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Wegen BSE: Run auf Biofleisch

Der Rinderwahn lässt die Verbraucher zu Bio-Fleisch greifen. So herrschte bereits wenige Tagen, nachdem in Schleswig-Holstein das erste deutsche BSE-Rind festgestellt wurde, in verschiedenen Naturkostgeschäften und Bio-Metzgereien Hochbetrieb. "Wir haben unseren Umsatz heute verdoppelt. Viele neue Kunden sind gekommen", sagte Helga Dreesen von der Kölner Bio-Metzgerei Jansen bei einer Blitzumfrage kurz vor Redaktionsschluss. Viele Fragen habe es gegeben, viel Informationsbedarf. "Die Menschen sind oft richtig froh gewesen, dass sie doch noch ohne Angst Fleisch einkaufen können."

Auch das Ökodorf Brodowin, das die Berliner Bio-Supermärkte mit Fleisch versorgt, meldete eine Verdoppelung des Umsatzes beim Rindfleisch und eine Vervierfachung bei Schweinefleisch. Zudem zeigte ein Blick in diverse Tageszeitungen zeigte, dass Bio-Bauern und Naturkostgeschäfte plötzlich wichtige Gesprächspartner waren und in vielen Fällen von einem gestiegenen Interesse an Bio-Fleisch berichteten.

Bei den Herstellern machte sich der neuerliche BSE-Skandal kurzfristig noch nicht im selben Ausmaß bemerkbar. Bei der Ökoland GmbH Nord verzeichnete Patrik Müller zu diesem Zeitpunkt verstärkte Anfragen von Verbrauchern und erste Hinweise des Großhandels, dass der Bedarf wohl steigen werde. In einer Kundeninformation wies die Firma darauf hin, dass ihre Wiener Würstchen die einzigen von 16 getesteten Brühwürsten waren, in denen die Zeitschrift Ökotest kein Nervengewebe gefunden hatte. Beim Hersteller Chiemgauer Naturfleisch hatten die Bestellungen der Naturkostläden bereits deutlich zugenommen. "Der Handel deckt sich mit Vorräten ein", schätzte Thomas Reiter und hoffte, dass der BSE-Skandal zumindest mittelfristig der ökologischen Landwirtschaft nutzt.

Die Lebensmittelskandale der Vergangenheit hatten sich auf den Bio-Markt meist nicht dauerhaft ausgewirkt. So gab es beim Skandal um Dioxin in Futtermitteln im Jahr 1999 ebenfalls plötzliche Nachfragesteigerungen nach Biofleisch und Eiern. Um rund 30 Prozent stieg damals kurzfristig der Absatz, ging aber nach einigen Monaten wieder auf das normale Maß. Aus Angstkunden Stammkunden zu machen, sei gar nicht so einfach, weiß Hanjörg Bahmann vom Großhändler Weiling. Nach seiner Auffassung muss die Überzeugungsarbeit vor allem beim Genussaspekt ansetzen: "Der gute Geschmack von Biofleisch ist für den Verbraucher der wichtigste Grund, es zu kaufen."

Die Verbände der Bio-Bauern hoffen, dass die Bundesregierung die neuerliche BSE-Krise zum Anlass nimmt, endlich mit der angekündigten Unterstützung des Ökolandbaus ernst zu machen. Wann, wenn nicht jetzt, fragen sie sich.

Leo Frühschütz


Interview

"Bio-Fleisch bietet ein Höchstmaß an Sicherheit"

Wie sicher ist Öko-Fleisch? Das fragten wir Dr. Klaus-Peter Wilbois, den Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau (AGÖL).

Herr Wilbois, ist Bio-Fleisch tatsächlich eine Alternative für die von BSE verunsicherten Verbraucher?

Bei Fleisch, dass von Tieren aus ökologischem Landbau stammt, hat der Verbraucher die größtmögliche Sicherheit. Das gilt sowohl in Bezug auf BSE als auch auf andere Lebensmittelskandale, etwa Dioxin im Tierfutter. Jeder Hof wird einmal im Jahr umfassend kontrolliert, ob er die strengen Richtlinien des ökologischen Landbaus einhält. Dazwischen gibt es Stichproben.

Was steht denn in diesen Richtlinien über das Futter für Masttiere?

Tiermehl war und ist für Bio-Bauern verboten. Das gilt für alle Tierarten und ist inzwischen durch die Bioverordnung der EU auch europaweit gesetzlich so geregelt. Vorgeschrieben ist, dass die Tiere artgerecht gehalten und ernährt werden. Das Futter muss aus biologischem Anbau und überwiegend vom eigenen Hof kommen. Nur in Ausnahmefällen ist ein kleiner Prozentsatz an konventionell erzeugter pflanzlicher Nahrung gestattet; das sind zum Beispiel Rapskuchen oder Kartoffeleiweiß. Importfuttermittel wie Gen-Soja kommen nicht in den Futtertrog.

Woher stammen denn die Kälbchen, die von Bio-Bauern großgezogen werden?

Die Jungtiere für die Mast müssen aus der eigenen Nachzucht oder von anderen Biohöfen stammen. Nur für die Zucht dürfen konventionelle Rinder noch zugekauft werden. Werden Tiere, egal ob konventionell oder bio, aus BSE-gefährdeten Regionen eingekauft, müssen Belege über die BSE-Freiheit des Bestandes, aus dem dieses Tier stammt, vorgelegt werden. Durch die Kontrollsysteme der Verbände kann die Ware jeweils zum Erzeuger und zum einzelnen Tier zurück verfolgt werden. Aufgrund dieser Bestimmungen können wir guten Gewissens sagen: Bio-Fleisch bietet ein Höchstmaß an Sicherheit."

 

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