Is(s)t Bio besser?

Immer noch behaupten manche Wissenschaftler, dass es zwischen konventionellen Lebensmitteln und Bio-Produkten keine Unterschiede gibt. Doch Lebensmittelqualität ist mehr als Vitamine oder Kohlenhydrate. Dazu gehört auch die Vitalität der Lebensmittel, die mit so genannten bildschaffenden Methoden gemessen werden kann.

Die dabei festgestellten Unterschiede in der Qualität sind deutlich. Esgibt keinen Nachweis dafür, dass Nahrungsmittel, die in Öko-Betrieben erzeugt werden, grundsätzlich für die Gesundheit des Verbrauchers besser sind als Produkte aus konventionell wirtschaftenden Höfen.“ Diese Aussage findet sich in einer Stellungnahme von 42 führenden deutschen Agrarwissenschaftlern, mit der diese sich vor einem Jahr vom staatlichen Ziel einer Agrarwende distanzierten. Nun ist der Wunsch, sich gesund zu ernähren, für viele Menschen ein sehr wichtiges Motiv, um im Bioladen einzukaufen. Für sie macht der gesundheitliche Nutzen neben dem guten Geschmack einen wesentlichen Teil der Qualität von Bio-Lebensmitteln aus. Und da soll nichts dran sein?

Was ist der Maßstab? Richtig ist, dass es keine groß angelegte Studie gibt, in der über Jahre hinweg der Gesundheitszustand von Tausenden von Menschen, die sich von Bio-Lebensmitteln ernähren, mit einer Kontrollgruppe konventioneller Esser verglichen wird. Eine solche Untersuchung wäre ein wissenschaftlicher Nachweis, den auch ein skeptischer Agrarökonom akzeptieren müsste. Doch ist eine derart aufwändige und teure Untersuchung bisher nicht durchgeführt worden. Statt dessen gibt es viele Studien, die der Frage nachgehen, wie sich Bio-Produkte von konventionellen Lebensmitteln in Bezug auf die Inhaltsstoffe unterscheiden. In ihrer Gesamtheit zeigen sie relevante Unterschiede auf und deuten darauf hin, dass diese Unterschiede sich auch positiv auf die Gesundheit des Verbrauchers auswirken. Vielen dieser Arbeiten liegt jedoch eine sehr eingeengte Sichtweise von Lebensmittelqualität zu Grunde. Sie begnügen sich damit, mit chemisch-physikalischen Methoden Nähr- und Schadstoffgehalte zu bestimmen. Als Maßstab für die Bewertung dienen dabei Empfehlungen für die tägliche Aufnahme an wertgebenden Inhaltsstoffen wie beispielsweise Vitaminen. Dazu kommen noch einige Grenzwerte für Schadstoffe, bei deren Einhaltung alles paletti sein soll.

Andere Fragen, etwa die nach dem „Lebendigen“ in Lebensmitteln, oder nach den Folgen von Anbau und Verarbeitung für die „Vitalität“ des Produkts, werden bei dieser konventionellen Herangehensweise nicht gestellt. Bei den so genannten physikalischen und bildschaffenden Methoden stehen diese Fragen hingegen im Mittelpunkt der Analyse. Diese ganzheitlichen Verfahren zeigen, dass es verschieden lebendige Lebensmittel gibt und dass sich diese Unterschiede auch messen lassen. Doch dazu später.

Kontroverse Studienergebnisse. Bereits 1995 hatte das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz (BgVV) eine Literaturstudie veröffentlicht, in der 150 Arbeiten über die Unterschiede zwischen Bio-Lebensmitteln und konventionellen Produkten ausgewertet wurden. Das Ergebnis beschreibt das Institut so: „Bio-Produkte sind Produkten aus konventionellem Anbau nach ernährungsphysiologischen Kriterien kaum überlegen.“ Bei den wertgebenden Stoffen wie Vitaminen und Kohlenhydraten ergaben sich keine relevanten Unterschiede. Das verwundert auch nicht. Denn für die Bildung dieser Stoffe sind zahlreiche Faktoren mit verantwortlich, wie die jeweilige Sorte, der Standort, Bodenqualität, Wetter, Pflanzenabstand oder Erntezeit. Diese Einflüsse können sich stärker auf den Gehalt an Nährstoffen auswirken als die jeweilige Anbaumethode. Die US-Wissenschaftlerin Virginia Worthington kam bei der Auswertung von 50 Arbeiten 1998 im Gegensatz zur BgVV-Studie zu dem Ergebnis, dass Bio-Produkte mehr Vitamin C enthalten und tendenziell auch mehr Mineralstoffe. Eine neuere Untersuchung des Forschungsinstituts für ökologischen Landbau (FIBL) an Äpfeln zeigte einen höheren Gehalt an Nahrungsfasern und Phenolen in den Bio-Früchten. Die Phenole gehören zu den für den menschlichen Organismus wertvollen sekundären Pflanzenstoffen. In vielen Arbeiten findet sich übrigens der Hinweis, dass Bio-Gemüse mehr Trockenmasse hat, also mehr Substanz und weniger Wasser enthält.

Schadstoffe. Bei den unerwünschten Stoffen schneiden Bio-Lebensmittel deutlich besser ab als konventionelle. So heißt es in der BgVV-Studie: „Konventionell angebautes bzw. mineralisch gedüngtes Gemüse wies in der Regel einen deutlich höheren Nitratgehalt auf als ökologisch erzeugtes.“ Da Bio-Gemüse nicht mit mineralischem Stickstoff gedüngt wird, den die Pflanzen verstärkt aufnehmen und als Nitrat einlagern, ist dies nicht verwunderlich. Allerdings spielen auch hier weitere Faktoren wie Sonneneinstrahlung, Bodenqualität oder Erntezeit eine Rolle, so dass Einzelwerte durchaus schwanken können. Produkte aus ökologischem Anbau enthielten der BgVV-Studie zu Folge „tendenziell geringere Mengen an Rückständen zugelassener Pflanzenschutzmittel; allerdings lagen auch die Werte bei konventionell angebauten Produkten fast ausschließlich unterhalb der gesetzlich festgesetzten Höchstmengen.“ Im Durchschnitt werden die festgelegten Grenzen von drei bis vier Prozent der untersuchten konventionellen Proben überschritten. Bei rotem Paprika sind es EU-weit sogar 20 Prozent. Die Einhaltung der Höchstmengen ist für gesundheitsbewusste Verbraucher jedoch nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal (siehe Kasten).

Geschmackssache. Vielleicht liegt es an den fehlenden Pestiziden, vielleicht einfach am Geschmack: Wenn Tiere sich ihr Futter aussuchen dürfen, knabbern sie lieber an Bio-Karotten. 81:19 lautete das Ergebnis bei Futterwahltests mit Ratten im Ludwig-Boltzmann-Institut für biologischen Landbau in Wien. Bei Äpfeln, Weizen und Roten Rüben war das Verhältnis nicht so ausgeprägt, doch auch hier lagen die Bio-Produkte vorn. Kaninchen und Hühner haben ebenfalls einen Hang zu Bio. Werden die Tiere ausschließlich mit Bio-Futter ernährt, zeigte sich in Studien, dass die Fruchtbarkeit zu- und die Sterblichkeit bei den Neugeborenen abnimmt.

Licht durch Vitalität. Ein Grund für diese Ergebnisse könnte sein, dass Bio-Produkte mehr Lebenskraft ausstrahlen. Das klingt sehr esoterisch, lässt sich aber messen: Lebende Zellen von Pflanzen, Tieren und Menschen produzieren dauernd winzige Mengen Licht. Dem Physiker Fritz-Albert Popp gelang es vor mehr als zwanzig Jahren, dieses Licht zu messen. Er gab den Lichtteilchen den Namen Bio-Photonen. Für Fritz-Albert Popp steuert das ausgesandte Licht die ständige Erneuerung des Organismus. Es habe also wesentliche Bedeutung für die Vitalität und Lebenskraft. Vereinfacht gesagt: Je weniger lebendig eine Probe, desto weniger Licht strahle sie ab. Tatsächlich stellte Popp bei seinen Versuchen fest, dass Lebensmittel unterschiedlich stark strahlten. Auch ändern sich je nach Art von Anbau und Verarbeitung die Fähigkeit, Licht zu speichern oder die Wellenlänge des abgegebenen Lichts. Anhand dieser Unterschiede gelang es Popp, nachzuweisen ob ein Ei aus Freilandhaltung oder der Legebatterie stammt, ob Honig stark erhitzt oder Speiseöl raffiniert wurde. Auch viele andere Verarbeitungsschritte können auf diese Weise dargestellt werden. Bio-Gemüse zeigt bei solchen Versuchen in der Regel ein stärkeres Maß an Vitalität und innerer Ordnung als konventionelle Proben.

Bildschaffende Methoden. Versuche, die Lebenskraft oder Vitalität von Nahrung nachzuweisen, haben in der anthroposophischen Forschung eine lange Tradition. Dabei entwickelten Wissenschaftler in den letzten Jahrzehnten drei Verfahren, die deutliche Bilder von der Lebendigkeit der untersuchten Lebensmittel liefern. Zu diesen so genannten bildschaffenden Methoden gehören die Kupferchloridkristallisation, das Rundfilterchromatogramm und das Steigbild nach Wala. Bei allen drei Verfahren wird aus dem Untersuchungsgut ein wässriger Extrakt hergestellt, der mit unterschiedlichen Metallsalzen reagiert. Dabei entstehen Bilder, die je nach Anbau oder Verarbeitungsgrad der untersuchten Probe deutlich verschieden sind.

Bei der Kupferchloridkristallisation wird der Extrakt mit Kupferchlorid und Wasser vermischt und in eine Schale gegeben. Die Lösung kristallisiert langsam aus und am Boden der Schale entsteht ein typisches Bild. Bei den beiden anderen Methoden wird ein spezielles Chromatographiepapier eingesetzt, das auch in der analytischen Chemie verwendet wird. Als Metallsalze finden das aus der Fotografie bekannte Silbernitrat und beim Wala-Steigbild zusätzlich noch Eisensulfat Verwendung.

In den so entstandenen Bildern drücken sich, der anthroposophischen Philosophie folgend, die dem Lebensmittel innewohnende Lebenskraft und ordnenden Gesetzmäßigkeiten aus. Weil Anbau und Verarbeitung eines Produkts dessen Vitalität und innere Ordnung beeinflussen, unterscheiden sich die Bilder, auch wenn eine chemische Analyse keine Unterschiede zwischen zwei Proben feststellen könnte. Daher gelten die bildschaffenden Methoden als ganzheitliche Verfahren, um die unterschiedliche Vitalqualität einzelner Lebensmittel zu bestimmen. In der Regel werden bei einer Untersuchung alle drei Verfahren parallel eingesetzt. Die Beschreibung und Auswertung solcher Bilder braucht viel Erfahrung. Doch zahlreiche Blindversuche haben gezeigt, dass diese Methoden zuverlässige Ergebnisse liefern. So kann damit etwa die Homogenisierung von Milch nachgewiesen werden oder der Bio-Anbau von Möhren.

Das Forschungsinstitut für Vitalqualität in Frick in der Schweiz stellt fest, dass biologische Convenience-Produkte wie Bratlingsteig oder Pizza bessere Vitalqualitäten aufweisen als vergleichbare konventionelle Produkte. Bei sehr stark verarbeiteten Produkten hilft aber auch der ökologische Anbau nicht mehr. Weißer Bio-Zucker liefert zwar Energie, vermittelt aber keine Lebenskraft mehr. Wie sich die in Bildern darstellbare unterschiedliche Vitalqualität der Nahrung auf die Gesundheit der sie verzehrenden Menschen auswirkt, ist offen. Erste Forschungsarbeiten dazu sind in Arbeit.

Leo Frühschütz


Der Umwelt tut Bio gut

Die intensive konventionelle Landwirtschaft hat ihre Schattenseiten: Im Grundwasser finden sich Nitrat und Pestizide, Antibiotika aus der Massentierhaltung belasten über die Gülle die Böden, die Monokulturen gefährden die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen. Der ökologische Landbau verringert diese Belastungen, weil er auf synthetische Dünger und Pestizide sowie vorbeugenden Antibiotikaeinsatz verzichtet. Durch vielfältige Frucht-folgen und organische Düngung steigt die Bodenfruchtbarkeit. Auf Bio-Äckern und Wiesen fühlen sich deutlich mehr Tier- und Pflanzenarten wohl. Diese positiven Folgen des Bio-Anbaus sind durch zahlreiche Studien belegt.


Schonende Verarbeitung

Hersteller von Bio-Lebensmitteln müssen mit einer stark reduzierten Zahl an Zusatzstoffen auskommen. Konservierungsmittel, künstliche Farb- und Aromastoffe, Geschmacksverstärker, Phosphate und viele andere chemische Helferchen der Lebensmittelindustrie stehen auf dem Index. Verboten sind in den Richtlinien der deutschen Anbauverbände auch einige besonders aggressive Herstellungsverfahren, etwa die Sterilisation von Milch oder das chemische Härten von pflanzlichen Fetten. Mikrowellen, ionisierende Strahlen sowie gentechnisch veränderte Organismen oder damit hergestellte Zutaten sind für Bio-Lebensmittel ebenfalls tabu.


Bedenkliche Mengen

Die in der Rückstands-Höchstmengenverordnung festgelegten Pestizidwerte gelten bei Umwelt- und Verbraucherschützern nicht als Maßstab für gesundheitlich unbedenkliche Lebensmittel. So schreibt das Umweltinstitut München: „Bei der bisherigen Festsetzung der Grenzwerte kann von gesundheitlicher Vorsorge, insbesondere für Schwangere und Kinder, nicht die Rede sein.“ So darf etwa der Wirkstoff Maleinsäurehydrazid in Kartoffeln bei konventionellen Landwirten in einer Konzentration von 50 Milligramm je Kilogramm (mg/kg) vorhanden sein, in anderen Pflanzen dagegen nur mit 1 mg/kg. Die erlaubte Menge des im Erdbeeranbau eingesetzten Fungizids Dichloran wurde im vergangenen Jahr um den Faktor Hundert erhöht, weil das Erdbeerland Italien so hohe Werte zulässt. Nicht berücksichtigt wurde bei der Fest-legung der Werte das mögliche Zusammenwirken der Pestizide untereinander oder mit anderen Inhaltsstoffen. Außen vor bleiben auch viele Abbauprodukte und die mit der herkömmlichen Pestizid-Analytik nicht erfassbaren chemisch in der Pflanze fest gebundenen Wirkstoffe. Letztere können im Magen freigesetzt werden und erhöhen so das Risiko beim Verzehr.

 

 

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