Warenkunde: Curry
In Indien gibt es so viele Curry-Mischungen wie Köche, sagt man. Die meisten Varianten sind ziemlich scharf. Bei uns werden mildere bevorzugt, meist als fertige Pulver. Feinschmecker bereiten ihr Curry selbst zu natürlich aus frisch gemahlenen Gewürzen.
Wer
wissen will, wo der Curry wächst, ist angeschmiert.
Weder im Orient noch im Okzident gibt es eine Pflanze mit
diesem Namen. Der Grund ist simpel: Das Wort Curry, abgeleitet
vom hindustanischen "tucarri, bezeichnet eine
Gewürzmischung, die sich aus bis zu 30 verschiedenen
Einzelzutaten zusammensetzt. Es steht primär für
Schmorgerichte mit Saucen (Currys), bei denen das ockerfarbene
Pulver eine zentrale Rolle spielt. In Indien, wo die Mixtur
auch "Garam masala heißt, variiert das
Rezept nicht nur je nach Region, sondern sogar von Haus
zu Haus. Industriell konfektionierten Curry lehnen die meisten
Köche auch in Sri Lanka ab. Lieber zerstößt
man die Rohstoffe im eigenen Mörser oder gibt sie dem
Gewürzmüller zum Mahlen.
Eine Ingredienz darf in keiner Curry-Zubereitung fehlen:
Kurkuma, zu Deutsch Gelbwurz. Der Wurzelstock eines Ingwergewächses,
das in Südchina und Ostindien gedeiht, verleiht dem
Curry seine charakteristische gelb-braune Farbe. Sein Geschmack
ist leicht brennend und etwas bitter. Die meisten Curry-Mischungen
enthalten außerdem Kardamom, Koriander, Muskatblüte,
Pfeffer, Kümmel, Nelken, Ingwer und Paprika. Soll's
etwas schärfer sein, setzt man Bockshornklee, Cayennepfeffer,
Kreuzkümmel, Muskatnuss und Rosmarin zu. Senfkörner,
Knoblauch, Piment, Fenchel und Zimt gehören ebenfalls
oft zum Standard.
Weil hier zu Lande nicht jeder Zeit und Muße hat,
sein eigenes Curry zu kreieren, sind fertige Mixpulver bei
Händlern wie Endverbrauchern sehr beliebt. Doch konventionelle
Ware, die aus dem Ausland zu uns kommt, ist nicht selten
bestrahlt. Außerdem sind nach den "Leitsätzen
für Gewürze und andere würzende Zutaten
unter den Etiketten Curry, Curry-Pulver und Curry-Powder
weitere Beigaben wie Kochsalz (maximal 5%), Hülsenfruchtmehl,
Stärke oder Dextrose erlaubt. Zur "Streckung
machen nicht wenige konventionelle Hersteller von dieser
Möglichkeit Gebrauch. Der Naturkosthandel bietet dagegen
nur reine Gewürzmischungen an, die auf jeglichen Zusatz
verzichten. Die Rohstoffe stammen fast ausschließlich
aus kontrolliert ökologischem Anbau, nur bei seltenen
Lieferengpässen greift man auf Einzelzutaten ohne Bio-Siegel
zurück. Die Auswahl reicht von Curry "englisch
bis "indisch und bewegt sich zwischen mild und
scharf (hot). Bestrahlungen sind bei zertifizierten Bio-Gewürzen
generell untersagt.
Die Inder, so wird behauptet, sind curry-süchtig. Dass
sie traditionell die Schärfe lieben, hat viel mit den
hygienischen Verhältnissen dort zu tun. Da einige Gewürze
desinfizierend wirken, beugt man so drohenden Seuchengefahren
vor. In Europa herrschen andere Bedingungen und andere Geschmäcker.
Das bekannte Bengal-Curry zum Beispiel ist auf den Gaumen
englischer Kolonialherren zugeschnitten und im Vergleich
zu den in Indien gebräuchlichen Mischungen äußerst
mild. Die Menschen in Fernost verwenden außerdem Curryleaf,
das frische Blatt eines Baumes, der nur in Übersee
gedeiht.
Mit der gesundheitlichen Bedeutung von Curry hat sich der
Apotheker Mannfried Pahlow intensiv beschäftigt. Er
sieht in dem Pulver eine medizinisch interessante Gewürz-Arznei,
die bei "richtiger Zusammensetzung etliche Beschwerden
lindern kann. Um "apothekengerecht zu sein, sollte
der Anteil an Kurkuma mindestens 25 Prozent betragen. Dazu
gesellen sich Galgant, Zitwerwurzel (Wurmkraut) und Ingwer,
reichlich Koriander, mittelscharfes Paprika und geringere
Mengen an Nelken, Kardamom, Zimt und Piment. Die Mischung
empfiehlt Pahlow auch Magen- und Darmkranken, weil sie die
Gallebildung und den Gallefluss aktiviert. Die Speichelfermente
werden angeregt und die Verdauung gefördert. Nur bei
Nierenleiden, so Pahlow, sei Vorsicht geboten, wenn der
Chili- und Paprika-Anteil zu hoch ist. Der "rote Pfeffer
enthält die Substanz Capsaicin, die bisweilen Nierenreizungen
auslöst oder Gaumen, Lippen und Zunge anschwellen lässt.
Auch Herzpatienten und ältere Leute dürfen mit
Curry würzen, so lange sie nicht übertreiben.
Pahlow rechnet mit einem halben bis einem Teelöffel
Curry pro Person in den meisten Speisen. Bei Reisgerichten,
die einen Teil der Schärfe schlucken, darf es etwas
mehr sein.
In der Küche passt Curry zu vielen Gemüse-, Fisch-
und Fleischgerichten und eignet sich vorzüglich als
Aromageber in Saucen. Auch Kartoffelsalat, Streichkäse
oder Eierspeisen kann man damit würzen. Mag die Qualität
einer Curry-Mischung noch so gut sein, an den Duft und das
Aroma von unmittelbar vor der Mahlzeit im Mörser zerstoßenen
Gewürzen reicht sie nicht ganz heran. Wer sich dieses
Geschmackserlebnis nicht entgehen lassen möchte, kann
die ungemahlenen Zutaten besorgen und erst daheim zerkleinern
und mischen. Im Ayurveda werden die Gewürze nicht einfach
dem Essen beigegeben, sondern vorher mit etwas Butterfett
(Ghee) in der Pfanne geröstet, eine Variante, die dem
Geruchssinn noch mehr schmeichelt. Ein geriebener, säuerlicher
Apfel ist ideal zum Verfeinern, wenn überwürzt
wurde, mildert ein Schuss Sahne den Geschmack.
Wie alle gemahlenen Gewürze sollte man Curry in dunklen
Gläsern, auf jeden Fall aber lichtgeschützt und
trocken aufbewahren. Direkter Kontakt mit dem Kochdunst
am Herd ist zu vermeiden. Am Besten gibt man die benötigte
Dosis in die offene Hand. Die durchschnittliche Haltbarkeit
fertiger Curry-Mischungen liegt bei etwa einem Jahr.
Hans Krautstein
Curry-Pulver aus Bio-Anbau ist weder gestreckt noch bestrahlt.
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