Warenkunde

Berlepsch, Cox Orange & Co

Die Formen variieren, die Farben auch. Geruch und Geschmack können als typisch bezeichnet werden. Schon fast in Vergessenheit geraten, erobern sich alte Apfelsorten langsam wieder den Markt.

Der Apfel gehört zu den ältesten Wild- und Kulturobstarten - schon die Äpfel Ramses II (1223 - 1290 v.Chr.) waren Züchtungen. Äpfel liegen im Trend - hinter Weintrauben, Zitrusfrüchten und Bananen rangieren sie auf dem vierten Platz in der Beliebtheitskala der Obstsorten, der Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei etwa 40 Kilogramm pro Jahr. Trotzdem büßen sie mehr und mehr an Vielfalt ein. Viele der alten Apfelsorten sind heute nur noch in der Genbank des Instituts für Pflanzengenetik in Dresden für Deutschland registriert. Insgesamt werden für Deutschland über 2000 verschiedene Apfelsorten vermutet. Detailliertere Angaben sind derzeit nicht möglich, da die regionale Namenvielfalt für identische überregionale Sorten für Verwirrung sorgt. Als Tafelobst werden lediglich etwa 25 Sorten im Erwerbsobstbau kultiviert, von denen maximal noch sieben Apfelsorten (Boskoop, Cox Orange, Golden Delicious, Elstar, Gloster, Jonagold, Granny Smith) vorzugsweise vom Handel angeboten werden.

Der "ideale" Apfel sollte Resistenzen aufweisen, nicht zu hohe Ansprüche an Klima und Boden stellen, durch ein gutes Aroma überzeugen und durch eine Vielfalt an Verwendungsmöglichkeiten brillieren. Er sollte sich gut verbacken, entsaften oder anderweitig in der Küche einsetzen lassen. Alte Apfelsorten erfüllen die Kriterien durchaus. Ihre Sortenvielfalt ist beeindruckend, vielgestaltig sind die Reife- und Genußreifezeiten, abwechslungsreich die verschiedenen charakteristischen Düfte, Formen und Größen. Selbst natürliche Obstsäuren, die für die Wein- und Mostbereitung wichtig sind, sind in alten Sorten ausreichend vorhanden. Daß die "Alten" für Krankheiten und Erregerbefall anfälliger und die Früchte zu klein, zu sauer und zu hart seien, kann nicht verallgemeinert werden - auch hier gibt es viele sehr resistente und wohlschmeckende Sorten.

Im ökologischen Erwerbsanbau konnten sich von den alten Apfelsorten überregional ein paar wenige Sorten wie Boskoop, Berlepsch, Cox-Orange und Goldparmäne halten. Die Sortenwahl wird nach der allgemeinen Nachfrage getroffen, die sich an beliebten jahreszeitlich wechselnden Spitzensorten wie Boskoop, Cox Orange, Gravensteiner, James Grieve, Royal Gala orientiert. In den letzten Jahren hat jedoch ein Run auf alte Apfelsorten eingesetzt. Die Obstgehölze der Obstbauern, die dem Rechnung tragen möchten, bringen - bedingt durch ihre Jugend - noch keine ausreichenden Ernten hervor.

Eine Reihe kleinerer Gärtnereien hat sich zwar mittlerweile auf die Kultur alter Obstsorten spezialisiert, größtenteils handelt es sich dabei aber um konventionelle Betriebe. Bio-Obstanbauern ist jedoch der Zukauf aus konventionellen Betrieben durch die Richtlinien der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (AGÖL) untersagt. Gärtnereien, die nach den Richtlinien des biologischen Obstbaus arbeiten, sind rar und deshalb vorerst noch nicht in der Lage, den ständig wachsenden ökologischen Markt mit ausreichendem Pflanzgut verschiedener alter Apfelsorten zu versorgen.

Trotzdem muß der Verbraucher nicht auf alte Bio-Äpfel verzichten. Boskoop, Berlepsch und Cox-Orange gibt's überregional in Naturkostläden. Und in einigen Läden findet man auch weniger verbreitete alte Sorten. Die Suche lohnt allemal.

Heide Haßkerl


Klarapfel

Die vollständige Bezeichnung, der aus Livland stammenden Sorte, lautet "Weißer Klarapfel".

Aussehen: klein bis mittelgroß; ungleichmäßig hochrund; die Schale ist bei Reife hellgelb, glatt, leicht wachsig.

Fruchtfleisch: das fast weiße Fruchtfleisch ist bei rechtzeitiger Ernte saftig; säuerliches Aroma; bei zu später Ernte oder zu langer Lagerung wird die Frucht leicht mehlig, im Geschmack trocken und fad.

Verwendung: schmeckt insbesondere frisch; kann auch zu Mus, Saft, Most verarbeitet und zum Backen (zerfällt leicht!) verwendet werden.

Baumreife und Haltbarkeit: Früchte reifen ungleichmäßig von Ende Juli bis Anfang August, so daß sich ein ständiges Durchpflücken empfiehlt; im optimalen Reifezustand duften die Äpfel.

Standort: wenig Ansprüche; auch für rauhe Lagen empfehlenswert.

Anfälligkeiten: Mehltau, Krebs, Feuerbrand.

Gelber Gravensteiner

Weitere Namen: Blumenkalvill, Ernteapfel, Sommerkönig.

Aussehen: mittelgroß bis groß, ungleichmäßig, oft kantig geformt; die Schale ist bei Reife gelb, zur Sonnenseite rot geflammt, leicht fettig; duftet stark.

Fruchtfleisch: sehr saftig, fest, gelblichweiß; edles Aroma.

Verwendung: Frischverzehr; Mus, Most, Saft, Backen, Dörren.

Baumreife und Haltbarkeit: Ende August bis Mitte September setzt die Baumreife, die gleichzeitig auch die Genußreife ist, ein; da die Früchte nicht windfest sind, wird ein mehrmaliges Durchpflücken empfohlen.

Standort: Baum stellt hohe Ansprüche an Klima und Boden

Anfälligkeiten: Schorf, Mehltau, Krebs, Feuerbrand, Stippe, Obstmade.

Geflammter Kardinal

Weitere Namen: Backapfel, Bischofsmütze, Hohlhäuschen, Pfundapfel u.v.a.

Aussehen: mittelgroß bis groß, sehr unregelmäßig geformt, öfter breit als hoch; über der hellgelben Grundfarbe verlaufen wie kleine Feuerzungen rote Streifen; typisch sind die über den ganzen Apfel verlaufenden Kanten.

Fruchtfleisch: fast weiß, etwas grob, saftig, angenehm erfrischend.

Verwendung: vielseitig, z.B. für Salate, zum Backen und sehr gut für die Saft- und Mostbereitung.

Baumreife und Haltbarkeit: Ende September bis Mitte Oktober reift die Frucht; hält sich bis in den Februar hinein.

Anfälligkeiten: sehr anspruchslos; Bäume zeigen Resistenzen gegenüber Schädlingen und Krankheiten.

Berlepsch

Weitere Namen: Baron de Berlepsch, Goldrenette; vollständige Bezeichnung "Goldrenette Freiherr von Berlepsch"; ist aus einer Kreuzung von Ananasrenette und Ribston Pepping hervorgegangen.

Aussehen: mittelgroß; mehr breit als hoch; gelbe bis goldgelbe, leicht orange Farbgebung, sonnenwärts ein wenig rötlich marmoriert; typisch: fünf Rippen, die sich um die Kelchgrube verteilen.

Fruchtfleisch: gelblichweiß, sehr saftig und aromatisch; enthält viel Vitamin C.

Verwendung: vielfältig einsetzbar

Baumreife und Haltbarkeit: Ernte setzt Anfang Oktober ein; ein mehrmaliges Durchpflücken wird empfohlen; Lagerung bis März möglich.

Standort: Der Baum bevorzugt nährstoffreiche, geschützte Lagen.

Anfälligkeiten: Feuerbrand, Fäule, in geringerem Maße auch Mehltau und Schorf.

Boskoop

Die vollständige Bezeichnung lautet "Schöner von Boskoop". Weitere Namen sind Graue Winterrenette, Reinette von Montfort.

Aussehen: Wechselnde Form von hoch bis flachrund; Schale ist häufig rauh, oft stark berostet, und tendiert in der Farbe von grünlichgelb über orangerot bis hin zum rot.

Fruchtfleisch: Mittelfest und gelblichweiß, saftig, mit erfrischender Säuerung.

Verwendung: vielseitig, auch für die Most- und Weinbereitung; fällt allerdings beim Backen auseinander.

Baumreife und Haltbarkeit: Bis in die ersten Tage des Novembers hinein können die Früchte am Baum reifen; Genußreife ab Dezember; Lagerung bis April möglich.

Standort: keine trockenen Böden.

Anfälligkeiten: neigt zu Schorf, Stippe und Blutlausbefall.

Cox Orange

Weitere Namen: Cox's Orange Pippin (Original), Russet Pippin, Verbesserte Muskatrenette. Die vollständige Bezeichung lautet Cox Orange Renette.

Aussehen: mittelgroß und flachkugelig.

Fruchtfleisch: edles Aroma; saftig, mittelfest, hellgelbe Farbe.

Verwendung: wegen seines hohen Zuckergehaltes sehr gut für Saft, Wein und zum Dörren geeignet, ansonsten vielseitig einsetzbar.

Baumreife und Haltbarkeit: Baumreife Ende September; da mit Fruchtfall in dieser Zeit zu rechnen ist, sollten die Früchte rasch geerntet werden; Genußreife ab Oktober; Lagerung bis März möglich.

Standort: stellt höchste Ansprüche an Boden (Ernährungsstörungen wirken stark ertragsmindernd) und Klima.

Anfälligkeiten: Schorf, Stippe und Blutlausbefall; Fäule, Krebs, Mehltau, Apfelwickler, Feuerbrand sind die Schwachstellen dieser Sorte.

Goldparmäne

Heißt vollständig "Wintergoldparmäne". War bereits vor 1700 in Frankreich bekannt und kam über England nach Deutschland.

Aussehen: mittelgroß, stumpfkegelige Form, duftende, glatte Schale; gelb-rötlich gefärbt, mit roten Streifen und Sprenkeln.

Fruchtfleisch: fest, gelblich gefärbt, nicht besonders saftig; würzig-süßes Aroma mit säuerlichem Nachgeschmack, schlecht gefärbte Früchte schmecken fad.

Verwendung: zum Kochen, Backen, für den Frischverzehr und zur Saftherstellung.

Baumreife und Haltbarkeit: reif ab Mitte September; ohne Geschmacksverlust bis Februar haltbar.

Standort: nur in geschützten trockenen Lagen wird eine gute Fruchtqualität erzielt. Für höhere Lagen nicht geeignet.

Anfälligkeiten: Mehltau, Feuerbrand, Schorf, Blut- und Blattläuse, Apfelwickler, Krebs, Fruchtfäule, Stippe; außerdem sind Holz und Blüten frostempfindlich.

 

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