Einblick


Die Praktiken der Pillendreher

Das "Schwarzbuch Wundermittel" (S. Hirzel Verlag, Stuttgart 2000, 181 Seiten, ISBN 3-7776-1005-4, DM 34,-) wird nicht jedem schmecken, so viel scheint gewiss. Der Autor Gregor Huesmann fasst Hersteller und Konsumenten von Gesundheitspillen nicht mit Samthandschuhen an. Durch die mutige Aktion "Der Scheiß des Monats" war der Apotheker bundesweit bekannt geworden. Er hatte in seinem Schaufenster vor dem Kauf bestimmter Produkte gewarnt. Die "wettbewerbswidrige Schmähkritik" wurde zwar später gerichtlich untersagt, doch an der Tatsache, dass es viele Firmen mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, ändert dies nichts. Vor allem bei Nahrungsergänzungen, per Definition Lebensmittel, würden der Kundschaft phantastischste Heilwirkungen vorgegaukelt und "wissenschaftliche Studien" aus dem Hut gezaubert, die es gar nicht gibt. Zu allem Übel sei der "Schrott" noch sündhaft teuer. Der Autor nennt unzählige Negativbeispiele von Haifischknorpelpulver bis zur Tomaten-Kapsel, die vor allem in der Yellow Press beworben werden. Aber auch um durchaus ernst zu nehmende Artikel wie Grapefruitkernextrakt oder Grüntee ranken sich unhaltbare Versprechungen.

Huesmann ist nicht grundsätzlich gegen Nahrungsergänzungen. Was ihn stört, ist der oft betrügerische Kommerz. Er wird publizistisch von viel Trara begleitet - selbst seriöse Tageszeitungen fielen darauf herein. Ganze Verlage scheinen nur dazu geschaffen, den propagandistischen Boden zu bereiten, auf dem die dubiosen Geschäfte der "Pillendreher" gedeihen. Ein Teil der Verbraucher, so Huesmanns Eindruck, ist daran selbst schuld. Wohl wahr: Statt sich um Fakten zu kümmern und der Weisheit des eigenen Körpers zu vertrauen, glaubt mancher an Wunderdrogen, die ihn ohne eigenes Zutun erlösen. So gesehen befindet er sich geistig noch in der Steinzeit, auch wenn er täglich im Internet surft. Hier, im World Wide Web, haben "Cyber Pharmacies" Konjunktur. Ein unkontrollierter Markt, der im Extremfall lebensgefährliche Folgen haben kann. Huesmann klagt nicht bloß an, er klärt auf und liefert unter Mithilfe von Petra Kniebes eine Fülle von Fakten. Dass auch seine Standeskollegen nicht immer die verlässlichen Berater sind, die sich kritische Verbraucherschützer wünschen, verschweigt Huesmann nicht.

Hans Krautstein

Kinder schlucken Pillen ohne Zulassung

Der Aufenthalt im Krankenhaus kann für Kinder gefährlich werden, wie eine Studie an fünf europäischen Kinderkliniken zeigt. Zwei Drittel der kleinen Patienten erhalten Medikamente, die für Kinder gar nicht zugelassen oder falsch dosiert sind. Das berichtete die Zeitschrift Ökotest. Besonders häufig kommt dies bei Asthma- und Schmerzmitteln vor. Nur 20 Prozent aller erlaubten Arzneimittel dürfen Kindern verabreicht werden, da viele Hersteller den zusätzlichen finanziellen Aufwand bei der Zulassungsprüfung scheuen. Deshalb greifen Klinikärzte vor allem bei schweren oder seltenen Leiden mangels Alternative oft auf Arzneien zurück, die nur an Erwachsenen untersucht wurden. Die Dosis wird aus der Erfahrung heraus bestimmt oder auf das niedrigere Körpergewicht umgerechnet. Für die auftretenden Nebenwirkungen haftet dann der Arzt, und nicht der Hersteller.

Professor Günter Mau, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, fordert "die gesetzlichen Rahmenbedingungen für klinische Studien mit Kindern zu verbessern." Die strengen Richtlinien, die ursprünglich zum Schutz der Minderjährigen erlassen worden waren, gereichten diesen nun zum Nachteil. Mau: "Die Kinder werden vom medizinischen Fortschritt abgehängt."

Gehirnmusik gegen Migräne

Psychofonie nennt der Brandenburger Neurologe Hans-Georg Trzopek ein Verfahren, das Migräne-Patienten Linderung verschaffen soll. Dabei werden die Gehirnströme des Kranken während der anfallsfreien Zeit per Elektroenzephalogramm aufgezeichnet und mittels Computer in Klavier- oder Harfenmusik umgewandelt. Die Kassette mit den überspielten Tönen nimmt der Patient mit nach Hause und spielt sie immer dann ab, wenn ein Anfall droht. Gegenwärtig wird die ungewöhnliche Methode an 100 Schmerzpatienten erprobt.

Gesundheitsreform

Von der Gesundheitsreform 2000 ist zwar oft die Rede, doch viele wissen nicht, worum es im Einzelnen geht. Diese Informationslücke schließt ein siebenseitiges Merkblatt der Verbraucherzentrale Bayern, das die wichtigsten Änderungen in den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung erklärt. Es kann gegen Voreinsendung von DM 5,50 in Briefmarken bestellt werden bei: Verbraucherzentrale Bayern, Mozartstraße 9, 80336 München, Telefon 089-53987, Fax 537553.

 

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