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Rückschläge für Gentech-Konzerne

Der Wunsch der europäischen Verbraucher nach gentechfreien Lebensmitteln bekam in den letzten Wochen und Monaten reichlich Nahrung. Auf verschiedenen Ebenen mußten die Konzerne Rückschläge hinnehmen. Symbolträchtigstes Beispiel: Nestlé nahm den gentechnisch veränderten "Butterfinger" vom Markt. Die Umweltorganisation Greenpeace feierte dies als Erfolg ihrer Jugendkampagne "GenetiXproject". Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern führte für die schlechten Verkaufszahlen dagegen preisliche und geschmackliche Gründe ins Feld. Das Aus betrifft jedoch nicht nur das heiß umkämpfte Produkt. Schon zuvor hatte Nestlé für Deutschland seinen Ausstieg aus der Produktion gentechnisch veränderter Lebensmittel angekündigt, einzige Ausnahme war zunächst noch der "Butterfinger".

Auch in den Handel kam Bewegung. Während sich die ganz großen Ketten noch zurückhielten, kündigten zwei regionale Filialisten ihren Ausstieg an.

Auf politischer Ebene verschärfte die EU die Zulassung gentechnisch veränderter Organismen. Gleichzeitig kündigten die Umweltminister der 15 Mitgliedsstaaten an, das faktisch bestehende Moratorium bei der Zulassung neuer Genpflanzen-Sorten bis zum Jahr 2002 zu verlängern.

Selbst aus den USA kamen gute Nachrichten für die Gegner von Genfood. Die Clinton-Regierung denkt inzwischen über eine Kennzeichnungspflicht nach. Und eine Studie des US-Landwirtschaftsministeriums ergab, daß Gen-Pflanzen in der überwiegenden Zahl der Fälle keine höheren Erträge liefern als konventionelle Sorten. Ebenso wurde das Werbeargument der Gentech-Konzerne widerlegt, daß die Farmer durchweg weniger spritzen müßten. In sieben von zwölf Fällen verbrauchten die Bauern bei manipulierten Sorten genausoviel Spritzmittel wie ihre konventionell wirtschaftenden Kollegen.

In Deutschland 12,6 Prozent mehr Biobauern

Der Bio-Boom hält an. Während das Höfesterben im konventionellen Bereich weiterging, verzeichnete der ökologische Landbau im vergangenen Jahr einen Zuwachs von 12,6 Prozent. 1997 hatte die Zahl der Bio-Betriebe um 11,3 Prozent zugenommen. Das bedeutet in absoluten Zahlen, daß Ende 1998 etwa 9.200 Betriebe biologisch wirtschafteten. Die große Mehrheit von ihnen, nämlich 7.249, hielt sich an die strengen Richtlinien der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (AGÖL). Insgesamt wurden somit 2,4 Prozent der deutschen Acker- und Weideflächen nach ökologischen Grundsätzen bestellt.

Mittlerweile gibt es sogar weltweit staatlich anerkannte Grundsätze für die organische Wirtschaftsweise: Nach jahrelangen Vorbereitungen verabschiedete die zuständige UN-Kommission (die sogenannte Codex Alimentarius-Kommission) einheitliche Bio-Richtlinien, die nun für 97 Prozent der Weltbevölkerung gelten. Die AGÖL wertete dies als wichtige Verbesserung des Schutzes vor irreführenden Pseudo-Bio-Auszeichnungen.

Asthma
Industrielle Technik macht Bäcker krank

Die in fertigen Backmischungen übermäßig eingesetzten Enzyme sind für das weitverbreitete Bäckerasthma verantwortlich. Das berichtet die Zeitschrift EU.L.E.nspiegel unter Berufung auf Studien in Schweden und Großbritannien. Der massive Einsatz der alpha-Amylase (gewonnen aus Aspergillus oryzae) führe dazu, daß zwischen fünf (Großbritannien) und 30 Prozent (Schweden) der Bäcker in einem diagnostischen Test positiv auf das Enzym reagieren. Der Ausdruck "Mehlstauballergie" für die mittlerweile meistverbreitete Berufskrankheit im Backgewerbe sei somit irreführend. Es sei nicht Weizeneiweiß, das die Krankheit auslöse, sondern eindeutig ein übermäßiger Einsatz von künstlich hergestellten Enzymen. Grundsätzlich sind Enzyme zwar auch bei Bio-Bäckern erlaubt. Sie werden aber in wesentlich geringerem Umfang eingesetzt.

Bestandschutz
"Hühnerknäste" noch bis 2012?

Trotz des Verbots der Käfighaltung durch das Bundesverfassungsgericht bleibt das Schicksal von Millionen Legehennen vorerst ungeklärt. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge nahm deshalb das Deutsche Tierhilfswerk (DTHW) das Urteil zur Kenntnis. Weil die bestehenden Anlagen weiterhin betrieben werden dürfen, ändere sich für die Hennen vorerst nicht viel. Für Abhilfe könnte nur Bundeslandwirtschaftsminister Funke mit einem neuen Gesetz sorgen.

Dieses müßte auch die kürzlich erlassene EU-Richtlinie einbeziehen, die die "Knäste" noch bis 2012 zuläßt, aber ab 2003 100 Quadratzentimeter mehr Platz für die gequälten Kreaturen fordert. Das Bundesverfassungsgericht sah die Verfassungswidrigkeit der gegenwärtigen Vorschrift allein schon dadurch begründet, daß die Käfigtiere bei den Mindestmaßen von 450 Quadratzentimetern pro Henne weder gemeinsam schlafen (höchstens übereinander) noch gemeinsam fressen könnten. Aus den Berechnungen des Gerichts ergibt sich ein Platzbedarf von 690 Quadratzentimetern pro Henne. Wie sich diese Zahl zu den ab 2003 in der EU geltenden 550 Quadratzentimetern verhält, dürfte nicht nur die Juristen beschäftigen. Klarheit kann nach Auffassung von Tierschützern allein eine nationale politische Regelung schaffen, die die Käfighaltung komplett verbietet.

Studie errechnet:
Ökowald liefert doppelt so hohe Gewinne

Von einer nachhaltigen Forstwirtschaft profitiert nicht nur der Spaziergänger, sondern auch der Geldbeutel des Waldbesitzers. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Büro für angewandte Waldökologie im Auftrag von Umweltverbänden erstellt hat.

In der Untersuchung werden zwei Waldbaukonzepte miteinander verglichen: die vorherrschende "Altersklassenwirtschaft" und das derzeit von sieben Forstämtern angewandte Konzept der "ökologischen Waldnutzung", das vom ökologischen Anbauverband Naturland zertifiziert wird. Zwar ergeben die Hochrechnungen für die ersten zehn Jahre noch keine wirtschaftlichen Vorteile für das Öko-Konzept. Doch langfristig wandelt sich das Bild: Nach weiteren 30 Jahren ist der Reinertrag bei der "ökologischen Waldnutzung" mit 207 Mark pro Hektar doppelt so hoch wie bei der konventionellen Forstwirtschaft. Der Hauptgrund: Durch die ökologische Bewirtschaftung entstehen große Vorräte an wertvollen Laubhölzern.

Dunkle Nudeln
Kinder mögen Vollkorn "blind"

Daß Kinder laut Meinungsumfragen helle Produkte bevorzugen, geht offensichtlich auf psychologische Faktoren zurück. "Blind" fliegen sie jedenfalls auf Vollkorn, oder genauer gesagt: Mit verbundenen Augen ist der Geschmack des vollen Korns meist erste Wahl. Das hat ein Versuch der Fachhochschule Hamburg und des Forschungsinstituts für Kinderernährung in Dortmund ergeben.

Die Ernährungswissenschaftler ließen 92 Schüler der 3., 6. und 9. Klasse Reis, Nudeln und Kuchen in "normaler" und in Vollkornqualität probieren und vergleichen - mal mit offenen, mal mit verbundenen Augen. Ergebnis: Im offenen Versuch mochten die Schüler lieber die hellen Produkte als die aus Vollkorn. Im Blindversuch dagegen wurden dann viele der dunklen Varianten bevorzugt.

Ein weiteres Ergebnis weist ebenfalls darauf hin, daß die Vorliebe für helle Produkte durch den Einfluß der herrschenden Gewohnheiten "erlernt" wird. Denn: Die jüngsten Probanden (aus Klasse drei) akzeptierten Vollkornprodukte durch die Bank - egal ob offen oder blind verkostet.

Bio-Inside

Was die Großmutter noch wußte - das kennen die Enkel nicht mehr. Oder vielleicht doch? Computerfreaks und Vielsurfer sind vielleicht schon auf die Hausmittelchen-Seiten von Sigrid Schneble gestoßen (www.hausmittelchen.de).

Drückt Sie der Schuh? Kein Problem. Gießen Sie einfach ein Gläschen Alkohol hinein, verteilen Sie die Flüssigkeit gut und schlüpfen Sie in das Leder. Dieses gibt dann nämlich nach, zumindest wenn der Tip, den wir zugegebenermaßen mangels engen Schuhen nicht ausprobiert haben, funktioniert. Aber es geht auch weniger exotisch. Für fast alle Bereiche, bei denen der Schuh im übertragenen Sinn drücken könnte, hat die Webmasterin gute Ratschläge parat: Gesundheit, Kochen, Backen, Ungeziefer, Garten und Kleidung. Oder Schönheit. Möchten Sie einen rötlichen Schimmer im Haar? Eine Handvoll Lorbeerblätter, 20 Minuten in einem Liter Wasser gekocht und abgekühlt als Spülung verwendet, ersetzen den Griff zur Chemie.

Schon möglich, daß der eine oder andere Ratschlag vielen bekannt vorkommt, aber das meiste ist doch verblüffend einfallsreich und neu. Vielleicht deshalb, weil es gar nicht aus Großmutters Mottenkiste stammt. Wie zum Beispiel der Spartip zum Dampfbügeleisen. Da destilliertes Wasser nicht gerade billig ist, nimmt Sigrid Schneble das Kondenswasser ihres Wäschetrockners. Na dann - mit Volldampf zum nächsten Tip: Die Webmasterin sammelt (und veröffentlicht) weitere "Mittelchen" mit Hinweis auf die schlaue "Großmutter" oder den gewitzten "Opa".

Auf der Kippe

Kartoffeln statt Gentech!

Daß manche Menschen alkoholfreies Bier verschmähen, liegt nach Erkenntnis belgischer Forscher an einer nach Kartoffeln schmeckenden Restsubstanz namens Methional, die bei normalem Bier mitvergärt und dadurch weitgehend zerstört wird. Die Wissenschaftler sinnen, laut Bericht der britischen Zeitschrift New Scientist, bereits auf eine Lösung des Problems, die allerdings auch nicht jedem schmecken dürfte: Sie basteln an einer gentechnisch veränderten Bierhefe, bei der ein bestimmtes, Methional erzeugendes, Enzym fehlt.

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