Einblick
Doppelt soviel Erkrankungen
Pestizide fördern Lymphdrüsenkrebs
Chemische Pflanzenschutzmittel fördern die Bildung von Krebstumoren. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher in Israel, Kanada und den USA. Sie stellten ihre Studien auf dem internationalen Krebskongreß in Lugano (Schweiz) vor.
Der Umgang mit Unkraut- und Ungeziefervertilgern ist mit hoher Wahrscheinlichkeit dafür verantwortlich, daß immer mehr Menschen an lymphatischen Tumoren erkranken, meinen die Wissenschaftler. In den vergangenen 20 Jahren habe sich die Zahl der Personen verdoppelt, die an solchen Krebsgeschwulsten leiden. "Die häufigste Form ist der Lymphdrüsenkrebs", erklärte Franco Cavalli, Krebsspezialist und Organisator des Kongresses.
Neben den Pestiziden wird der aromatische Kohlenwasserstoff Benzol für den alarmierenden Anstieg der Erkrankungen verantwortlich gemacht. Benzol ist vor allem im Benzin enthalten, wird aber auch als Grundstoff der chemischen Industrie in großem Stil eingesetzt und war früher in vielen Lösungsmitteln enthalten.
Erschreckend an den Ergebnissen der internationalen Studien sei vor allem, daß der Kontakt mit derartigen Substanzen auch bei noch gesunden Menschen Veränderungen in der Gensubstanz bewirke, sagte Franco Cavalli. Ob diese Veränderungen im Laufe des weiteren Lebens der Betroffenen Schäden verursachen, wisse die Wissenschaft allerdings noch nicht.
Gefährliche Cocktails:
Chemikalien werden durch Mischung noch aggressiver
Was bisher nur als Vermutung galt, wurde erstmals in einer wissenschaftlichen Studie belegt: Chemikalien sind in Kombination miteinander für die Umwelt erheblich gefährlicher als die beteiligten Einzelstoffe. Zu diesem Schluß gelangte ein Expertenteam der Universität Bremen, das vom Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle bei seiner Arbeit unterstützt wurde.
Der mit der Leitung betraute Biologieprofessor Horst Grimme mischte verschiedene Industriechemikalien, Schädlingsbekämpfungsmittel und Antibiotika und untersuchte deren Einfluß auf Grünalgen und Leuchtbakterien, die gewöhnlich in unseren Gewässern vorkommen. Wo man statistisch gesehen mit einer Wachstums- und Leuchtkraft-Hemmung von nur einem Prozent rechnen mußte, entstanden deutlich stärkere Gesamteffekte zwischen 15 und 95 Prozent. Bisher waren solche Wechselwirkungen zwar theoretisch bekannt, aber noch nicht in wissenschaftlichen Tests bestätigt worden. Als Konsequenz aus der Bremer Untersuchung forderte Grimme, Grenzwerte nicht mehr nur nach der Gefährlichkeit der Einzelsubstanzen festzulegen, sondern in Zukunft die Gesamtwirkungen von Chemikaliengemischen zu berücksichtigen. Diese ließen sich mit entsprechenden Methoden vorhersagen.
Grüntee hemmt Krebs
Der im Grüntee enthaltene Gerbstoff Epigallocatechingallat (EGCG) hemmt nach jüngsten Ergebnissen aus Tierversuchen definitiv die Entwicklung von Krebs. Forscher am Stockholmer Karolinska-Institut konnten die früheren Beobachtungen aus Asien eindeutig bestätigen, wie das angesehene britische Magazin Nature berichtete. Bei den Testreihen mit Zellkulturen im Reagenzglas und mit Mäusen hatte der Grüntee-Gerbstoff das Wachstum kleinerer Blutgefäße verhindert. Krebsgeschwüre sind jedoch auf eigene Versorgungskreisläufe angewiesen, wenn sie sich ausdehnen wollen. Wird dieser Weg blockiert, so "verhungern" sie und auch Tochtergeschwulste (Metastasen) können nicht entstehen.
Diese Erkenntnisse sind zwar für Insider nicht neu, doch es ist es das erste Mal, daß die westliche Medizin EGCG offiziell als krebshemmenden Faktor anerkennt. Schon bald soll es möglich sein, den Wirkstoff in der Therapie gezielt einzusetzen.
Neu: Beschwerde-Telefon
Ein unabhängiges Beschwerde-Telefon berät seit April Patienten, die mit ihrem Arzt im Clinch liegen, bei kniffligen Fragen. Die Nummer 0190-886652 ist montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr erreichbar, die Gebühren betragen derzeit sechs Pfennige pro Sekunde.
Immer mehr Ärzte weisen neuerdings Kranke mit der Begründung ab, ihr Budget sei erschöpft. Damit verstoßen sie eindeutig gegen ihre Berufspflichten, wie der Rechtsanwalt Christian Dierks in der Ärzte-Zeitung feststellte. Auch überflüssige Behandlungen und schwere Kunstfehler sind keine Seltenheit. Am Beschwerde-Telefon können Betroffene ihr Problem kurz skizzieren, anschließend wird es mit ähnlichen Erfahrungen anderer Patienten verglichen und zu lösen versucht. Falls gewünscht, bereiten die Berater auch ausgewählte Fälle für die Veröffentlichung in den Medien auf.
Nutzlose Cellulite-Mittel
Gegen die von vielen Frauen gefürchtete Orangenhaut helfen weder kosmetische Mittel noch Massagegeräte. Die Stiftung Warentest prüfte sechs verschiedene Produkte über einen Zeitraum von acht Wochen an 120 Probandinnen, und in allen Fällen lautete das Urteil am Ende "mangelhaft".
Orangenhaut (Cellulite) tritt auf, wenn sich vergrößerte Fettzellen durch das Bindegewebe nach außen drücken. Während die untersuchten Mittel daran absolut nichts ändern konnten, scheinen Sport und ausgewogene, fettarme Ernährung weitaus erfolgversprechender. Durch Fahrradfahren, Schwimmen, Wandern oder Seilspringen werden die Muskelzellen stärker und die Fettzellen gleichzeitig kleiner.
Schmerzfrei dank Kirschen?
Die in Kirschen enthaltenen Pflanzenfarbstoffe (Anthozyane) sind in der Lage, bei Arthritis und Gicht auftretende Schmerzen zu lindern. Eine Studie der Michigan State University (USA) ergab, daß bereits 20 Kirschen genügen, um den gewünschten Effekt herbeizuführen. Über Heilungserfolge mit Kirschen bei Gicht war schon 1950 berichtet worden, doch fehlte damals eine wissenschaftliche Erklärung. Nach heutiger Erkenntnis kann man das rote Kernobst auch vorbeugend essen, 225 g frische Kirschen pro Tag sollen den Harnsäurespiegel im Blut senken. Außerdem wirken Kirschen leicht abführend und entwässernd.
Tai Chi statt Aerobic
Wer seinen Organismus in Schwung bringen will, muß nicht unbedingt aufs Tempo drücken. Forscher der amerikanischen Johns-Hopkin-Universität in Baltimore kamen nach zwölfwöchigen Versuchen an Studenten zu dem überraschenden Schluß, daß eher langsame Tai Chi-Übungen die Kreislaufwerte genauso verbessern wie Aerobic oder Joggen. Ursprünglich hatten die Wissenschaftler nur zeigen wollen, daß Sport gut ist für den Kreislauf.
Heilendes Grün
Ein Stück Natur vor dem Krankenzimmer trägt offensichtlich zur schnelleren Heilung bei. Mediziner der Universität Delaware (USA) setzten 46 an der Gallenblase operierte Patienten zwei unterschiedlichen Situationen aus: Die eine Hälfte bekam nach der Operation Zimmer mit Blick auf grünende Laubbäume, die anderen sahen direkt auf eine Ziegelmauer. Die Kranken aus den "Baum-Zimmern" verlangten nicht nur deutlich weniger Schmerzmittel, sie konnten auch früher aus der Klinik entlassen werden.
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