Buchweizen
Das fast vergessene Knöterichgewächs ist ein vielseitiges Nahrungsmittel und eine wirksame Heilpflanze. Seine kleinen, dreieckigen, dunkelbraunen Früchte sind reich an Lysin, einer lebensnotwendigen Aminosäure. Für seine Heilwirkung ist das Bioflavonoid Rutin verantwortlich. Es ist allerdings nicht in den Früchten, sondern in den Blättern und Blüten der Pflanze enthalten.
Die Russen lieben ihre Blinis, Fladen aus Buchweizen,
besonders mit Kaviar belegt als Vorspeise. In Frankreich
sind Galetten, Pfannkuchen aus Buchweizenmehl, belegt mit
Käse und Lauch oder um gegrillte Würstchen gewickelt,
eine Spezialität.
Die Wildform des Knöterichgewächses stammt aus
China. Von dort breitete sich das Kraut nach Westen aus
und gelangte im Mittelalter nach Deutschland. "Fagopyrom
esculentum Moench", so sein lateinischer Name, ist
zwar kein Getreide, lässt sich aber wie dieses verarbeiten.
Die einjährige Pflanze wird 20-80 Zentimeter hoch.
Sie gedeiht auf kargen, sandigen Böden und liefert
bescheidene Erträge. Sie bevorzugt warmes, trockenes
Klima und ist sehr kälteempfindlich. Am Stängel,
der sich bald rot färbt, sitzen herzförmige Blätter.
Aus deren Achseln entspringen weiße bis rosarote Blütenknäuel,
die sich von Juni bis September entfalten. Die braun bis
schwarzen Samen des Buchweizen haben eine dreieckige Form
wie Bucheckern und gaben der Pflanze ihren Namen.
Verschiedene Naturkostfirmen haben Buchweizen im Programm,
zum Beispiel die Bohlsener Mühle, Davert Mühle,
Rapunzel und Spielberger. Schätzungsweise
500 Tonnen aus kontrolliert biologischem Anbau werden pro
Jahr in Deutschland verbraucht. Dieser kommt fast ausschließlich
aus Nordamerika und Kanada. Die Firma Rapunzel will
demnächst aus China, dem Ursprungsland des Knöterichgewächses,
das Ersatzgetreide importieren. Ökologisch sinnvollere
Anbauversuche in Europa, zum Beispiel in Tschechien und
Polen, scheiterten bisher an den geringen Erträgen,
die durch den Schälvorgang noch minimiert werden. Da
die Samen sehr verletzlich sind, gehen beim Schälen
viele Körner zu Bruch. Ganze Samen und Bruch müssen
nochmals sortiert werden. Von 100 Kilogramm geerntetem Buchweizen
bleiben nur noch 40 Kilogramm übrig. Findige Geschäftsleute
haben in den USA zwischen 1997 und 1999 vier Millionen Kissen,
gefüllt mit Buchweizenschalen, an die Frau und den
Mann gebracht. Die Kissen sollen sich optimal dem Körper
anpassen und vor allem lästiges Schwitzen verhindern.
Pestizide und chemische Dünger sind beim Anbau des
biologischen Buchweizen verboten. Die Erzeuger in Kanada,
von denen die Davert Mühle ihren Buchweizen
bezieht, nutzen als natürlichen Dünger eine Kleeuntersaat.
Nach der Ernte bleibt der Klee als Stickstofffänger
stehen und wird erst vor einer neuen Aussaat untergepflügt.
Beim Bio-Buchweizen werden im Gegensatz zum Anbau von konventionellem
Buchweizen die Äcker in Fruchtfolge bestellt. Das schützt
die Böden und limitiert Schädlinge. Zur Erhöhung
des Ernteertrags setzen die kanadischen Bauern noch gezielt
Bienen ein. Die Körner trocknen über mehrere Wochen
an der Luft. Konventionell erzeugter Buchweizen wird dagegen
binnen einiger Tagen künstlich getrocknet.
Buchweizen galt lange als "Arme Leute-Essen".
Er war billiges Grundnahrungsmittel, bis er von der Kartoffel
verdrängt wurde. Die "Vollwert-Bewegung"
hat ihn als Nahrungsmittel wieder ins Bewusstsein gerückt.
Man kann ihn als ganzes Korn, zum Risotto, als Beilage oder
im Auflauf verwenden. Buchweizen schleimt beim Aufkochen
stark. Deshalb ist es sinnvoll, ihn vorher heiß zu
waschen und nach dem Kochen durchzuspülen. Die Körner
kurz angeröstet, schmecken nussig und passen zu Süßspeisen,
Salaten und Müslis. Verarbeitet zu Mehl, Grieß
oder Grütze lassen sich wie aus den echten Getreidesorten
Pfannkuchen, Klöße, Waffeln, Kuchen und Teigwaren
herstellen.
Buchweizen ist leicht verdaulich und - im Gegensatz zu Getreide
- reich an Lysin, einer lebenswichtigen Aminosäure,
die unter anderem für den Kollagen- und Knochenstoffwechsel
von Bedeutung ist. Er enthält kein Gluten (Klebereiweiß)
und eignet sich deshalb als Getreideersatz für Menschen,
die an Zöliakie oder Sprue leiden.
Arzneikraft in Blättern und Blüten
Wissenschaftler der Uni Würzburg kürten den Buchweizen
zur "Arzneipflanze des Jahres 1999". Die Bedeutung
als Heilkraut wurde erst Ende der 70er Jahre entdeckt. Die
Heilkraft liegt aber nicht in den Körnern. Blätter
und Blüten der Nutzpflanze sind für die Wirkung
verantwortlich. Sie enthalten 1 bis 6 Prozent des Bioflavonoids
Rutin. Dieser Stoff wurde früher Vitamin P genannt.
Er fördert und erhält die Elastizität der
Blutgefäße, besonders der Kapillaren. Diese feinsten
Verästelungen am Ende jeder Vene und Arterie können
brüchig werden und vermehrt Flüssigkeit ins Gewebe
durchlassen. Folge sind Ödeme oder Hautblutungen. Rutinhaltige
Präparate und Buchweizentee werden beispielsweise zur
Vorbeugung und Behandlung von Venenerkrankungen wie Krampfadern
und Besenreisern eingesetzt.
Margret Brehm
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