdehnen und beispielsweise Wasser, aber auch Moleküle, Ionen oder Gase aufsaugen. Sie werden später auf natürlichem Weg wieder ausgeschieden. Diese Fähigkeiten besitzen nur Heilerden. Eine Eigenschaft, die allerdings bei Medikamenteneinnahme auch unerwünscht sein kann. Wer regelmäßig Arzneimittel einnehmen muß, sollte deshalb auf eine zeitlich versetzte Einnahme von ein bis zwei Stunden achten.

Heilerde entgiftet, entschlackt und ist günstigfür die Darmgesundheit

Die Liste der Anwendungsgebiete ist lang. Innerlich angewendet sollen Tonerden beispielsweise gegen Blähungen, Verstopfung, Sodbrennen, Durchfall, Übergewicht oder Lebensmittelvergiftungen wirken. Als Wickel oder Auflage sollen sie bei Akne, Ekzemen, eiternden Wunden, Hexenschuß, Krampfadern oder Verbrennungen helfen. Der enthaltenen Kieselsäure verdankt Heilerde den Ruf, Haut, Haar und Nägel zu verschönern.

Einige Wirkungen wurden in verschiedenen wissenschaftlichen Studien untersucht und belegt. So gilt als erwiesen, daß Heilerde überschüssige Magensäure bindet und damit gegen Sodbrennen hilft. Von zentraler Bedeutung ist die Wirkung im Darm. Der feine Löss-Staub dringt auch in schwer zugängliche Winkel des Darms vor und reinigt diese schonend von schädlichen Ablagerungen und Stoffwechselprodukten, saugt Faulgase auf und absorbiert Gifte. Die Darmperistaltik wird dank der für die Muskulatur wichtigen Mineralstoffe Kalium und Kalzium angeregt und kommt in Bewegung. Heilerde sorgt für eine funktionierende Verdauung und stärkt damit letztendlich das Immunsystem.

Besonders hilfreich soll sie auch während der Fastenkur sein. Denn der stillgelegte Darm kann Giftstoffe oft nicht mehr auf natürlichem Wege ausscheiden. Gelangen sie in die Blutbahn, können Gelenk- und Gliederschmerzen die Folge sein. Heilerde bindet diese Stoffe, ohne den Stoffwechsel zu belasten und hilft gleichzeitig gegen den oftmals schlechten Atem.

Heilerde-Umschlägebei Rheuma, Wunden undanderen Hautproblemen

Warme oder kalte Heilerdepackungen waren schon vor 4000 Jahren ein beliebtes Mittel gegen Gliederschmerzen und Rheuma, bei Wunden und anderen Hautproblemen. Populär wurde die Heilerdebehandlung in Deutschland wieder mit der Lebensreformbewegung im 19. Jahrhundert. Insbesondere der Naturmediziner Erdmann Leopold Emanuel Felke, ein ehemaliger Pastor, setzte in seinem Therapiekonzept auf Heilerde-Anwendungen. Heute ist der Begriff Felke-Kur Synonym für Heilerdebäder und Lehmanwendungen.

Für die äußerliche Anwendung feuchtet man Tonerde mit kaltem oder warmem Wasser an. Dafür genügen auch weniger feinkörnige Erden, die preisgünstiger sind. Für kosmetische Zwecke gibt es im Naturwarenhandel bereits fertig zubereitete Heilerde-Masken. Die Eigenschaft, Stoffe aufsaugen zu können, ist auch bei der äußeren Anwendung besonders wichtig: Eiter, Bakterien oder Wundsekret werden aus der Haut gezogen. Gleichzeitig strafft sie die Haut und regt die Durchblutung an. Die Mineralien sollen für eine gute Wundheilung sorgen und das Bindegewebe festigen. Pickel, Akne und Entzündungen der Haut klingen bei konsequenter Anwendung ab. Bei empfindlicher, zu Trockenheit neigender Haut sollte man allerdings vorsichtig sein und die Heilerde-Maske noch vor dem Austrocknen abnehmen.

Die Tiefenwirkung von Heilerde auf Gelenke und Bindegewebe zeigt sich bei Wickelanwendungen. Kühle Auflagen sorgen für eine erhöhte Durchblutung dieses Hautbereiches und damit für eine Wärmeentwicklung unter dem Erdbrei. Die Sauerstoffversorgung wird verbessert, Giftstoffe können abtransportiert werden. Diese Wirkung kann durch Kräuterbeigaben noch verstärkt werden. Optimal ist die Kombination von innerer und äußerer Anwendung.

Das breite Wirkungsspektrum macht das alte Naturheilmittel zu einem echten Multitalent. Wer will, kann sich mit Heilerde auch die Haare waschen, die Zähne schrubben oder - innerlich angewendet - die fettbindenden Eigenschaften gezielt während der Reduktionsdiät nutzen. Kurmäßig angewendet, hilft Heilerde bei der Darmsanierung, sie füllt Mineralstoffdepots auf, entgiftet und entschlackt den Organismus.


Buchtip:

  • Margot Hellmiß, Falk Scheithauer: Natürlich behandeln mit Heilerde, Südwest-Verlag, München, 95 Seiten, DM 19,90 (ISBN 3-517-07801-8)

Lavaerde - ein tensidfreies Reinigungsmittel

Im Naturkosthandel findet man eine weitere Erd-Variante: die Lavaerde. Das natürliche Tonmineral nutzt man in Nordafrika traditionell seit Jahrhunderten zur Pflege und Reinigung von Haut und Haar. Es ist ebenfalls mineralstoffreich und saugt dank der hohen Austauschfähigkeit der Ionen wie die Heilerde Schmutzpartikel und überflüssiges Fett auf. Die tensidfreien Haar und Hautpflegeprodukte sind reizfrei und besonders hautverträglich. Natürlich sind sie ausschließlich für die äußere Anwendung bestimmt.

Leserbrief schreiben Seite empfehlen
powered by
Impressum
Newsletter
Forum
Anfragen