Portrait: Der Kürbis
Cucurbitaceae
Gemüsekürbis, Sommerkürbis, Schmuckkürbis, Pattisson, Spaghettikürbis, Moschuskürbis, Riesenkürbis, Schlangenkürbis, Bisamkürbis, Eikürbis, Feigenblattkürbis, Zucchini.
Denke ich an den Kürbis - den es in einer Sortenvielfalt gibt, dass man versucht ist sie alle aufzuzählen - fällt mir mein Gartennachbar Jakob ein. Er liebt Kürbisse, sammelt die vielen Arten und kann sie so wahnsinnig vielfältig zubereiten, dass vielleicht sogar - er möge mir diesen anmaßenden Gedanken nachsehen, der bekannte Koch Wolfram Siebeck vor Neid erblassen würde. Womit wir schon beim Thema wären. Doch bevor wir ihn verkonsumieren (den Kürbis), sollten wir ihn erst ein wenig kennenlernen.
Der Kürbis ist eine attraktive, frohwüchsige, kletternde oder rankende einjährige Pflanze, mit ausgesprochen langen Trieben. Die Blätter sind rauh, haarig/borstig, in den Blattachsen erscheinen die weithin leuchtenden gelben Blüten. Nur aus der weiblichen Blüte entwickelt sich bald der Kürbis.
Wegen der großen Zahl seiner Kerne, war er das Symbol für Fruchtbarkeit. Im Taoismus wird der Kürbis als Nahrung, die langes Leben und körperliche Unsterblichkeit verleiht, verehrt. Auch im Christentum wird er seiner Frohwüchsigkeit und der schnellen Verderbnis wegen, als Synonym für Kürze und baldiges Siechtum des Lebens interpretiert. Ursprünglich war der Kürbis - ehe er seinen Siegeszug über den Globus antrat - in Mittel- und Südamerika beheimatet. Archäologen fanden bei Ausgrabungen in Mexiko Kürbiskerne von Zuchtformen, die aus der Zeit etwa 9000 v. Chr. stammen.
In der Gaterslebener Genbank, nahe Quedlinburg, wird Pionierarbeit geleistet. Hier lagern die Samen von zehn Kürbisarten und von über fünfhundert Sorten aus der Familie, die aus der ganzen Welt zusammengetragen wurden und in wechselndem Turnus dort auch angebaut werden. Der Vielzahl der Arten und Sorten steht eine ungeheure Vielzahl an Formen und Farben gegenüber. Kürbisse können flaschenförmig, schlangengleich, turbanähnlich, sternbildend, über zwei Meter lang oder dick wie eine Tonne, runzlig, warzig, glatt, farblos, uni oder kanarienvogelbunt vorkommen - nichts ist in dieser Familie unmöglich, auch nicht Gewichte von über 1000 Pfund (Mammutkürbis). Deshalb stellt man mit ihnen - andere Länder andere Sitten - an verschiedenen Orten der Welt ganz unterschiedliche Sachen an. Ausgehöhlt dienen Kürbisse von jeher als Gefäße, der Flaschenkürbis Lagenaria siceraria wird auf dem Balkan zu Kniegeigen, in Indien zur Sitar und in Südamerika zu Rumbakugeln verarbeitet. In China schnitzt man gern Vogelhäuser oder Grillenkäfige aus den harten Schalen, der Ozeanier schnitzt Masken daraus und in Papua-Neuguinea trägt ihn mancher Mann als Futteral für den Penis. Luffa cylindria - auch ein Kürbisgewächs - dient in umweltbewussten Kreisen als Topfkratzer, Badeschwamm und Filtermaterial, kann als orthopädische Einlage in Schuhen sowie als Schallisolationsmittel verwendet werden.
Ein weiter Acker tut sich auf, nur im Geschmack herrscht eine gewisse Konformität; nämlich über den Mangel an überzeugendem Aroma - böse Zungen behaupten, dass der Kürbis nur schmecken würde, wenn er nicht nach Kürbis schmeckt und der Schriftsteller Max Goldt formuliert: "ein Kürbis hätte das Aroma einer nicht gelüfteten Umkleidekabine". Das mag wohl wahr sein - einerseits. Aber - schließlich hat jede Medaille zwei Seiten - was kann man nicht alles aus ihm machen! Diverse Marmeladen und Kompotte, Gemüse und Aufläufe, man kann das Fleisch grillen, braten, schmoren oder: das gelbe Fleisch der Moschuskürbisse in Kuchenteig verbacken gilt als Delikatesse. Natürlich trifft das auch für das wertvolle dunkelgrüne Öl der Ölkürbisse zu, hier sind sich die Gegner wie auch die Verehrer einig: es ist reich an biologisch wertvollen Inhaltsstoffen. Unter der Hand wird Kürbiskernöl gegen Prostataleiden gepriesen, auch soll es den Leiden der weiblichen Blase zugetan sein.
Übrigens, so paradox dies auch klingen mag, der Kürbis ist eine Beere und somit Obst. Eingeteilt werden sie in Sommer- und Winterkürbisse. Mit Sommerkürbis werden die Varietäten bezeichnet, die in unreifem Zustand genossen werden, während der Winterkürbis ausreifen darf. Italien und Spanien gelten heute, neben Afrika als Hauptkonsumländer. Damit sich das ändert und dem Kürbis auch in unseren Breiten nicht nur zu Halloween Beachtung geschenkt wird, ein Rezept zum Ausprobieren
Heide Haßkerl
Süß-saures Kürbisgemüse
Für vier Personen
- etwa 1 kg Kürbis
- 2 große Zwiebeln
- 2 große süße Äpfel
- etwas Butter
- 1 Tasse Gemüsebrühe
- Curry, Salz, weißer Pfeffer
- 1 EL Weinessig
- Vollrohrzucker nach Geschmack
Den Kürbis entkernen und würfeln, Äpfel in feine Spalten zerteilen (Kernhaus entfernen), Zwiebeln fein hacken. In einer Kasserolle die Butter zerlassen, fein gehackte Zwiebeln, Kürbiswürfel und Apfelspalten darin schmoren. Gemüsebrühe zufügen und die Masse bei mäßiger Hitze 15 Minuten köcheln lassen. Gemüse mit den Gewürzen und dem Zucker süß-sauer abschmecken.
Passt zu Reisgerichten oder als Beilage zu Schmorbraten
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