Einblick
"Geräuschlose Epidemie" durch Schmerzmittel
Über 16.000 Amerikaner sterben jährlich an Magenblutungen, die durch die unkontrollierte Einnahme von Acetylslicylsäure (Aspirin) verursacht werden. In 170 000 Fällen kommt es zu schweren Magenschäden durch das beliebte Schmerzmittel. Dies geht aus einer Untersuchung der Boston University School of Medicine hervor, die auch Magengeschwüre und Nierenschäden als mögliche Risiken bei überhöhter Aspirinzufuhr nennt.
Die Zahl der Todesopfer durch Aspirin ist genau so hoch wie die durch die Immunerkrankung Aids. Über zwei Milliarden Dollar, so heißt es, müsse das US-Gesundheitssystem für die stationäre Behandlung von Aspirin-Geschädigten Jahr für Jahr aufbringen. Am reißenden Absatz der Arznei ändert dies aber nichts. Etwa 30 Milliarden Tabletten gehen per Anno rezeptfrei über die Ladentheken. Drei Viertel der Patienten scheinen die möglichen Nebenwirkungen des Medikaments entweder gar nicht zu kennen oder einfach zu ignorieren. Weil die Schmerzmittel-Opfer in keiner gesonderten Statistik auftauchen, sprechen die Autoren der Studie von einer "geräuschlosen Epidemie":
Die Wissenschaftler beklagen, dass populäre Buchtitel wie "Jeden Tag ein Aspirin" den routinemäßigen Gebrauch des Mittels fördern und suggerieren, auch gesunde Menschen könnten es regelmäßig einnehmen. Die Hersteller preisen Aspirin gerne als geeignetes Mittel gegen Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs an. Das Pharmaunternehmen Bayer allein verkauft jährlich 11 Milliarden Aspirin-Tabletten und versucht ständig neue Anwendungsbereiche zu erschließen. Kritiker argwöhnen, dass hier nur gewinnträchtige Schein-Indikationen geschaffen werden und wollen Aspirin unter Rezeptpflicht stellen. Außerdem sollten Kombinationspräparate verboten und eine umfassende Mortalitätsstudie in Auftrag gegeben werden, die alle Todesfälle durch Aspirin dokumentiert.
Fischöl nach Herzinfarkt
Fettes Fischöl bringt nach Ansicht italienischer Forscher kranke Herzen wieder auf Trab. Nach einem Bericht des Ärzte-Magazins Selecta konnte die Wirksamkeit von Omega-3-Fettsäuren in Lachs, Hering, Makrele und Aal bei der Nachbehandlung von Herzinfarkt-Patienten eindeutig belegt werden. Unter 2830 Patienten, die drei Monate nach ihrem Infarkt auf verschiedene Weise therapiert wurden, hatte die Fischöl-Gruppe die niedrigste Todesrate.
Chronisch müde durch Borrelien?
Zwischen dem chronischen Müdigkeits-Syndrom (CFS) und der durch Zeckenbiss übertragbaren Borreliose besteht wahrscheinlich ein enger Zusammenhang. Die Zeitschrift Naturheilpraxis zitiert eine Doppelblindstudie an 1156 Probanden, die den schon lange gehegten Verdacht erhärtete. Personen, die IgG-Antikörper gegen Borrelien im Blut hatten, waren erheblich häufiger von Symptomen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und allgemeinem Krankheitsgefühl betroffen als die antikörperfreie Vergleichsgruppe. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie in München empfiehlt daher, bei Patienten mit CFS-Symptomatik auch dann eine Borreliose diagnostisch auszuschließen, wenn keine klinischen Zeichen einer akuten Erkrankung vorliegen.
Schilddrüse drückt auf Stimmung
Zwei bis fünf Prozent aller depressiven Verstimmungen sind auf eine Unterfunktion der Schilddrüse zurückzuführen. Auf diese Tatsache machte der Wilhelmshavener Internist Karl-Wilhelm Derwall in der Ärzte-Zeitung aufmerksam. Wer auch bei hellem Sonnenlicht meist schwarz sieht, leide möglicherweise unter Jodmangel.
Parlamentarische Initiative gegen Elektrosmog
Für staatliche Vorsorgemaßnahmen gegen Gesundheitsgefährdungen und Umweltschäden durch Elektrosmog hat sich der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages ausgesprochen. Gegen die Stimmen von CDU/CSU und FDP beschloss das Gremium eine Eingabe mit dem Ziel, parlamentarische Intitiativen einzuleiten. In der Petition werden Bedenken wegen möglicher Gesundheitsrisiken durch elektromagnetische Felder geäußert. Der Gesetzgeber wird aufgefordert, entsprechende Gesetzesänderungen zum Schutz der Bürger zu erlassen. Auch sei zu erwägen, die Stromversorgungsunternehmen per Gesetz zur Verlegung von Hochspannungsleitungen aus der Nähe von Wohngebieten zu verpflichten. Kontakt: Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages, Heidemarie Lüth MdB (PDS), Ausschußvorsitzende, 53113 Bonn, Telefon 0228-16-86257, Fax 16-86657.
Lösemittel schädigen Embryonen
Der dauernde Kontakt mit Lösemitteldämpfen am Arbeitsplatz erhöht das Risiko von Fruchtschäden während der Schwangerschaft um ein Vielfaches. Dies meldete das Journal of the American Medical Association unter Bezugnahme auf eine kanadische Studie, die Ärzte am Kinderkrankenhaus und an der Universitätsklinik von Toronto durchführten. Dreizehn der 125 Frauen, die während der ersten drei Schwangerschaftsmonate regelmäßig mit organischen Lösemitteln wie Aceton, Phenol oder Trichlorethylen in Berührung gekommen waren, brachten Neugeborene mit Missbildungen zur Welt: Taubheit, Spina bifida (offenliegendes Rückenmark) und Klumpfuß. In der Kontrollgruppe der nichtbelasteten Frauen beobachteten die Ärzte dagegen nur einen ähnlichen Fall. Anscheinend gab es vor allem bei den Frauen ausgeprägte Fruchtschädigungen, die während der Schadstoff-Exposition selbst unter Beschwerden wie Kopfschmerzen, Augentränen oder Atemproblemen litten.
| Leserbrief schreiben | Seite empfehlen | |

