Eistee
Sommerzeit - Eisteezeit, so suggeriert die Werbung. Doch vor dem Einkauf der kühlenden Erfrischung lohnt sich ein kritischer Blick aufs Etikett. Gängige Supermarktware kommt meist als teures Zuckerwasser daher. Dagegen hat Eis-Tee aus dem Naturkostladen den Namen wirklich verdient.
Der Begriff "Eistee" ist eine Wortschöpfung der konventionellen Lebensmittelbranche und als solche ein reines Phantasieprodukt. Er ist nirgendwo verbindlich definiert und sein Gebrauch daher auch nicht rechtlich geschützt. Im Grunde genommen ist alles das Eistee, was Hersteller oder ihre Kunden so bezeichnen, gerade so, wie es ihnen gefällt. Trotzdem ist es relativ einfach, den gemeinsamen Nenner aller gehandelten Eistees auf den Punkt zu bringen: Egal, was drin ist, sie werden immer kalt und meistens mit Eis serviert.
Die Regale im konventionellen Lebensmittelhandel sind voll von Eistee im Tetra-Pack, in Flaschen, Dosen, gelegentlich als Instant-Getränk oder - seltener - auch als Trockenmischung zum Aufgießen. Doch der Schein trügt: Mit Tee haben die meisten Erzeugnisse nur noch den viel versprechenden Namen gemein. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, bestehen die Trendartikel zu über 90 Prozent aus Wasser und Zucker. In manchen Fällen ist ihnen etwas Fruchtsaft(konzentrat) beigemischt. Dazu kommen - je nach Hersteller - Farbstoffe, Konservierungsstoffe, Säuerungsmittel, künstliche Vitamine und Süßstoffe.
Den durchschnittlichen Teeanteil konventioneller Produkte beziffern Insider auf unter ein Prozent. Ob hier Verbrauchertäuschung vorliegt, mögen Juristen entscheiden. Die Naturkostbranche ist diesem schlechten Beispiel nicht gefolgt. Auch sie hat Eistee im Sortiment, aber von höherer Qualität. Den Unterschied macht bereits ein Blick aufs Etikett deutlich. Der Tee, ob grüner, schwarzer, Kräuter- oder Früchtetee, steht ganz vorn auf der Liste, und die Zutaten stammen fast ausschließlich aus kontrolliert ökologischem Anbau. Auch sind die Bio-Eistees wenig, meist jedoch überhaupt nicht gesüßt. Industriezucker bleibt selbstverständlich außen vor, stattdessen verwendet man Honig, Agavendicksaft oder die natürliche Süßkraft von Obstsäften in kleineren Mengen.
Eistee aus der Flasche. Wer trinkfertigen Eistee bevorzugt, kann ihn in der 0,7-Liter-Pfandflasche nach Hause tragen. Wie in vielen Eistee-Rezepturen spielt Grüntee hier eine wichtige Rolle. Wegen seines frischen, aber nicht vorschmeckenden Aromas und des hellen Aufgusses lässt er sich gut mit anderen Zutaten kombinieren. Grüntee ist bei Eistee-Produzenten und -Konsumenten gleichermaßen beliebt. Ähnliches gilt für den feinherben, teinreichen Matetee, der in seiner Heimat Paraguay gerne kalt und mit viel Zitrone getrunken wird. In den Bio-Eistees aus der Flasche findet man als weitere Ingredienzen, die zur Verfeinerung und Abrundung des Geschmackes dienen, unter anderem Zitronenextrakt, Apfel- und Mandarinensaft sowie Honig und Zitronensaft. Teinfrei ist eine Eisteevariante aus Hibiskusblüten, Hagebuttenschalen, Traubensaft, Apfelsaft, Agavendicksaft und Sauerkirschsaft.
Teemischungen für Eistee. Wem es zu mühsam ist, Eistee-Flaschen zu schleppen, der kann auf eine der zahlreichen Trockenmischungen zurückgreifen. Manche Firmen bieten diese allerdings nur als Saisonartikel von April bis September an. Trockenmischungen haben den kleinen Nachteil, dass sie zuerst heiß überbrüht und dann gekühlt werden müssen, bevor man sie als Eistee trinken kann. Dort, wo Grüntee enthalten ist, sollte man auf keinen Fall kochendes Wasser nehmen, sondern Wasser mit einer maximalen Temperatur von 80 Grad. Sonst leiden beim Grüntee bekanntlich nicht nur die wertvollen Inhaltsstoffe, sondern auch der Geschmack. Erfrischende Zutaten wie Apfel, Orangenschale, Zitronengras, Zitronenschale, Zitronenverbena stehen auch bei den Teemischungen für Eistee auf der Liste obenan. Nach dem Überbrühen sollte der Tee einige Minuten ziehen, dann seit man ihn ab und lässt ihn langsam abkühlen. Zum echten Eistee wird das Getränk in dem Moment, wo es über Eiswürfel gegossen wird. Je nach persönlicher Vorliebe kann man mit Honig süßen.
Einige Bio-Hersteller versorgen ihre Kundschaft zusätzlich mit Rezepten und detaillierten Informationen darüber, welche Teesorten sich in erster Linie zur Zubereitung von Eistee eignen. Dies scheint neben Grüntee vor allem für Früchtetee, den eher sanften und teinfreien Rooibos, den mineralstoffreichen Tee aus der Lapachorinde oder für milde Schwarztees wie Darjeeling zu gelten. Der Phantasie der Verbraucher sind indes kaum Grenzen gesetzt. Idealerweise sollte man beim Überbrühen zu Hause nur die Hälfte der sonst üblichen Wassermenge verwenden. Durch anschließende Zugabe gefrorener Eiswürfel wird das richtige Tee-Wasser-Verhältnis erreicht. Beim "Schock-abkühlen" behalten vor allem grüner und schwarzer Tee eher ihr volles Aroma, als wenn man sie langsam abkühlen ließe.
Neben den Bio-Teefirmen Heuschrecke, Lebensbaum und Oasis sowie den Fruchtsaftherstellern Beutelsbacher und Voelkel hat auch die Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der dritten Welt (gepa) einen Bio-Eistee im Sortiment. Der Eistee aus Ceylon-Schwarztee, der durch verschiedene Kräuterauszüge sein endgültiges Aroma erhält, wird als bisher einziger Bio-Artikel im Teebeutel angeboten.
Tipps für Eistee-Fans. Der "klassische" Eistee wird oft aus Assam- und Darjeeling-Schwarztee zubereitet. Genießer können neben den obligatorischen Eiswürfeln noch ein paar Spritzer Zitronensaft hinzu geben und den Rand des Glases mit einer Zitronenscheibe dekorieren. Wer es fruchtiger mag, kann auch auf aromatisierte Tees, zum Beispiel Zimt oder Earl Grey, zurück greifen. Für eine Eistee-Bowle braucht man einen starken Tee eigener Wahl, den man nach dem Abkühlen über frisch aufgeschnittenes Obst (Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren) in eine Schüssel gießt. Später wird das Ganze noch mit Sekt, Wein und/oder Mineralwasser aufgepeppt. Originell ist die Idee, Eistee als Parfait (Halbgefrorenes) zu kredenzen. Zunächst wird ein kräftiger Früchtetee zubereitet und über Nacht kalt gestellt. Am nächsten Tag schlägt man Eigelb und Akazienhonig schaumig, hebt den kalten Tee zusammen mit Zitronensaft und Orangensaft unter die Schaummasse und fügt schließlich geschlagene Sahne hinzu. Die Mischung wird in Portionsschälchen gefüllt und sollte im Eisfach zwei bis drei Stunden lang frieren.
Hans Krautstein
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