Spülmittel: Abbau statt Raubbau
Egal ob per Hand oder mit der Maschine - der Abwasch muss gemacht werden. Damit sich Teeflecken, Fettfilm und Essensreste vom Geschirr lösen, braucht es chemisch hergestellte Hilfsmittel. Bei der Auswahl der Inhaltsstoffe unterscheiden sich ökologische Produkte jedoch stark von konventionellen.
Die Frage, ob es umweltverträglicher ist, mit der
Hand abzuwaschen oder mit der Spülmaschine, ist nicht
eindeutig geklärt. Entscheidend bei beiden Methoden
sind die verwendeten Reiniger. Rund 170.000 Tonnen Spülmittel
fließen in Deutschland jedes Jahr durch den Ausguss.
Deshalb ist es wichtig, dass die Inhaltsstoffe problemlos
biologisch abgebaut werden.
Bei konventionellen Maschinenspülmitteln schaut es
hier schlecht aus. Zahlreiche Hersteller haben die phosphatfreien
Jahre beendet und setzten wieder bis zu 40 Prozent des in
Verruf geratenen Enthärters ein. Die Folge: überdüngte
Gewässer. Problematisch ist auch das konventionelle
Bleichmittel Perborat: Seine Salze sind Gift für Pflanzen.
Die Rückkehr zu alten Rezepten hat einen Grund. Die
Stoffe wirken besser und der Kunde will ein makellos glänzendes
Geschirr. Die Öko-Hersteller können ein Lied davon
singen. Sie haben bei ihren Versuchen, mit nachwachsenden
Rohstoffen ähnliche Waschleistungen zu erzielen, viel
Lehrgeld zahlen müssen. Dabei ist oft nicht der Hersteller,
sondern die Spülmaschine schuld. Dort soll der Ionenaustauscher
für enthärtetes Wasser sorgen. Funktioniert er
schlecht oder ist das Wasser zu hart, lässt die Reinigungsleistung
nach. Gleiches gilt für verstopfte Filter und Spülbalken.
Die alternativen Hersteller setzen bei Maschinenspülmitteln
auf starke Laugen aus Silikaten. Diese Stoffe übernehmen
die Hauptarbeit, lösen den Schmutz und sind ökologisch
korrekt. Wegen ihrer aggressiven Wirkung gelten sie aber
als Gefahrstoff, der keineswegs in Kinderhand geraten darf.
Produkte mit mehr als 25 Prozent Metasilikat müssen
deshalb das orangefarbene Warnzeichen für "ätzend"
oder bei geringerer Konzentration das Zeichen für "reizend"
tragen. Hinzu kommt ein kindersicherer Verschluss.
Auch konventionelle Hersteller arbeiten mit Silikaten. Um
deren Menge zu verringern, setzen sie aber Enzyme ein. Dieses
Verfahren ist wegen der Gentech-Problematik im Bio-Bereich
umstritten. Immerhin gehen mit AlmaWin, Ecover
und Pamo-Ren drei Öko-Hersteller diesen Weg.
Dabei räumt AlmaWin ein, dass die verwendete
Amylase von gentechnisch manipulierten Mikroorganismen hergestellt
wird. Die Firma will deshalb das Enzym in Zukunft weglassen.
Theresia Mosthaf von Biokraft (Pamo-Ren) holt
derzeit weitere Informationen ein: Falls sich herausstellen
sollte, dass die Enzyme doch nicht gentechnikfrei sind,
werde man sie nicht mehr verwenden. Ecover versichert,
dass die Enzyme aus gentechnikfreier Produktion stammen.
Bei den Enthärtern greifen die Öko-Hersteller
statt zu Phosphat zu Citraten, den Salzen der Zitronensäure.
Allerdings funktionieren diese Stoffe bei hohen Temperaturen
nicht optimal. Zur Ergänzung verwendet zum Beispiel
die Firma Klar Polycarboxylate, das sind Enthärter
auf Erdölbasis, die als wenig problematisch gelten.
Allerdings werden diese Stoffe nicht abgebaut, sondern landen
im Klärschlamm. Auch die Salze der Malein- und Acrylsäure
im AlmaWin-Maschinenspülmittel gehören
zu dieser Stoffgruppe.
Als Alternative zu den Polycarboxylaten setzen Sodasan
und Ecover auf Polyasparaginsäure, das ist ein
künstlich nachgebauter Eiweißstoff (Polypeptid),
der zum Beispiel in Schneckenhäusern vorkommt. Die
anderen Hersteller lehnen Rohstoffe auf Erdölbasis
ab und beschränken sich auf die Citrate.
Zu den Standardzutaten in alternativen Spülmitteln
gehören außerdem Soda (Natriumcarbonat) sowie
als Bleichmittel Percarbonat. Das ist eine Verbindung aus
Wasserstoffperoxid und Soda, die bei hohen Temperaturen
in Soda, Wasser und aktiven Sauerstoff zerfällt. Sie
gilt als ökologische Alternative zum konventionellen
Perborat.
Allerdings gehen die Hersteller auch beim Thema Bleichmittel
verschiedene Wege. Klar, Pamo-Ren und Sonett
halten diese Stoffe in der Grundrezeptur für überflüssig.
Statt dessen können sie bei hartnäckigen Flecken
extra zugegeben werden wie beim Baukastensystem für
Waschmittel.
Zum maschinellen Spülen gehört in jedem Fall der
Klarspüler, der am Ende des Spülgangs für
glänzendes und trockenes Geschirr sorgen soll. Dazu
enthält er in der Regel Tenside, damit das Wasser gut
abläuft. Hinzu kommt Zitronensäure, um Kalkflecken
zu lösen. Allerdings verzichten Sodasan und
Weiss Biodienst (LavaSan) in ihren
Klarspülern auf Tenside. Der Grund: Die waschaktiven
Substanzen könnten auf dem Geschirr zurückbleiben
und so in sehr geringen Mengen in die Nahrung gelangen.
Erdölanteil oder nicht:
Daran scheiden sich bei den Tensiden die Geister
An den Tensiden scheiden sich auch bei den Handwaschmitteln
die Geister. Klar, AlmaWin, Pamo-Ren
und Bealin setzen für die Waschwirkung ethoxilierte
Fettalkohole ein. Bei deren Herstellung kommt man jedoch
nicht ohne das giftige und hochexplosive Ethylenoxid aus.
Andere Firmen der Branche verzichten deshalb auf diese Stoffe.
Sie verweisen darauf, dass die Tenside Verunreinigungen
enthalten können. Zudem komme durch das Ethylenoxid
ein Erdölbestandteil in das Tensid.
Strittig ist außerdem, ob die Ethoxilate vollständig
biologisch abbaubar sind. Frank Stewner von Klar
verteidigt die Stoffe wegen ihrer hervorragenden technischen
Eigenschaften. Den Erdölanteil des Tensids will er
ins Verhältnis gesetzt sehen. "Wir sind die Einzigen
mit einem Pfandsystem für die PE-Flaschen und können
so viel mehr Erdöl einsparen." Das Problem mit
den Verunreinigungen, die vor Jahren Schlagzeilen machten,
sieht man bei Enzian (Marke Bealin) als gelöst
an.
Auch das Argument, dass die ethoxilierten Tenside für
Naturkosmetika tabu sind, hält Laborleiter Günter
Kraft nicht für stichhaltig. "Bei einem Spritzer
Spülmittel in zehn Liter Wasser haben Sie eine viel
höhere Verdünnung als in einem Haarshampoo. Außerdem
machen auch die Zuckertenside eine gewaltige Chemie durch."
Zuckertenside sind eine weitere Gruppe von waschaktiven
Substanzen. Sie gelten als ökologisch gut verträglich,
weil sie komplett aus pflanzlichen Rohstoffen gewonnen werden.
Allerdings werden Zuckertenside wie Alkylpolyglycosid oder
Fettalkoholsulfate in der Großchemie hergestellt,
von der alle Öko-Hersteller ihre Tenside beziehen.
Zuckertenside gelten als sehr mild und hautverträglich.
Zusätzlich finden sich bei AlmaWin, Bealin
und Klar hautpflegende Substanzen wie Betaine, bei
Ecover übernimmt Molke diese Funktion.
Als einziger Anbieter setzt Auro Seife in seinem
Handspülmittel ein (aus kbA-Rohstoffen). Alle anderen
Firmen halten dies nicht für sinnvoll, weil Seife mit
dem Kalk im Wasser zu Kalkseife reagiere und dadurch ihre
Wirkung verliere.
Aus Rücksicht auf Allergiker verzichten die meisten
Hersteller auf Duftstoffe oder bieten zumindest eine duftlose
Variante an. AlmaWin, Auro und Ecover
untermauern die Verträglichkeit ihrer Produkte zudem
durch dermatologische Untersuchungen.
Vorbildlich ist bei allen Herstellern, dass sie die Möglichkeit
bieten, leere Handspülmittelflaschen im Laden wieder
aufzufüllen und so Abfälle zu vermeiden. Dr. Stewner
(Klar) und der Weiss Bio-Dienst bieten darüber
hinaus eine Wiederbefüllung der Maschinenreiniger im
Werk an. Bei Klar wird dies unterstützt durch
ein Pfandsystem.
Leo Frühschütz
Spülmittel im Naturkosthandel
| Anbieter | Bezeichnung | Zutaten | Verpackung |
| AlmaWin | Handspülmittel Konzentrat | Wasser, Zuckertenside, Fettalkoholsulfate, Alkansulfonate, Succinate, Cocosfettbetain, Weizenprotein, Citronensäure, Kochsalz, Mischung ätherischer Öle | 0,125 l und 0,5 l PE Flaschen |
| Maschinenspülmittel Konzentrat | Schichtsilikate, Soda, Natriumbicarbonat, Fettalkoholpolyethylenglycolether, Natriumpercarbonat, polymeres Natriumsalz der Malein- und Acrylsäure, Natriumcitrat, Amylase, Protease, ätherische Öle, Natriumcitrat, | 3 kg im Pappkarton mit PE-Beutel | |
| Auro Pflanzenchemie AG | Awalan Handspülmittel | Wasser, Zuckertensid (> 10 %) Kokosfett-Kaliseife*, Rizinusöl-Kaliseife, Glycerin, Alkohol, Citrate (1-10%), Tenside gesamt 19,5 % (Festkörper) | 0,5 l PE-Flasche |
| Awalan Maschinen-Spülmittel | Natrium-Metasilikat, Soda, Natrium-Percarbonat (>10%), Citrat, Schichtsilikat (1-10%) | 3 kg im Pappkarton mit PP-Deckel und Griff sowie PE-Beutel | |
| Biokraft | Pamo-Ren Geschirrspülmittel | Wasser, Natriumalkansulfonat, Zuckertensid, Fettsäurediethanolamid | 1 l PE-Flasche |
| Pamo-Ren Maschinengeschirrspülmittel | Fettalkoholethoxylate, Silikate, Natriumcarbonat, Citrat, Gluconat, Polycarboxylat, Enzyme | 2 kg im Pappkarton | |
| Dr. Stewner & Co | Klar Spülmittel Konzentrat | Wasser, Fettalkoholsulfate (5-15%), Sulfosuccinate (5-15%), Fettalkoholethoxylate (5-15%), Betaine (1-5%), Natriumchlorid (<1%). Es gibt das Spülmittel mit und ohne Orangenöl als Duftstoff. Tenside gesamt ca. 33 % | 0,5 l PE-Pfandflasche |
| Klar Spülmaschinen-Reiniger | Natriummetasilikat (>30%), Natriumcitrat (15-30%), Natriumgluconat (15-30%), Polycarboxylate (1-5 %), Fettalkoholethoxylate (1-5%), Tenside gesamt ca 1 % | 1 kg in der PE-Pfanddose, 3 kg im PP-Pfandeimer | |
| Ecover | Geschirrspülmittel | Wasser, anionische Tenside auf pflanzlicher Basis (15-30%), Molke (<5 %), Salz (<5%), Zitronensäure (<5%), Duftstoffe auf Basis pflanzlicher Rohstoffe (<5%), Kamille- und Ringelblumenextrakte (<5%) | 1 l PE-Flasche |
| Spülmaschinentabs | Citrat (>30%), Carbonate (15-30%), Natriumsilikat (15-30%), Natriumpercarbonat (15-30%), Polypeptide (<5%), Enzyme (<5%), Bleichmittelaktivator (<5%), Duftstoff (<5%), Zuckertensid (<5%) | Pappkarton mit 25 Tabs in PP | |
| Enzian Seifenfabrik | Bealin Spülmittel-Konzentrat | Wasser, Fettalkoholethersulfat (15-30%), Alkylpolyglycoside (5-15%), amphotere Tenside (5-15%), Alkohol, Citronensäure, Tenside gesamt ca. 30 % | 1 l PE-Flasche |
| Sodasan | Handspülmittel | Wasser, Alkylpolyglycoside, Kokosalkoholsulfate, Alkohol, ätherische Öle, Zitronensäure, Natriumchlorid | 0,5 l und 1 l PE-Flaschen |
| Maschinenspülmittel | Natriummetasilikat, Natriumschichtsilikat, Natriumpercarbonat, Trinatriumcitrat, Natriumsalz der Polyasparaginsäure | 1 kg in der PE-Flasche, 3 kg in der Papptrommel | |
| Sonett | Geschirrspülmittel Konzentrat | Kokosalkoholsulfat (5-15%), Zuckertensid (5-15%), Äthanol (0-5%), natürl. ätherische Ölmischung (<1%) | 0,5 l und 1 l PE-Flasche |
| Maschinenspülmittel | Natriummetasilikat, Schichtsilikat (<30%), Soda (15-30%), Citrat (15-30%) | 1 kg und 3 kg im PE-Eimer | |
| Weiss Bio-Dienst | LavaSpül Handspülmittel | Wasser Kokosalkoholsulfat (5-15%), Zuckertenside (5-15%), Lemongrasöl (<5%). Auf Vorbestellung auch ohne Duftstoff lieferbar. Tenside gesamt 18 % | 1 l PE-Flasche |
| LavaSan Maschinenspülmittel | Natriumsilikat (>30%), Soda (15-30%), Natriumcitrat (15-30%) | 1 kg in PE-Dose, 3 kg im PE-Eimer | |
| *= Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau | |||
Die Klarspüler konnten aus Platzgründen nicht mit aufgenommen werden.
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