editorial

Manche Themen braucht man nicht erst lange einzuleiten. Da genügt ein einziges popeliges Wort, und alle wissen, was kommt. Zum Beispiel schreibe ich jetzt mal: Flussschifffahrt. Dann tickert's bestimmt bei jedem: Haha, jaja, die Rechtschreibreform!

Aber das Thema hatten wir schon mal? Stimmt, vor 14 Monaten. - "Weil wir DemokratInnen sind, warten wir ab", habe ich damals geschrieben. Klingt fürchterlich edelmütig, wie? Worauf haben wir damals bloß gewartet? Wenn ich mich richtig entsinne, war's auf die Opposition, die dann ausgeblieben ist. Mit Ausnahme der Schleswig-Holsteiner und ein paar versprengter "Querulanten" haben so nach und nach alle vor den unbeweglichen ministeriellen und administriellen Hinterteilen kapituliert.

Dafür hat die stets rührige Computer-Industrie uns diesen Sommer die erste brauchbare Reform-Software beschert. Und schon holt sich jeder, der auf dem neuesten technischen Stand sein will, das Ding auf seine Festplatte. Obwohl wir doch noch vier Jahre Zeit gehabt hätten! Vier Jahre, in denen sich vielleicht der eine oder andere Minister-Sessel gedreht hätte, um wenigstens dieses grausige Buchstabengestotter, wie in Flussschifffahrt oder in Brennnesselteeernte, mit einer Papierverbrauchssondersteuer zu belegen.

Gut, die eigentümliche Vorschrift, einen Laut zu verdreifachen gab's schon zuvor. Aber sie galt bloß bei so Wortschöpfungen wie Betttruhe, die allenfalls den Deutschlehrern geläufig waren. Von nun an wird's anders. Die Regel soll für jede Wortzusammensetzung gelten, sogar für Wortteile, also auch bei heutzutage quasi unvermeidbaren Vokabeln wie Missstand. - Was ein ebensolcher ist! Denn was werden unsere Freunde, Kollegen und Geschäftspartner im Ausland denken, wenn sie sowas zu lesen kriegen? Die glauben wohl, wir verhaken uns ständig in der Tastatur. Oder wir seien sonstwie verhakt.

Soll Schrot&Korn jetzt zum Einzelkämpfer im Blätterwald werden? Ich sehe schon, wie (in Anlehnung an die Asterix-Hefte) eine große Lupe das kleine südhessische Schaafheim focussiert: "Ganz Deutschland? Nein! Ein unbeugsamer Verlag..." und so weiter. Aber ob wir dann die Auflage von "Asterix" hätten, bezweifle ich. Eher die vom Schaafheimer Gemeindeblättchen. Und das würde bei meinen Kollegen und mir für ziemlich viel Mißstimmung - äh - Missstimmung sorgen.

Sie wittern schon: Auch wir geben jetzt klein bei. Auf den nächsten Seiten können Sie sehen, wie tapfer unsere Texter - inklusive Kollege Computer - die neuen Regeln umsetzt haben. Und ich, ich geh' inzwischen üben.

Also tschüsss!

 

Elke Achtner-Theiß

 

 

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