Vegetarisch Grillen

Wenn rauchige Düfte durch die Gärten ziehen, dann ist klar: Jetzt spielen die Grillfans wieder mit dem Feuer. Meist landen auf dem Rost Fleisch und Würstchen, Vegetariern bleibt dann nur der Griff zu Salat und Brot. Doch es geht auch anders: Aus Tofu, Gemüse, Obst und Käse lassen sich mit etwas Phantasie originelle und leckere Grillspezialitäten zaubern.

Es muss nicht immer Fleisch sein - diese Erkenntnis hat sich auch zu eingefleischten Grillspezialisten durchgesprochen. Renom-mierte Grillratgeber bieten inzwischen extra Kapitel zum Thema ”Vegetarisch Grillen”. Dort findet man Pilze eingepackt in Wirsingblätter, gegrillte Bananen mit einer Kokosnuss-Mandelcreme und Spieße besteckt mit Tofu und Zwiebeln.

Sojaprodukte haben den Vorteil, dass sie wenig Fett enthalten. Eine große Auswahl – hergestellt aus Bio-Sojabohnen und garantiert gentechnikfrei - findet man im Naturkostladen. Grilltauglich sind sie alle: Tofu, eine Art Quark aus Soja-milch, sollte vor dem Grillen möglichst gut ausgedrückt werden. Dann lässt sich fast alles aus ihm machen: Tofuburger, mari-nierter Tofu am Spieß, geräucherter Tofu vom Rost. Tempeh, ein fermentiertes Sojaprodukt, kann man als grillfertigen Bur-ger besorgen. Und auch Tofu-Grillwürstchen gibt es fix und fertig im Bio-Laden. Seitan, ein Eiweißkraftpaket aus Weizen, ist für vegetarische Einsteiger empfehlenswert, weil es sich im Mund fast wie Fleisch anfühlt und ähnlich schmeckt. Auch die Zubereitung ist (fast) vertraut: Zu-sammen mit Zwiebeln, Gemüsepaprika, Rosmarin und Thymian und einigen Trop-fen Olivenöl in ein großes Wirsingblatt einpacken und auf dem Grill gar schmurgeln.

Ein besonderer Leckerbissen ist gegrillter Käse. Sein Aroma wird durch Erhitzen noch intensiver. Klassisches Beispiel: Schweizer Raclette. Üblicherweise ist das etwas für kalte Wintertage und heißen Hüttenzauber. Wer will, kann sich aber ohne weiteres den Raclettekäsewürfel (Greyerzer oder Appenzeller) auf einen langen Ste-cken spießen und über der Glut zum Schmelzen bringen. Dazu passen Kartoffeln aus der Asche. Als Beilagen bieten sich Vollkornba-guette, Tofuwürstchen, klein geschnittenes Gemüse, Dips, milchsaures Gemüse, Zwie-belringe, Knoblauch, Oliven, frische Kräu-ter, Kümmel an. Grillgeeignet sind außerdem Camembert, Mozzarella, Ziegen- und Schafskäse, ganz besonders, wenn sie in Weinblätter eingewickelt sind. Die meisten Käse passen auch gut zu Gemüsespießen oder zergehen auf vorgeröstetem Toast. Jutta Grimm, Spezialistin für vollwertiges ve-getarisches Grillen, packt Mozzarella zusammen mit Zitronenwürfeln und Sesam in ausgehöhlte Zwiebeln. Das Ergebnis: Mozzarellakörbchen.

Beim vegetarischen Grillfest steht Gemüse im Mittelpunkt. Grillen lässt sich fast alles. Knollengemüse wie Kartoffeln, Süßkartoffeln, Fenchel, Bleichsellerie sollte zuerst blanchiert werden, damit es am Schluss nicht außen verkohlt und innen noch hart ist. Festfleischige und zugleich saftige Gemüse behalten am leichtesten Flüssigkeit und Geschmack, wenn sie am Stück gegart werden. Zucchini und Auber-ginen sollten, wie auch Kartoffeln, zuvor mit einer Gabel leicht eingestochen oder richtig eingekerbt werden: Das verhindert, dass sie platzen. Schneller geht‘s mit dem Garwerden, wenn Auberginen, Kartoffeln und ähnliches als zentimeterdicke Scheiben auf dem Rost landen. Pilze sind besonders pflegeleicht: Einfach drauflegen und einige Minuten warten. Bunte Gemüsespieße sind nicht nur vielsei-tig im Geschmack, sondern auch dekorativ. Radicchio und Chicorée gewinnen ein unvergleichliches Röstaroma, wenn sie, ein-fach halbiert und mit Öl bepinselt, über der Glut bräunen. Schnelles und unkomplizier-tes Gemüse sind Maiskolben, deren Hüll-blätter zuerst wie bei einer Banane gepellt wurden und dann, nach Entfer-nung der Seidenfäden, sich wieder um den Kolben schließen dürfen. Oben mit einem Zwirn abbinden, dann in Wasser einlegen und 15 Minuten über der Glut röst-dämp-fen. Mit Butter schmecken die Maiskolben besonders gut.

Fruchtig süße oder saure Äpfel, Orangen, Ananas und Trauben machen sich gut auf Spießen zwischen leicht salzigen Brot-, Tofu- oder Käsewürfeln. Ohne diese Be-gleitung, dafür aber beispielsweise mit ge-schmolzener Butter bestrichen, mit Zimt, Nelke und Zucker bestreut, wandeln sich Pfirsiche, Aprikosen, Birnen, Feigen auf dem Rost zum verführerischen Nachtisch. Das ideale Grillobst sind aber Bananen. Einfach in der Schale schmurgeln und auslöffeln. Der Klassiker ist der Bratapfel. Die einfache Ver-sion: auf Stöcke gebohrt und 30 Minuten über die Glut gehalten. Mit nussiger Fülle im Bauch oder Honig auf der Haut ist er zudem schnell veredelt.
Wem beim Grillen zu warm wird, der er-frischt sich gerne mit einem kühlen knacki-gen Salat. Dass Blattsalate nicht stunden-lang in ihrer Soße dümpeln sollten, versteht sich von selbst. Besser ist es, das Dressing extra daneben zu stellen.

Marinaden sind das ”Tüpfelchen auf dem I” gerade für Tofu, der einen sehr dezenten Eigengeschmack hat, aber auch für Seitan oder vegetarische Schnitzel. Grill-Liebhaber baden auch gerne Gemüse, Kartoffeln und Früchte darin, bevor sie diese der Gluthitze aussetzen. Wichtig ist immer ein hitzebeständiges Öl, etwas Fruchtiges wie Orangen- oder Zitronensaft und Gewürze.

Sollte der gegrillte Tofu immer noch nicht würzig genug oder das Röstbrot noch zu trocken sein, dann gibt‘s nur eins: in Dips oder Soßen stippen. Avocado- oder Auberginencreme, Tahinsoße, milde oder scharfe Kräuterquarks sind flott angerührt. Butter schmilzt dahin und schmeckt besonders, wenn sie mit Extras wie Kapern, Pesto oder Knoblauch verfei-nert wurde. Wer sich diese Vorbereitungs-zeit sparen will, braucht nur in die entspre-chenden Regale des Naturkostladens grei-fen: Da gibt es scharfe, pikante, sahnige oder tomatige Soßen in zahlreichen Variationen, fertige Marinaden und aparte Gewürzmischungen.

Was fehlt noch? Das Brot. Mit seiner Hilfe lassen sich sogar die Teller ersetzen. Dann nämlich, wenn gegrillte Hirse-, Grünkern oder Kichererbsen-Bratlinge zusammen mit frischen Tomaten, Zwiebeln und einer Joghurt-Sesam-Soße in dünnen oder di-cken Fladenbrot-Taschen landen. Die di-cken gibt‘s frisch vom Vollkorn-Bäcker, dünne Pitas, eingeschweißt in Folie, haben Bio-Läden vorrätig.

Spaß macht es auch, Brotteig kunstvoll um einen Stock zu winden und dann geduldig eine ganze Zeit lang über der Gluthitze zu balancieren. Das Ergebnis heißt Stockbrot. Liebhaber der mexikanischen oder indischen Küche werden sich vielleicht sogar daran wagen, Maistortillas oder Kichererbsenchapatis auf einem flachen heißen Stein zu backen.

Und noch eins: Jedes Brot bekommt eine attraktive Bräune und einen unvergesslichen Röstgeschmack, wenn es eine Zeit lang übers Feuer gehalten wurde. Einfach aufspießen und aufpassen, dass es nicht reinfällt.

Gudrun Ambros


Vegetarisches für den Grill:
Tofuwürstchen, Obstspieße und Gemüse
Gehören zum Grillfest: würzige Soßen, bunte Salate und frisches Brot

Grillen - ein Gesundheitsrisiko?
Beim Grillen können gesundheitsschädliche Stoffe entstehen, zum Beispiel die als krebserregend eingestuften Nitrosamine. Sie bilden sich hauptsächlich beim starken Erhitzen von gepökelten Fleisch- und Wurstwaren – und zwar dann, wenn das im Pökelsalz enthaltene Nitrit mit sekundären Aminen (Eiweißstoffen) aus dem Fleisch reagiert.

Wer vegetarisch grillt, umgeht die Nitritquelle Pökelsalz. Noch bessere Karten hat, wer Bio-Gemüse verwendet. Tomaten, Zucchini und Co. aus Bio-Anbau enthalten weitaus weniger Nitrat als herkömmlich gezogenes Ge-müse. Nitrat selbst ist zwar kaum giftig, aber es kann zu Nitrit umgebaut werden. Kommt es mit sekundären Aminen in Berührung, zum Beispiel aus Käse, können sich wiederum Nitrosamine bilden.

Ein weiteres Gesundheitsrisiko: die PAKs, das sind polycyclische aromatische Kohlen-wasserstoffe. Sie entstehen vor allem durch viele Anzündhilfen, auch durch biologische. Das krebserregende Benzpyren, ebenfalls ein PAK, entwickelt sich, wenn Öl in die heiße Glut tropft. Wer richtig grillt, muss sich allerdings keine Sorgen um seine Gesundheit ma-chen. Jutta Grimms Tipp: Zwischen Glut und Grillgut eine Trennschicht bringen. Eben-falls wichtig: Was gegrillt werden soll, darf erst auf den Rost kommen, wenn‘s nicht mehr raucht, wenn die Anzündhilfen vollständig verbrannt sind und das Holz oder die Holzkohle glüht und mit einer weißen Asche-schicht überzogen ist.

Und noch eine gute Nachricht: Es gibt Labor-Untersuchungen, wonach Senfmehl die Mutagenität von Benzpyren, also seine Fähigkeit, Erbgut zu verändern, drastisch verringert. Bei anderen Tests bremsten die Flavonoide von Thymian und Rosmarin die Aufnahme von PAK im Darm. Darüber ha-ben der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer und die Ernährungswissenschaftlerin Ulrike Gonder berichtet. Da-her Udo Pollmers Tipp: Man möge beim Grillen auf eine schmackhafte Würzung achten.


Umweltfreundlich grillen - das geht!

Passionierte Grill-Feuermacher müssen beim Gedanken an die Umwelt längst nicht mehr schamrot erglühen. Das Problem: Holzkohle, die oft aus Tropenholz herge-stellt wird, meist im traditionellen Kohle-meiler. Dabei entstehen Schwelgase, die ungefiltert in die Luft gelangen. Es gibt aber schon seit einigen Jahren Holzkohle, die Öko-Standards erfüllt. Relativ neu ist der ”Sommer-Hit”: eine von Naturland zertifizierte Grillkohle, von der Firma Chemviron Carbon im umweltfreundlichen Retortenverfahren hergestellt. Sie ist im Naturkostladen zu bekommen. Häufig allerdings nur auf Bestellung, denn viele Läden verfügen über zu wenig Stauraum.
Umweltproblem Nummer Zwei: die Anzünder. Prinzipiell scheint alles, was hilft, Holz oder Kohle zum Brennen zu bringen, Schadstoffe freizusetzen. Das gilt besonders für chemische Zündhilfen, aber sogar bei der Verbrennung harzhaltiger Kiefernzapfen werden krebs-erregende Kohlenwasserstoffe frei. Selbst Papier bleibt da nicht unschuldig. Was tun? Wasch mich, aber mach mich nicht nass - das funktioniert hier nicht. Stefan Dehn, Ofenbauer, empfiehlt Anzünder aus Pressholz mit Öl oder Wachs. Altbewährt sind Reisig oder Holzspäne. Wer eine Anzündhilfe verwendet, sollte wenigstens auf das DIN-Gütesiegel achten. In allen Fällen sollte sie vollständig verbrannt sein, bevor Lebensmittel über der Glut geröstet werden.

Ebenfalls im Brennpunkt: die Alufolie. Ihr Gebrauch sollte möglichst tabu sein. Jutta Grimm kennt pfiffige Alternativen. Sie wickelt Grillgemüse in große Blätter (beispielsweise Rhabarber-, Kohl- oder Weinblätter). Bananen oder Kartoffeln werden erst nach dem Grillen von ihren Schalen befreit. Mit etwas Phantasie lässt sich auch eine Vielzahl an Auflageflächen finden: dünne Steinplatten aus Speckstein beispielsweise, ein altes Backblech, ein Dachziegel...


Sicherheitstipps fürs Grillen

Im Eifer des Gefechts werden die Regeln für den Umgang mit einem Grill oft vergessen - angesengte Ponyfransen sind da noch harmlose Folgen. Deswegen hier einige Gedächtnisstützen.
Feuer an: ohne Petroleum, Benzin oder Spiritus. Feuer aus: mit Sand oder Erde. Ein Eimer Wasser in der Nähe des Grills ist nie verkehrt, allerdings weniger zum Löschen, sondern, um im Notfall Brandblasen schnell und anhaltend zu kühlen.
Ein bisschen in den Kohlen herumstochern, das macht nicht nur den Großen, sondern auch den Kleinen Spaß. Kinder sollten den Umgang mit dem Feuer lernen - aber möglichst unter Aufsicht.


Einfache Feuerstelle oder Elektrogrill?

Wo gegrillt wird, entsteht Rauch - es sei denn, man benutzt Gas- oder Elektrogrills. Die sind sauber in der Handhabung und lassen ebenfalls ein besonderes Röstaroma entstehen. Der Nachteil: Mit der Sauberkeit, die kommt, geht ein gewisses Quantum an Grillatmosphäre flöten.
Wer etwas Rauch ganz gerne mag, der heizt mit Holz oder Holzkohle. Dem einen reicht eine einfache Feuerstelle. Das Grillbuch von Jutta Grimm bietet hierzu witzige Ideen. Hightech-Freaks, die einen Gartengrill mit allen Schikanen bevorzugen, können sich im Testheft 6/97 der Stiftung Warentest informieren, was beim Kauf zu beachten ist. Als empfehlenswert gilt die Verwendung von Vertikalgrills, bei denen alles zwischen und nicht unter den glühenden Kohlen brutzelt.
Eine Besonderheit unter den Gartengrills ist der ”Grips”-Grill. Seine Vorzüge: Er funktioniert mit Holz und man muss nicht warten, bis das Feuer herunter gebrannt ist. Über dem Brennholzbehälter liegt nämlich ein flacher Wok aus unbeschichtetem Stahl, der die Hitze der züngelnden Flammen aufnimmt und ans aufgelegte Gemüse, Obst oder den Tofu weitergibt. Öl gerät da nicht ins Feuer. Der einzige Nachteil dieses Bratgrills: man muss ihn gut pflegen, sonst rostet er.
Neu auf dem Markt ist ein Vertikalgrill namens Grill’n’Cook: Bei dem tropft das heiße Fett in eine mit Wasser gefüllte Auffangschale. Ebenfalls neu ist das Gütesiegel des Köln-Berliner TÜV, mit dem dieser Grill ausgezeichnet wurde. Bislang gab es das ”GS-Zeichen”. Das steht nach wie vor für ”geprüfte Sicherheit”. Das neue ”Q-Zeichen” hingegen bescheinigt dem Gerät eine gute Qualität in der Handhabung.


Literatur zum Thema

Wie abwechslungsreich Grillen ohne Fleisch sein kann, zeigt Jutta Grimm in dem Buch ”Vegetarisch grillen”. Rund 90 vollwertige, vegetarische Rezepte hat sie darin gesammelt. Extras: Infos zu Grillgeräten und -zubehör, Tipps für umweltfreundliches und gesundes Grillen, Vorsichtsmaßnahmen. Illustriert ist das Buch mit Cartoons von Renate Alf.

Jutta Grimm: Vegetarisch Grillen, pala-verlag, Darmstadt, 1999, überarbeitete Neuausgabe, Hardcover, DM 18,-. ISBN 3-89566-140-6

Brigitta Klingel: Vegetarische Grillspezialitä-ten. Südwest-Verlag, München 1996, 96 Seiten, ISBN 3-517-01860-0. DM 19,80.

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