Reiki
Die Kraft der heilenden Hände
Reiki ist die "universelle Energie" mit den vielen Gesichtern: Als japanische Form des Handauflegens, als spiritueller Weg, als Entspannungstechnik oder als alternative Heilmethode. Wie Menschen Reiki erfahren oder auch erlernen, hängt von den behandelnden Therapeuten oder unterweisenden Lehrern ab. Es soll die Selbstheilungskräfte stärken. Aber Eines ist sicher: Ein Allheilmittel ist es trotzdem nicht.
Als Hawayo Takata im Jahre 1980 starb, hatte die Reiki-Großmeisterin in 42 Jahren gerade einmal 22 Meister persönlich ausgebildet und damit ihr Wissen weitergegeben. Die meisten sogar erst in den letzten zehn Jahren ihres Lebens. Doch eine weitaus größere Zahl von Menschen erlebte ihre Behandlungen und erfuhr durch Einweisungen mehr über das "Usui-System des natürlichen Heilens", kurz Reiki genannt. Heute, rund 20 Jahre später, gibt es alleine in Deutschland circa 500 Reiki-Meister. Doch Schätzungen besagen, dass es vermutlich zwei- bis dreimal soviele Meister gibt, die nicht in die Öffentlichkeit gehen. Die Heilkunst ist weit davon entfernt, ein Massenphänomen zu sein. Doch seit Anfang der 90er Jahre lässt sich eine - wenn auch bescheidene - Breitenwirkung beobachten.
Viele Menschen fühlen sich zu Reiki hingezogen, weil sie körperlich Heilung wünschen. Durch Auflegen der Hände soll heilende Energie die organischen Defizite ausgleichen und stabilisieren. Ziel ist der ungehinderte Energiefluss im Körper. Dahinter verbirgt sich eine in Asien verbreitete Idee, die der Reiki-Praktizierende Dr. Ulrich Dehn so beschreibt: "Wenn das Fließen unserer Lebensenergie gering oder aus dem Gleichgewicht ist, sind wir Stress, Unwohlsein und Krankheit ausgesetzt. Wenn die Lebensenergie frei fließen kann, sind wir eher gesund und zufrieden." Diese Zielsetzung stellt die Heilkunst in die Nachbarschaft anderer Behandlungsmethoden, wie Akupunktur oder traditionelle chinesische Medizin. Im Unterschied dazu, lässt sich Reiki aber nicht nur passiv durch einen Therapeuten erfahren, sondern aktiv durch Auflegen der Hände auf den eigenen Körper.
Reiki soll die natürlichen Selbstheilungskräfte stärken und dadurch für ein Gleichgewicht von Körper, Seele und Geist sorgen. Blockaden können gelöst, Stress abgebaut und ein Zustand vollkommener Ruhe erreicht werden. Der Körper soll durch Reiki besser entschlackt und entgiftet werden. Andere medizinische und therapeutische Behandlungen werden unterstützt. Über diese Wirkungen wird nicht nur für Menschen berichtet, sondern auch für Tiere, Pflanzen und Lebensmittel. Eine wissenschaftlich fundierte Erklärung gibt es dafür nicht. Reiki ist bisher nicht überprüfbar. Aber die Methode ist erfahrbar.
Blockaden sollen gelöst und ein Zustand vollkommener Ruhe erreicht werden
Immer mehr Meister, darunter auch Therapeuten und Heilpraktiker, bieten Behandlungen an. Eine Behandlung dauert zwischen 60 und 90 Minuten. Der Patient bleibt angezogen und macht es sich, zum Beispiel auf einer Massageliege, bequem. Der Behandelnde legt die Hände auf verschiedene Stellen des Körpers. Dabei muss er ihn nicht berühren, sondern die Hände nur in zehn Zentimetern Abstand vom Körper halten. Auf jeder der 12 bis 21 möglichen Positionen an Kopf, Brust, Rücken und Beinen ruhen die Hände drei bis fünf Minuten. Dabei spüren die meisten Menschen eine wohltuende Wärme, die sich im ganzen Körper ausbreitet. Je nach Erfahrung kann der Therapeut die Stellen im Körper mit den Händen aufspüren, die mehr heilende Energie brauchen. Die entspannende Wirkung hält mehrere Stunden bis Tage an. Bei der Behandlung fließt die Reiki-Energie durch den "Gebenden" hindurch zum Patienten, ohne ihn zu belasten oder auszulaugen. Eine Sitzung kostet je nach Dauer zwischen 60 und 120 Mark. Diese Gebühren können bisher nicht über die gesetzlichen oder auch privaten Krankenkassen abgerechnet werden, da die Behandlungsmethode weder im Hufeland-Verzeichnis, noch in dem Gebührenverzeichnis der Heilpraktiker auftaucht. Dies wird sich in absehbarer Zeit aber ändern, so der Pressesprecher der Hamburger Securvita Krankenkasse, Norbert Schnorbach: "Reiki gehört eindeutig zu den Verfahren mit positiven Wirkungen und die Nachfrage steigt. Wir diskutieren eine Kostenübernahme."
Eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist geplant.
Das Usui-System des natürlichen Heilens umfasst drei Grade, die jeder in Kursen erwerben kann. Im ersten Kurs (erster Grad) vermittelt ein Reiki-Lehrer grundlegende Anwendungstechniken für die Behandlung der eigenen wie auch anderer Personen. Außerdem geht es um das theoretische Verständnis des Handauflegens. In vier Einweihungsritualen erhält der Schüler Zugang zur universellen Lebensenergie. "Ist ein Mensch einmal als Reiki-Kanal geöffnet worden, so fließt die universelle Lebensenergie spontan und in konzentrierter Form aus seinen Händen und diese Fähigkeit bleibt ein Leben lang erhalten", heißt es bei den Reiki-Autoren Baginski/Sharamon. Diese "Einweihungen" sind für rationale Menschen meist wenig nachvollziehbar. Die Schüler werden gebeten, die Augen zu schließen. Sie können also später nicht beschreiben, was eigentlich mit ihnen passiert ist.
Der Lehrer führt ein geheimes Ritual mit Symbolen an dem Reiki-Schüler aus, die er seinerseits von seinem Lehrer erhalten hat. Diese Symbole erinnern an alte Sanskrit-Zeichen und knüpfen an die Tradition des Reiki-Entdeckers Mikao Usui an (s. Kasten). Wie diese Einweihungen wirken, ist individuell sehr verschieden. Während die einen nichts spüren, sind andere sehr gerührt und tief bewegt. Unabhängig von dieser Wahrnehmung, ist der Schüler am Kursende auf "wundersame Weise", wie Reiki-Autor Jürgen Kindler es beschreibt, mit Reiki verbunden. So vergleicht er die Einstimmung mit folgendem Bild: "Der Schüler wird wieder an seine in ihm liegende Reiki-Kraft erinnert".
Der zweite Einweihungsgrad versetzt den Schüler in die Lage, dem nicht-körperlichen Bereich menschlichen Seins (Psyche, Geist, Seele, Verstand) gezielt Reiki "zu geben". Mit Hilfe der drei geheimen Sanskrit-Symbole ist es möglich, Reiki intensiver zu nutzen ("Kraftverstärkung") und auch abwesenden Personen Heilenergie zu "schicken" ("Fernreiki"). Während der erste Grad eher körperlich wirkt, geht es beim zweiten Grad um die mentale Ebene. Und wie soll Reiki in diesem Bereich funktionieren? Reiki-Praktizierende bestätigen immer wieder, dass es sich um tiefgreifende Prozesse handelt, die spirituelles Wachstum anregen.
Das Usui-System des natürlichen Heilens enthält auch Lebensregeln (s. Kasten). Genau an diesem Punkt reicht Reiki über eine einfache Behandlungsmethode hinaus und wird zu einem Erkenntnisweg. Prinzipiell genügt auch hierfür schon der erste Einweihungsgrad - je nach Ernsthaftigkeit und Anwendungspraxis. Es wird in der Literatur immer unterstrichen, dass ein konsequent lebender Erster Grad-Schüler mehr Tiefe erreichen kann, als einer, der den zweiten Grad zwar besitzt, aber nichts damit anfängt.
Reiki-Lebensregeln
nach Dr. Mikao Usui
Gerade heute sei nicht ärgerlich.
Gerade heute sorge Dich nicht.
Ehre Deine Eltern, Lehrer und Älteren.
Verdiene Dein Brot ehrlich.
Empfinde Dankbarkeit für alles Lebendige.
Der dritte Grad wird Reiki-Meister, manchmal auch Reiki-Meister/Lehrer genannt. Bei einigen Abzweigungen vom traditionellen Usui-System ist der Meistergrad noch weiter unterteilt. Wer Meister ist, kann andere Menschen, in den ersten und zweiten Grad sowie seit 1988 auch in den Meistergrad einweihen. Früher durften die Meister nur von den amtierenden Großmeistern eingeweiht werden. So lässt sich auch erklären, warum in den letzten Jahren die Zahl der Meister so rasant anstieg. Mit immer neuen Lehrern, die auch nicht organisiert waren, fielen bald die Preise für die verschiedenen Grade. Damit wurde die finanzielle Hemmschwelle, den Meistergrad zu erwerben, deutlich niedriger. Diese Entwicklung macht es einem Schüler nicht einfach, einen geeigneten Meister/Lehrer zu finden. Es gibt zwar einen gemeinsamen Ursprung (Mikao Usui), mittlerweile aber viele Lehrmeinungen und noch mehr Lehrer.
Der Aufwand, die heilenden Fähigkeiten zu erlangen, ist gering. Der bekannte Reiki-Autor Walter Lübeck bringt es auf den Punkt: "Reiki-Kanal wirst du (durch die Einweihungen) auf jeden Fall. Dafür musst du nichts weiter tun, als einfach nur anwesend zu sein." Als Gegenleistung bezahlt der Schüler die Kursgebühr, die je nach Meister für den ersten Grad bei circa 350 Mark, für den zweiten Grad zwischen 500 und 1200 Mark und für den Meistergrad zwischen 1.200 und 20.000 Mark liegt.
Reiki ist bisher wissenschaftlich nicht überprüfbar aber erfahrbar
Walter Lübeck zeigt die kontroversen Seiten des Themas "Reiki und Geld" auf: "Die Lebensenergie darf einerseits nicht soviel kosten, weil sie natürlich ist, andererseits sind die Wirkungen von Reiki sowieso unbezahlbar. Einige meinen, fast jeder Preis wäre gerecht." Die gegenwärtige Großmeisterin, Phyllis Lei Furumoto, machte deutlich, dass gerade die ersten beiden Grade "bezahlbar sein sollten", um eine möglichst weite Verbreitung der Methode zu erreichen. Dagegen sieht sie den Meistergrad als wahre Meisterschaft an, die nur Tiefenwirkung, aber keine Breitenwirkung haben sollte.
Reiki ist heute eine Methode, die geeignet ist, körperlich und auch mental zu wirken. Allerdings ohne Allmachtswahn. Reiki hat, wie jede andere alternative Heilkunst, Grenzen. Dabei kommt es ganz auf den eigenen Anspruch und die Bereitschaft an, sich einzulassen. Wichtig ist, dass der jeweilige Reiki-Lehrer genügend Kenntnisse und Fähigkeiten hat, um Reiki weiter zu geben. Die Suche nach einem geeigneten Lehrer braucht Zeit. Und sich Zeit zu lassen, ist eine ganz wesentliche Qualität von Reiki. Katharina Landorff
Viele Legenden ranken sich um die japanische Heilkunst Reiki. In Variationen wird die Legende des christlichen Theologen Dr. Mikao Usui (1865-1929) erzählt. Er war auf der Suche nach einem Beweis für Jesus Fähigkeit, mit den Händen zu heilen. Sein langer Weg zur Erkenntnis führte über Amerika wieder zurück nach Japan zum heiligen Berg Kuriyama. Dort fastete und meditierte der Geistliche fast drei Wochen. Am 21. Tag seiner Meditation erschienen Mikao Usui lichtdurchflutete Sanskritsymbole, die das natürliche Heilen ermöglichen sollten. Noch heute werden diese Symbole vom Meister auf den Schüler weitergegeben. Usui praktizierte Reiki in den japanischen Armenvierteln.
Zweiter "Großmeister" nach Usui wurde der japanische Arzt Dr. Chujiro Hayashi. Er gründete die erste Reiki-Klinik in Tokio. Hawayo Takata aus Hawai hatte in dieser Klinik Heilung gefunden und wurde 1938 als erste Frau Reiki-Meisterin. Seit 20 Jahren ist ihre Enkelin Phyllis Lei Furumoto Großmeisterin. Anfang der 1980er Jahre kam Reiki von Amerika nach Europa und Deutschland.
Literatur zum Thema:
- Baginski, Bodo J./ Sharamon, Shalila: Reiki. Universale Lebensenergie. Essen: Synthesis Verlag, 1997. 257 Seiten. ISBN 3-92202-635-4, DM 28,00.
- Distel, Wolfgang/ Wellmann, Wolfgang: Der Geist des Reiki. Dai Komio. München: Goldmann, 1995. 191 Seiten. ISBN 3-44213-845-0. DM 14,90.
- Lübeck, Walter: Reiki. Der Weg des Herzens. Aitrang: Windpferd Verlag, 1996. 223 Seiten. ISBN 3-89385-070-8, DM 24,80.
- Das Reiki-Handbuch. Von den grundlegenden Einführung zur natürlichen Handhabung. Aitrang: Windpferd Verlag, 1993. 248 Seiten. ISBN 3-89385-064-3, DM 24,80.
- Müller, Brigitte/ Günther, Horst H.: Reiki. Heile Dich selbst. München: Peter Erd Verlag, 1999. 250 Seiten. ISBN 3-81380-209-4. DM 27,00.
- Petter, Frank Arjava: Reiki. Das Erbe des Dr. Usui. Aitrang: Windpferd Verlag, 1998. 126 Seiten. ISBN 3-89385-281-6, DM 19,80.
- Zopf, Regine: Reiki. Ein Weg sich selbst zu vervollkommnen. Weltenhüter Verlag, Hamburg 1994, 117 Seiten, ISBN 3-92968-109-9, DM 24,80
Kontaktadressen:
- Reiki Alliance Europa - Honthorststraat 40 II, 1071 DG-Amsterdam. Niederlande, Tel. 00 31-20-6719276, Fax 00 31-20-6711736
- Bund freier Reiki Lehrer - Karin u. Herbert Kuhl, Buchriesenweg 7, 63667 Nidda, Tel. 06043/2232
- Fördergemeinschaft Reiki Praktizierender (FGR) - Peter König, Lindenstr. 2, 40699 Erkelenz, Tel. 02104/4333
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