Putzen ohne Risiko
Nicht sauber, sondern rein - wer kennt nicht die Werbeslogans rund um Meister Proper und Co. Für den angeblichen Super-Extra-Glanz zahlen die Verbraucher einen hohen Tribut an Umwelt und Gesundheit. Es geht auch anders, wie der Blick in den Ökoputzschrank zeigt.
Bei Reinheit und Glanz hört der Spaß auf. Im Jahr 2000 brachte die Wirtschaft, nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA), allein 5.600 neue Wasch- und Reinigungsmittel auf den Markt. Damit hat der Verbraucher die Qual der Wahl unter insgesamt 54.000 Wasch- und Reinigungsmitteln, von rund 4.500 Herstellern. Ein großer, ein mächtiger Markt. Wen wundert es, dass jährlich mehr als eine Million Tonnen Wasch- und Reinigungsmittel in deutschen Haushalten verbraucht werden. Darunter 115.000 Tonnen Handgeschirrspülmittel, 78.000 Tonnen Universalreiniger und 29.000 Tonnen Scheuermittel. Neben den Klassikern wie Universalreiniger, Spülmittel und WC-Reiniger stehen mittlerweile viele teure Spezialmittel im Putzschrank. Vom Backofenspray über Fleckentferner bis zum Metallputzmittel.
Wundermittel gibt es nicht. Ein Beispiel: Das Angebot an antibakteriell wirkenden Reinigungsmitteln wird immer größer. Im Juni 2001 gab es im UBA-Melderegister bereits 69 Produkte, die eine Bezeichnung wie antibakteriell im Handelsnamen führten. Ökologisch gesehen ist ihr Einsatz bedenklich, da ein Teil der Wirkstoffe, besonders Phenole und Halogene, bei größerer Konzentration die Arbeit der Bakterien in biologischen Kläranlagen beeinträchtigen. Die Reinigungsleistung der Kläranlagen sinkt, die Schadstoffe gelangen in Flüsse und Seen und gefährden letztlich das Trinkwasser. Besonders schädliche Produkte erkennt man am schwarzen X als Gefahrensymbol für ätzende Stoffe. Eine Analyse des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigte, dass die antibakteriellen Reinigungsprodukte im Haushalt absolut überflüssig sind. Die Reinigung mit Wasser, herkömmlichen Mitteln, die Fett oder Einweiß lösen, sowie kräftiges Scheuern reichen völlig aus.
Zuviel tut selten gut. Auch Stuart Levy, Mikrobiologe an der Bostoner Tufts University of Medicine warnt vor starken antibakteriellen Reinigern. Wer zuviel putzt, kann sein Immunsystem schwächen, meint der Experte. Die antibakteriellen Produkte beseitigen nur die harmlosen Bakterien, zurück bleiben resistente und gefährliche Bakterien, die sich dann auch noch vermehren, erklärt Levy. Durch diese Entwicklung sinke die Wider-standskraft des Menschen gegenüber Krankheiten. Levy spricht sich daher für die Rückkehr zu traditionellen Putzmitteln aus.
Die Öko-Putzkiste. Verbraucherverbände, Umweltberatungen oder Gesundheitsämter raten zu gesundheitlich und ökologisch sinnvollen Putzmitteln. In der Regel reicht, wie der Name es schon sagt, ein Allzweckreiniger auf Seifenbasis für (fast) alle Probleme zwischen Wohnzimmer und Bad. Ergänzt durch ein Hand-spülmittel und etwas Gallseife fertig ist die Öko-Putzkiste. Auch Putzschwämme und -lappen, sowie kräftiges Scheuern ersparen einiges an Chemie.
Egal, welches Mittel benutzt wird, wichtig ist die sparsame Dosierung. Jeder Schuss zuviel ist eine unnötige Umweltbelastung. Ein Beispiel der Umweltberatung München: Wenn jeder Haushalt nur halb so viel Putzmittel verwenden würde wie bisher, hätten die Kläranlagen pro Jahr 300.000 Tonnen Chemikalien weniger zu verkraften. Zusätzlich würde jeder Haushalt circa 18 Euro sparen. Weniger ist mehr, das gilt auch für die Verpackung: Viele Produkte alternativer Hersteller können im Naturkostladen wieder aufgefüllt werden (Auro, Ecover, Klar, Sonett, Sodasan). Andere Hersteller setzen auf das Rücknahme-Prinzip (Weiss Bio-Dienst).
Die universelle Basis: Allzweckreiniger. Mit Allzweckreinigern kann man ganz verschiedene Oberflächen wischen und putzen. Dabei setzen waschaktive Substanzen, die so genannten Tenside, die Oberflächenspannung des Wassers herab, hüllen Schmutzpartikel ein und halten sie in der Waschlauge gelöst. Pro Jahr gelangen allein durch die Haushalte rund 190.000 Tonnen Tenside in das Abwasser.
Reiniger aus dem Naturwarenhandel erzielen dabei genauso gute Leistungen wie konventionelle Mittel bei reduzierter Umweltbelastung. Denn sie erfüllen das Prinzip der biologischen Abbaubarkeit und zwar mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen 90 Prozent. Beispielsweise sind Kern- und Schmierseife sowie Fettalkoholsulfate (FAS) und die modernen Zuckertenside zu 100 Prozent biologisch abbaubar. Und was macht einen guten Bio-Allzweckreiniger noch aus? Zunächst enthält er weder krebserregende Moschus-Duftstoffe noch problematische Farb- oder Konservierungsstoffe. Außerdem müssen seine waschaktiven Substanzen vollständig abbaubar sein. Einen weiteren ökologischen Pluspunkt verdienen Produkte, die zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen produziert werden.
Umdenken angesagt. Leider verliert die klassische Seife, das älteste bekannte Tensid, bei hartem Wasser einen Teil ihrer Waschkraft. Sie flockt aus. Deshalb setzen die meisten Hersteller auf eine Kombination mit anderen rein pflanzlichen Tensiden, beispielsweise Zuckertenside. Immer mehr Anbieter im Naturkosthandel bevorzugen vollständig nachwachsende Rohstoffe, wie Palmöl oder Kokosöl. Erdölkomponenten werden aus ökologischen Gründen abgelehnt (Auro, Sonett, Ecover, Sodasan).
Zum Beispiel setzt Sodasan bei seinen Allzweckreinigern auf rein pflanzliche Kaliseifen, die auf der Basis von Sojaöl und Sonnenblumenöl aus kontrolliert biologischem Anbau hergestellt werden. Weitere Zusatzstoffe sind Pottasche, Alkohol, Glyzerin, Kaliumzitrat, ätherische Öle.
Auch Anbieter, die in den letzten Jahren noch Erdölkomponenten einsetzten, orientieren sich nun um.
Die Firma Dr. Stewner & Co (Klar) etwa, verwendet jetzt ausschließlich Tenside aus nachwachsenden Rohstoffen. Früher wurden geringe Mengen an Erdölkomponenten zugesetzt. Geschäftsführerin Barbara Stewner: Die minimalen Erdölanteile machten die Anwendung des Klar-Reinigers sehr effektiv. So konnte der Gesamt-Tensideinsatz deutlich reduziert werden. Als Reaktion auf den Markt präsentierte die Firma auf der Biofach-Messe im Februar letzten Jahres eine Rezeptur ohne Erdölkomponenten. Barbara Stewner: Selbst wenn wir den Erdölanteil wirklich sehr gering gehalten haben, wollten die Verbraucher tatsächlich nur Reiniger, die frei von Erdöl sind. Wir setzen jetzt Zuckertenside ein. Inhaltsstoffe des Allzweckreinigers auf Wasserbasis: Fettalkoholethersulfate, Zuckertenside, Fettsäuremonoethanolamide, naturidentisches Vanillin.
Auch im Ökoputzschrank steht der Universalreiniger nicht immer allein, sondern wird durch Spülmittel, WC-Reiniger oder Fensterreiniger unterstützt.
Spülmittel. Mit Seife lassen sich Fett und Essensreste nur schlecht per Hand vom Geschirr lösen. Zu leicht bilden sie mit dem Kalk im Wasser Kalkseifen. Es entsteht ein schmieriger Film, der nur mit großer Mühe wieder von Geschirr entfernt werden kann. Früher half man sich mit Soda. Das Salz macht das Wasser weich und zerstört Fett. Leider greift es aber die Haut sehr stark an. Die Geschirrspülmittel aus dem Naturkostladen bauen auf hautfreundliche und ergiebige Rezepturen. In der Regel enthalten sie Fettalkoholsulfate und Zuckertenside, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Auch andere Substanzen wie etwa Betain oder Molke sollen die Hände schonen. Die Faustregel auch für Geschirrspülmittel lautet: Ein Spritzer genügt.
WC-Reiniger. Die gute alte Klobürste und etwas Allzweckreiniger stellen alle zufrieden. Bei hartnäckigen mineralischen Ablagerungen von Kalk und Urinstein hilft ein WC-Reiniger. Konventionelle Produkte arbeiten oft mit ätzender Salzsäure. In den alternativen Produkten findet sich neben Alkoholen, Zuckertensiden und Fettalkoholsulfaten dagegen meist Zitronensäure. Eventuelle Verstopfungen lassen sich ohne Chemie und trotzdem wirkungsvoll mit einer Saugglocke oder Rohrreinigungsspirale beseitigen. Bevor im Rohr nichts mehr läuft, ist es sinnvoll, mit speziellen Abflusssieben Wäscheflusen, Haare und Ähnliches zurückzuhalten.
Fensterreiniger. Die meisten Fensterreiniger enthalten flüchtigen Alkohol. Seine Hauptaufgabe ist die streifenfreie Reinigung der Glasflächen. Manchmal enthalten Fensterreiniger auch flüchtige Säuren wie beispielsweise Essigsäure. Unter Umweltgesichtspunkten sollte auf Salmiakgeist verzichtet werden. Fingerabdrücke lassen sich durch die Seife in einem Allzweckreiniger lösen. Streifenfrei bekommt man die Scheibe vor allem durch die richtige Technik: Zuerst muss die Scheibe komplett mit Wasser benetzt werden. In Schwüngen geht es von der Fensterecke links oben abwärts. Übrigens kommen die gefürchteten Schlieren durch zu viel Reinigungsmittel.
Fazit: Zum Wohl der Umwelt und der eigenen Gesundheit lassen sich viele Verunreinigungen im Haushalt mit Wasser und Muskelkraft beseitigen. Klassiker, wie die gute alte Kern- oder Schmierseife gehören zu den Top-Öko-Putzmitteln. Der Naturkosthandel führt ausschließlich tierversuchsfreie Putzmittel. Diese alternativen Haushaltsreiniger leisten beim Hausputz gute Dienste. Getreu dem Prinzip: Weniger ist mehr...
Katharina Landorff
Kleines Lexikon
Ätherische Öle:
wie Orange oder Eukalyptus, geben den Reinigern einen angenehmen Duft. Orangenöl ist außerdem fettlösend. Bei empfindlichen Personen können auch ätherische Öle in Bio-qualität zum Teil massive Reaktionen hervorrufen. Einige alternative Hersteller bieten daher Reinigungsmittel auch ohne ätherische Öle, also duftstofffrei an.
Alkohol (Ethanol):
Dient zum Einstellen der Viskosität (Zäh-flüssigkeit) eines Produktes. Für technische Zwecke muss Alkohol für den menschliche Genuss unbrauchbar gemacht werden. Konventionell wird Alkohol mit petrochemischen Stoffen vergällt. In alternativen Reinigungsmitteln findet sich Alkohol, der mit Stoffen vergällt wurde, die auch Bestandteile des Produktes sind.
Fettalkoholsulfate (FAS):
Biologisch abbaubare Waschsubstanzen pflanzlichen Ursprungs. Die Herstellung erfolgt in der Regel aus Kokosöl, Palmöl oder ähnlichen Ölen, die zu den entsprechenden Fettalkoholen umgesetzt werden. Durch Behandlung mit Schwefeltrioxid und anschließender Neutralisation entsteht das endgültige Tensid.
Seifen:
Werden Fette und Lauge zusammengeführt, reagieren die organischen Fettsäuren mit der Lauge zu Seife. Viele alternative Anbieter stellen die Seifen in eigenen Anlagen her. So wird die exakte Kontrolle der Zutaten möglich. Seifenprodukte reinigen nur bei weichem Wasser optimal. Hartes Wasser bringt sie zum Ausflocken.
Zuckertenside:
Diese Waschsubstanzen werden aus pflanz-lichen Ölen, wie zum Beispiel Kokosöl und Zucker oder Stärke gewonnen. Sie können zu 100 % biologisch abgebaut werden. Zuckertenside können überall dort eingesetzt werden, wo Seifen als Waschsubstanzen wenig geeignet sind.
Weitere Infos:
- Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)
Markgrafenstr. 66
10969 Berlin
Tel. 030/ 258000
E-Mail info@vzbv.de
- Informationen und Tipps Umweltbundesamt
Postfach 33 00 22
14191 Berlin
Tel. 030/ 8903-0
Internet: www.bundesumweltamt.de - Test und Ratgeber
Sonderhefte Putzmittel, Allzweckreiniger
Ökotest Verlag GmbH
Postfach 900766
60447 Frankfurt
Internet: www.oekotest.de - In der S&K-Buchreihe ist von den Autoren Harry
Assenmacher und Christine Guist das Buch Wasch-
und Putzmittel erschienen (bio verlag, ISBN 3-9806743-2-0).
Es ist in vielen Naturkostläden erhältlich
(empf. Verkaufspreis 2,50 Euro), kann aber
auch bei uns bestellt werden
Tipps für den Alltag
- Die Faustregel für alle Putzmittel lautet: Ein Spritzer genügt!
- Wenn im WC die bewährte Klobürste und etwas Allzweckreiniger versagen sollten, helfen Öko-Reiniger, die Säuren wie etwa Zitronensäure enthalten.
- Fensterreiniger lassen sich problemlos durch Spiritus oder die richtige Putztechnik ersetzen.
- Zum Entkalken von Badezimmerkacheln und WC-Spülbecken eignet sich ein saurer Reiniger (Essig oder Zitronensäure). Wer Essigkonzentrat dafür nehmen will, sollte ihn verdünnen.
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