Babykost
Gesund ernährt von Anfang an
Das Kind ist noch gar nicht auf der Welt, da werden die jungen Eltern von Alete, Milupa und Co. schon als zukünftige Käufer von Flaschennahrung und Gläschenkost umworben. Immer stärker übernimmt die Lebensmittelindustrie die Ernährung der Kleinsten; gewöhnt sie früh an Zusatzstoffe und Zucker. Alternativen dazu gibt es im Naturkosthandel. Ökologisch angebautes Obst und Gemüse für Eltern, die Babykost selbst zubereiten wollen, aber auch Fertiggerichte, wenn es eilt.
Gerade bei kleinen Kindern ist eine gesunde Ernährung wichtig. Ihr Organismus reagiert viel empfindlicher auf Schadstoffe als bei Erwachsenen. Weil die Verdauung erst dabei ist, sich zu entwickeln und zu stabilisieren, können ihnen auch manche Inhaltsstoffe der Nahrung wie Stärke oder Ballaststoffe, die an sich völlig harmlos sind, Probleme bereiten. Doch wenn man einige Regeln beachtet und sein Kind aufmerksam beobachtet, lassen sich viele Klippen umschiffen. Das wichtigste und gesündeste Lebensmittel für Neugeborene ist die Muttermilch (siehe Kasten).
Für stillende Mütter gilt, dass sie für ihr Kind mitessen und deshalb auf eine vitamin- und mineralstoffreiche Kost mit viel ungesättigten Fettsäuren (enthalten in pflanzlichen Ölen) achten sollten. Während der Gehalt an Vitaminen und Fettsäuren in der Milch direkt von der Ernährung der Mutter bestimmt wird, geht ein Mangel an Mineralstoffen zuerst auf Kosten der Mutter. Den erhöhten Bedarf an Calcium können Milch und Milchprodukte decken; vegan lebende Mütter sollten auf Lebensmittel mit hohem Calciumgehalt Wert legen, wie Hafer, Nüsse oder Sesam, und calciumreiches Mineralwasser trinken. Auch unerwünschte Stoffe wandern über die Nahrung in die Muttermilch. Alkohol und Nikotin sind deshalb beim Stillen tabu und auch Kaffee und schwarzer Tee sollten nur in kleinen Mengen genossen werden. Bekommt die Mutter von Kohl, Hülsenfrüchten, Zwiebeln oder Frischkornmüsli leicht Blähungen, kann sich das, via Muttermilch, auch auf das Kind übertragen. Isst sie zu viele säurereiche Früchte, führt das beim Baby leicht zu Wundsein.
In den ersten vier bis sechs Monaten genügt dem Säugling allein die Muttermilch - doch nicht immer klappt es mit dem Stillen wie geplant. Weil es Ammen, die fremde Kinder stillen, nicht mehr gibt, muss in solchen Fällen eine Ersatznahrung her, die der Muttermilch möglichst ähnlich ist. Seit zwei Jahren gibt es von der Firma Holle eine Säuglingsanfangsnahrung, die zu 99 Prozent aus kontrolliert biologischen Zutaten besteht (Vollmilch, Molkepulver, Rahm, Maltodextrin, pflanzliche Öle), aber wegen der einschlägigen Vorschriften auch Zusätze aller wichtigen Vitamine und Mineralstoffe enthält. Eine nährstoffreichere Folgemilch für Säuglinge ab dem fünften Monat ist inzwischen ebenfalls auf dem Markt. Hypoallergene (HA)-Säuglingsnahrung, wie sie konventionelle Hersteller für allergiegefährdete Säuglinge anbieten, wird es im Bio-Bereich in absehbarer Zeit nicht geben. Die dafür notwendige Spaltung der Milcheiweiße ist mit dem Anspruch an eine schonende Verarbeitung nicht zu vereinbaren.
Viele Eltern stellen aus unterschiedlichen Gründen ihren Milchersatz lieber selber her. Dies erfordert große Sorgfalt, um eine ausgewogene Nährstoffversorgung sicherzustellen. Das Standardrezept, die sogenannte fettangereicherte Halbmilch nach Droese und Stolly, besteht je zur Hälfte aus pasteurisierter Vollmilch und Wasser, dazu kommen (auf 200 ml Flüssigkeit) je 3 Teelöffel Reisschleim (5 Gramm) und Milchzucker (8 Gramm) sowie ein Teelöffel Sonnenblumenöl (3 Gramm). Die Zutaten werden aufgekocht und im Fläschchen auf Trinktemperatur abgekühlt. Zwar gibt es Milchzucker für Endverbraucher nur als konventionelles Produkt. Da er leicht verdaulich, wenig süß und ein schnell verfügbarer Energielieferant ist, sollte man ihn trotzdem verwenden und erst nach drei Monaten durch andere Süßungsmittel ersetzen. Glutenhaltiges Getreide wie Weizen, Roggen, Gerste oder Hafer kommt erst ab dem fünften Monat in Frage, da vorher die Gefahr möglicher allergischer Reaktionen auf dieses Getreideeiweiß zu groß ist. Damit das Baby genug Vitamine bekommt, empfehlen die meisten Ernährungswissenschaftler, ab der sechsten Woche etwas Vitamin C - haltige Obstsäfte und für die Vitamin A - Versorgung Karottensaft oder -mus zuzumischen.
Anders der Ansatz des Vollwertpioniers Max Otto Bruker. "Mit einer gesunden Ernährung kann nicht früh genug begonnen werden", sagt er und empfiehlt als Muttermilchersatz eine Frischkornmilch aus eingeweichtem Getreidemehl, Honig und Rohmilch, die, um die Qualität der Lebensmittel zu erhalten, nicht erhitzt werden darf. Bei Kuhmilchallergie wird die Milch durch Quellwasser und Mandelmus ersetzt. Schon im zweiten Monat kommt bei Bruker der erste geriebene Apfel hinzu, im dritten Monat folgen Gemüse- und Obstbreie als Beikost und vier Wochen darauf ein Frischkornbrei. Auch ökologisch orientierte Ernährungswissenschaftler lehnen diese Übertragung von Vollwertkostregeln auf Babys ab. Sie argumentieren, dass Frischkornmilch ohne Beikost für eine ausgewogene Nährstoffversorgung nicht ausreiche und die Verdauung des Babys mit den Ballaststoffen und der Stärke des Getreides noch nichts anfangen könne. Zudem lehnen sie den Einsatz von Rohmilch wegen der Infektionsgefahr ab. Die Bruker-Schülerin Helma Danner weist diese Einwände in ihrem Buch "Biokost für mein Kind" entschieden zurück. "Es gibt keinen Zeitpunkt, ab dem ein Säuglingsdarm für diese Nahrung erst geeignet ist", schreibt sie und verweist auf mit Frischkornmilch aufgezogene Babys. Entscheidend sei die Vitalität der Lebensmittel, und die nehme laut Kollath bei Erhitzung stark ab.
Ab dem 5. Monat werden, um den steigenden Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen zu decken, einzelne Milchmahlzeiten durch Beikost ersetzt. Den Anfang macht dabei vormittags der Gemüsebrei, etwa Karotten- oder Kartoffelmus. Ein paar Wochen später ersetzt ein Obst-Getreidebrei die Milchmahlzeit am Nachmittag. Beide Breie sollten milchfrei sein, weil so das darin enthaltene Eisen besser verfügbar ist. Als Abendmahlzeit kommt ab dem 6. Monat ein Milch-Getreidebrei dazu. Mit dem steigenden Appetit des Kindes wachsen auch die Portionen und etwa ab dem achten Monat sollten gröbere Stückchen das Baby zum Kauen anregen und es langsam an die Erwachsenenkost und das gemeinsame Familienessen heranführen. Mit dem ersten Geburtstag sind spezielle Babymenues in der Regel nicht mehr erforderlich.
Die schönsten Ernährungsregeln helfen nicht weiter, wenn das Kind allergiegefährdet ist. Die Neigung dazu ist erblich, aber auch Luftverschmutzung, Hausstaub, Tierhaare oder Zigarettenrauch im Zimmer können bei nicht vorbelasteten Kindern eine Allergie auslösen. Gefährdete Säuglinge sollten solange wie möglich gestillt werden und frühestens ab dem siebten Monat Kuhmilch, Eier, Huhn, Fisch, Nüsse oder Zitrusfrüchte erhalten, da diese Nahrungsmittel zu den häufigsten Allergenen zählen. Wenn man das Baby anfangs nur mit einem Gemüse oder Obst füttert, kann man die Verträglichkeit gut überprüfen. Am häufigsten, mit etwa zwei Prozent, ist die Unverträglichkeit von Kuhmilch.
Der optimale Ersatz wäre Stutenmilch, die der Muttermilch sehr ähnlich ist. Sie muss direkt beim Hersteller tiefgefroren oder als gefriergetrocknetes Pulver bestellt werden. Da dies aufwendig und teuer ist, weichen die meisten Eltern auf Sojaprodukte aus, wobei ein Teil der betroffenen Kinder auch darauf allergisch reagiert. Beim Verzicht auf Kuhmilch muss man darauf achten, dass weiterhin genug Calcium und Vitamin B12 im Essen ist. Calcium findet sich verstärkt in Soja, Amaranth, Quinoa, Hafer und Sesam, bei Gemüse in Grünkohl, Spinat und Broccoli. Vitamin B12 ist hauptsächlich in tierischen oder in fermentierten pflanzlichen Lebensmitteln wie Sauerkraut enthalten.
Auf die Frage, ob die Breie besser selbst gekocht werden oder aus dem Gläschen kommen, gibt es keine klare Antwort. Beides hat Vor- und Nachteile. Wichtig ist es, darauf zu achten, dass die Zutaten möglichst aus ökologischem Landbau stammen. Für die Fertignahrung spricht, dass sie schnell zubereitet und - als Gläschen - auch unterwegs zur Hand ist. Die Produkte werden möglichst schonend hergestellt, ihr Gehalt an wichtigen Inhaltsstoffen ist stabil, und sie sind auf Schadstoffe wie Schwermetalle oder Pilzgifte kontrolliert. Auch bei nitrathaltigem Gemüse wie Karotten oder Spinat hält Babynahrung den Grenzwert von 250 Milligramm je Kilogramm ein, während frisches Öko-Gemüse darüber liegen kann. Zudem sind die Zutaten meist feiner püriert und so besser verdaulich.
Im Naturkosthandel gibt es ein breites Sortiment an Produkten: Gläschen mit Obst- und Gemüsebrei, Getreide-Obst-Mischungen oder Gemüse mit Vollkornnudeln und andere Geschmacksrichtungen. Für Getreide-Milch-Breie reicht die Palette vom Reisschleim über diverse Getreidemischungen bis zum Baby-Müsli mit Früchten und Nüssen. Einfach mit Milch entsprechend den angegebenen Rezepten mischen; fertig. Dazu kommen noch Säfte und Tees als gesunde Durstlöscher. Für das Selbermachen spricht, das man genau bestimmen kann, welche Zutaten verwendet werden und der Aufwand nicht besonders groß ist. Zudem kann, wer Babynahrung selbst herstellt, die für einige Produkte vorgeschriebene Vitaminisierung (siehe Kasten) umgehen. Wichtig bei der Zubereitung ist ein schonendes Erhitzen, um Vitaminverluste zu vermeiden.
Beim Kochen sollte man folgendes beachten: Gemüse- und Obst-Getreidebreie immer mit etwas Öl anreichern, damit das Baby genug ungesättigte Fettsäuren für die Entwicklung des Nervensystems bekommt. Eiweißreiche Produkte wie Käse, Quark und Tofu überfordern bis zum zehnten Monat die Verdauung, ebenso Gemüserohkost. Getreide muss gekocht werden, um die Stärke aufzuschließen. Frischkorn gibt es frühestens zum ersten Geburtstag. Fleisch ist für eine ausgewogene Nahrung nicht zwingend erforderlich, wenn das Baby aus anderen Quellen (Hirse, Hafer, Sojabohnen, diverse Gemüse) genug Eisen aufnimmt: "Die geringe Aufnahme an tierischem Fett und Cholesterin ist vorteilhaft bei der Vorbeugung ernährungsmitbedingter Krankheiten wie Übergewicht oder Fettstoffwechselstörungen," sagt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Sie hält eine ausgewogene (ovo-)lacto-vegetarische Ernährung als Dauerkost für geeignet, warnt aber: "Bei einer rein pflanzlichen (veganen) Kost bestehen große Gesundheitsrisiken für das Kind."
Ganz wichtig: Hände weg von Salz und anderen starken Gewürzen; lieber Kräuter verwenden. Kleine Kinder haben weitaus mehr Geschmacksnerven als Erwachsene. Deshalb mögen sie, wegen der darin enthaltenen Bitterstoffe, meist keinen Spinat. Eine US-Studie stellte fest, dass Babys langsamer, neugieriger und interessierter an der Mutterbrust saugen, wenn die Mutter bisher unbekannte Gewürze, etwa Knoblauch, zu sich genommen hat. Die Babys merken, dass die Muttermilch nicht immer gleich schmeckt. Diese Erfahrung soll Auswirkungen auf das spätere Essverhalten der Kinder haben. Eine vielseitige Ernährung der Mutter während der Stillzeit könnte also dazu führen, dass die Kinder später eher bereit sind, abwechslungsreiche Kost zu sich zu nehmen.
Leo Frühschütz
Gesetz schreibt Vitaminzusatz vor
Seit 1. Juli 1999 müssen nach einer Richtlinie der EU Nahrungsmittel für Säuglinge ab fünf Monaten und für Kleinkinder bis zu drei Jahren Mindestgehalte an Vitaminen aufweisen und dürfen Höchstmengen an Fett oder Kohlenhydraten nicht überschreiten. Die vorgeschriebenen Werte für Vitamine lassen sich durch den natürlichen Vitamingehalt der Rohwaren nicht erreichen. So muss in Zukunft bei Getreidebrei und ähnlichen Produkten das Vitamin B1 (Thiamin) zugegeben werden, bei Frucht- und Gemüsesäften die Vitamine A und C. Nach Auffassung des Forschungsinstitutes für Kinderernährung (FKE) ist dies ernährungsphysiologisch nicht nötig, der Vitamin B1-Gehalt in Vollwerterzeugnissen reiche vollkommen aus. AGÖL (Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau) und BNN (Bundesverbände Naturkost Naturwaren) lehnen die Verwendung künstlicher Vitamine weiterhin ab, sind aber gezwungen, sich an die Gesetze zu halten und haben deshalb für ihre Mitglieder den Einsatz in diesem Bereich ausnahmsweise zugelassen. Die vitaminierten Produkte werden nach dem Abverkauf der vor dem 1. Juli hergestellten Chargen voraussichtlich ab Oktober in den Handel kommen.
Muttermilch steht an erster Stelle
Muttermilch ist für ein Baby die gesündeste Ernährung. Nur sie ist genau auf die körperlichen Bedürfnisse des Neugeborenen abgestimmt, enthält ausschließlich leicht verdauliche Nährstoffe und stärkt das Immunsystem. Statistiken zeigen, dass voll gestillte Kinder weniger zu Allergien neigen und weniger Probleme mit der Verdauung haben. Kein Wunder, dass alle Fachleute den Müttern dazu raten, ihr Kind die ersten vier bis sechs Monate zu stillen; trotz der Schadstoffe, die in der Muttermilch enthalten sein können. Denn der Nutzen für das Kind ist weit größer als das potentielle Risiko. Dies geht vor allem von schwer abbaubaren Chlorkohlenwasserstoffen (CKW) aus, die sich in der Umwelt anreichern, insbesondere im Menschen, der am Ende der Nahrungskette steht. In den letzten Jahren haben die Gehalte an CKW in der Muttermilch abgenommen, weil Chemikalien wie das Pestizid DDT oder das Holzschutzmittel PCP verboten wurden und neue Filter den Ausstoß an hochgiftigen Dioxinen durch Müllverbrennungsanlagen oder Metallschmelzen reduzierten. Mütter, die unsicher sind, etwa weil sie in der Nähe einer chemischen Anlage leben oder beruflich viel mit Chemikalien zu tun haben, können die Belastung der Muttermilch untersuchen lassen. Auskunft erteilen die örtlichen Gesundheitsämter.
Babyclub.de - Infos rund um die Kleinen
Sechs Hersteller von Bio-Produkten für Babys, überwiegend Demeter-Verarbeiter, bieten frischgebackenen Eltern einen besonderen Service. Unter www.babyclub.de finden sich im Internet Tips rund ums Baby, vom Abstillen bis zum Zahnen. Fachliche Hilfe bietet eine Hebammen-Sprechstunde und wen das Kind nachts nicht schlafen lässt, der kann man mit anderen leidgeprüften Eltern online Erfahrungen austauschen. Ein Gewinnspiel und eine Tauschbörse runden das Angebot ab.
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