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Ohne Deklaration
1,5 Millionen Tonnen Genpflanzen im Kraftfutter

Deutsche Milchkühe und Masttiere werden bereits in großem Stil mit genmanipulierten Soja- und Maisprodukten gefüttert. Etwa 1,5 Millionen Tonnen Genpflanzen verarbeiten die deutschen Futtermittelhersteller in diesem Jahr.

Der Zentralverband der deutschen Futtermittelhersteller hält dies für unbedenklich und verweigert eine Deklaration des Kraftfutters. Sehr zum Ärger des Deutschen Bauernverbandes: "Wir fordern eine klare Deklaration. Der Landwirt muss wissen, was er seinen Kühen als Futter gibt", sagt Pressesprecher Michael Lohse.

Aus den USA kommt zudem Gen-Futtermais nach Deutschland, der in der EU nicht zugelassen ist. Christoph Then von der Umweltorganisation Greenpeace kritisiert: "Die Importeure nutzen die löchrigen und unpräzisen EU-Vorschriften aus und umgehen so den von den EU-Umweltministern inzwischen beschlossenen Zulassungsstopp für Gen-Mais."

Welche gesundheitlichen Risiken die Verfütterung der Genpflanzen mit sich bringt, ist völlig offen. Kritiker befürchten, dass Darmbakterien der gefütterten Tiere Antibiotikaresistenzen aus den Genpflanzen aufnehmen können.

Konventionelle Milch- und Fleischprodukte können aufgrund solcher Fütterungspraxis nicht als gentechnikfrei bezeichnet werden, selbst wenn sich das veränderte Erbgut der Genpflanzen in Hähnchenkeulen und Joghurt nicht mehr nachweisen lässt. Für Bio-Produkte gilt dagegen die kürzlich ergänzte EU-Bioverordnung. Sie schreibt vor, dass auch das Tierfutter keine gentechnisch veränderten Zutaten enthalten darf.

BST ade
Milchdoping weltweit geächtet

Die Codex Alimentarius Kommission der UNO hat dem Konzern Monsanto und seinem gentechnisch hergestellten Wachstumshormon rBST (rekombinantes bovines Somatotropin) einen schweren Schlag verpasst. Die für die weltweite Lebensmittelsicherheit zuständige Organisation beschloss, dass es vorerst keinen Grenzwert für rBST in der Milch geben wird. Damit wurde die Haltung der EU bestätigt, die seit Jahren dem Hormon die Zulassung verweigert und dies mit Gesundheitsschäden bei den Kühen und krebsverdächtigen Stoffen in der Milch begründet. In den USA werden seit Jahren Kühe mit rBST behandelt, damit sie mehr Milch geben. Mit einem weltweit gültigen Grenzwert hätte die Kommission anerkannt, dass der Einsatz des Hormons sicher sei. Der angedrohte Versuch der USA, das EU-Moratorium gegen rBST mit Hilfe der Welthandelsorganisation WTO auszuhebeln, dürfte damit gescheitert sein.

Neuer Skandal
Klärschlamm als Tierfutter

Erst waren es nur französische Firmen, dann gaben auch niederländische und bayerische Futtermittelhersteller zu, dass sie jahrelang Klärschlamm verarbeitet hatten. Bis 1992 war dies offiziell erlaubt, dann wurde es von der EU verboten. Doch daran hielt sich die Branche nicht immer. Strittig ist, ob es um wenige Einzelfälle geht, wie dies die französische Regierung behauptet. Oder ob es sich zumindest in Frankreich um eine gängige Praxis handelt, wie dies die Recherchen des ARD-Magazins Monitor nahelegen.

Guter Zug
Bioland im Speisewagen

In den Bord-Restaurants aller ICE-, IC- und EC-Züge gibt es seit September ein Menü aus Zutaten, die von Bioland geliefert werden. Der ökologische Anbauverband und die Mitropa AG, der Speisewagenbetreiber der Deutschen Bahn AG, haben einen entsprechenden Kooperationsvertrag geschlossen. Jeden Monat steht nun ein anderes Bio-Gericht auf der Speisekarte. Vorausgegangen war der Zusammenarbeit eine Testphase mit einem Bioland-Gemüseteller im Juni 1999. Die Erfahrungen mit der Probeaktion waren überraschend gut: Statt der geplanten 10.000 Gerichte wurden mehr als doppelt so viele verkauft. Für Bioland-Vorstand Thomas Dosch ist die Kooperation eine gute Möglichkeit, Bioprodukte stärker ins Bewusstsein der Menschen zu rücken.

Schlechte Aussichten
Rauchen macht blind

Rauchen verursacht nicht nur Lungenkrebs, es soll auch die wichtigste Ursache für Blindheit im Alter sein. Australische Wissenschaftler haben in einer Reihe von Studien nachgewiesen, dass Raucher besonders häufig an altersbedingter Sehschwäche leiden. An etwa einem Fünftel der Fälle sei der Nikotingenuss schuld, sagen die Forscher. Sie schätzen, dass rund 8.000 altersblinde Australier ihr Augenlicht durch ihre Zigarettensucht verloren haben. Gefordert werden entsprechende Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen.

46.000 Straftaten
Umweltkriminalität steigt

In Deutschland bleiben immer mehr Umweltdelikte unaufgeklärt. Nach Angaben des Umweltbundesamtes stieg die Zahl der angezeigten Straftaten 1997 um etwa ein Prozent auf 46.000 Fälle, von denen rund 58,5 Prozent aufgeklärt wurden. 1992 lag die Quote der gelösten Fälle noch bei 70 Prozent. Die illegale Beseitigung von Abfällen führt mit fast 30.000 Delikten die Statistik an. In dieser Zahl sind die am Straßenrand abgestellten Autos ohne Nummernschilder ebenso enthalten wie großflächige Abfallablagerungen. Mit großem Abstand folgen Gewässer- und Bodenverunreinigungen. Experten schätzen, dass gerade bei Umweltstraftaten die Dunkelziffer sehr hoch ist.

Ökologische Zinsen
Rekordjahr für grüne Banken

1998 war für die deutschen Umweltbanken ein gutes Jahr. Die Bilanzsumme der Frankfurter Ökobank wuchs um 15,8 Prozent auf 378 Millionen Mark. Das Betriebsergebnis wurde mehr als verdoppelt und beträgt 3,69 Millionen Mark. Strahlende Mienen auch bei der Umwelt Bank in Nürnberg. Mit 3,4 Millionen Mark Betriebsergebnis erwirtschaftete sie in ihrem zweiten ordentlichen Geschäftsjahr ein "Rekordergebnis", so Vorstandssprecher Horst P. Popp. Das Geschäftsvolumen stieg von 102 Millionen auf 265 Millionen Mark. Die anthroposophisch orientierte GLS-Bank steigerte ihre Bilanzsumme im vergangenen Jahr um 9 Prozent und erreichte im ersten Quartal 1999 erstmals 300 Millionen Mark. Den Grund für das gute Geschäft sieht Öko-Banker Oliver Forster im Anlageverhalten der "Erbengeneration". Das Provisionsgeschäft mit dem grünen Aktienfonds Ökovision sei maßgeblich für die positive Entwicklung verantwortlich. Hauptsächlich aus Steuersparmodellen im Bereich der Windenergie stammt der Provisionsüberschuß bei der Umwelt Bank.

Auf der Kippe

Abgestürzte Hoffnung

Für sieben Millionen Treue-Punkte gibt es ein Kampfflugzeug, versprach Pepsi-Cola in einem Werbespot. Ein 24jähriger US-Amerikaner nahm die Werbung ernst. Er investierte 1,25 Millionen Mark in die nötigen Treue-Punkte und träumte schon von Erlebnisflügen für Touristen oder dem Einsatz seines Kampfjets in spannenden Action-Filmen. Aus allen Wolken fiel der Pepsi-Fan, als die Firma ihm mitteilte, das Ganze sei ein Scherz gewesen. Auch vor Gericht gab es eine Bruchlandung. Die Klage des Mannes wurde abgewiesen. Kein vernünftiger Mensch könne ernsthaft glauben, dass in einem Werbespot Kampfflugzeuge angeboten werden, sagte der Richter.

Bio Inside

Wenn Spitzenköche wie Paul Bocuse, Eckart Witzigmann oder Ernst-Ulrich Schassberger hinter dem Herd stehen, haben Fertigkost und Gen-Food keine Chance.

Damit das auch so bleibt, haben die Küchenmeister Eurotoques International gegründet, die Union der europäischen Spitzenköche. Sie soll Lobbyarbeit für regionale kulinarische Traditionen leisten und den Drang zu Industrie-Lebensmitteln entgegenwirken. Im Internetangebot der deutschen Sektion (www.eurotoques.de) begründen 240 Spitzenköche ausführlich, was gegen Fertiggerichte und Essen aus dem Genlabor spricht. In einem strengen Ehrenkodex haben sie sich verpflichtet, nur qualitativ hochwertige Lebensmittel einzusetzen und Zutaten oder Zubereitungsarten zu bekämpfen, die für den Menschen schädlich sein könnten. Ihr Motto: "Wir Eurotoques-Chefs sind handwerkliche Kochkünstler und keine Kunst-Cuisiniers, Tütenöffner, Anrührer, Erhitzer oder Pharma-Köche."

Doch die Küchenchefs beschränken sich nicht auf würzige Sprüche. Sie bieten mit den 'Blauen Blättern' einen eigenen Info-Brief, mit Artikeln über artgerechte Tierhaltung oder Ernährungsphilosophien, veranstalten Kochkurse und Geschmacksunterricht für Kinder und werben mit kulinarischen Veranstaltungen für ihr Anliegen. Ein nach Bundesländern gegliedertes Restaurant-Verzeichnis führt zum nächstgelegenen Eurotoques-Chef und nennt die Telefonnummer für die Tischreservierung.


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