Hautnah: Körperlotion
Eine Haut wie Samt und Seide wer wünscht sich das nicht? Körperlotionen sollen für das streichelweiche Feeling sorgen. Doch nicht in jeder Mixtur steckt Gutes für die Haut.
Noch hat die Wintersonne keine Kraft. Kälte, Regen und Frost zehren an den Nerven. Warme Vollbäder, heiße Duschen oder trocken-heiße Saunagänge sind jetzt genau das Richtige. Die Haut quittiert solche Verwöhnrituale aber häufig mit einem trockenen, spannenden Gefühl. Der angegriffene Säureschutzmantel regeneriert sich zwar nach einer Weile von selbst, eine Extra-Portion Pflege mit einer fett- und feuchtigkeitsspendenden Körperlotion kann dabei etwas nachhelfen.
Unter einer Lotion versteht man eine Öl-in-Wasser-Emulsion mit wenig Fett. Sie heißen manchmal auch Körper- oder Pflegemilch. Der Vorteil von Lotionen: Sie lassen sich gut verteilen, ziehen rasch ein und hinterlassen keinen fettigen Film. Der hohe Wasseranteil hat einen kühlenden Effekt, wenn das Wasser auf der Haut verdunstet. Das kann aber auch ein Nachteil sein. Geht dabei nämlich zuviel Feuchtigkeit verloren, erzielt man einen negativen Effekt die Haut trocknet aus. Lotionen sind deshalb für eher fettige und normale Haut gut geeignet. Trockene Haut ist mit Körperölen oder fettreichen Emulsionen vom Typ Wasser-in-Öl besser versorgt.
Das Rezept für eine Emulsion ist im Prinzip ganz einfach: Man nehme Wasser und wenig Fett oder Öl und vermische beide unter kräftigem Rühren. Ein Emulgator sorgt dafür, dass sich die beiden Phasen nicht gleich wieder trennen. In der Kosmetikindustrie übernehmen die Rührarbeit große Maschinen. Sie schlagen die erhitzten Zutaten solange, bis die Masse die gewünschte soft-cremige Konsistenz hat.
Wie gut eine Lotion die Haut pflegt und wie gut sie vertragen wird, hängt von der Qualität der Rohstoffe ab. Teure Nobelmarken aus der Parfümerie schneiden dabei nicht immer gut ab. Zu den kritischen Inhaltsstoffen zählen:
- Formaldehyd beziehungsweise Formaldehydabspalter. Sie werden als Konservierungsstoffe eingesetzt und stehen unter Krebsverdacht. Die Substanzen können Allergien auslösen, auch lässt Formaldehyd die Haut schneller altern. Die Deklaration Enthält Formaldehyd ist nur dann Pflicht, wenn mehr als 0,05 Prozent freies Formaldehyd enthalten sind. Bei Formaldehydabspaltern entfällt die Hinweispflicht.
- Halogenorganische Verbindungen. Die umweltschädigenden Konservierungsmittel können Allergien auslösen und stehen unter Krebsverdacht.
- Polyzyklische Moschus-Verbindungen in künstlichen Duftstoffen. Sie können sich im menschlichen Fettgewebe und der Muttermilch anreichern.
- Hoher Paraffin-/Erdöl- und Silikonanteil. Diese Fette sind billig und deshalb der Ersatz für teure pflanzliche Öle. Die voll synthetischen Fette und Erdölprodukte geben der Haut zunächst ein angenehm geschmeidiges Gefühl, legen sich aber wie ein Film über die Haut und können ihre Atmung behindern.
- Polyethylenglykol (PEG) oder PEG-Derivate als Emulgatoren. In der Medizin nutzt man diese Substanzen gezielt, um Wirkstoffe in die Haut zu bringen. Sie können auch unerwünschte Stoffe wie beispielsweise Konservierungsmittel durch die Hautbarriere schleusen.
- Lichtschutzfilter, die im Tierversuch hormonell wirken, gelangen über die Haut in den Organismus und können in der Muttermilch nachgewiesen werden. Über ihre Wirkungen weiß man noch wenig.
In Naturkosmetik-Lotionen haben all diese Substanzen nichts zu suchen. Der Begriff ist jedoch gesetzlich nicht geschützt. Was natürlich ist und was nicht, bestimmt der Hersteller. Selbst Präparate, die nur einen einzigen pflanzlichen Extrakt enthalten, dürfen mit der Natur werben.
Naturkosmetik hat ein Siegel. Einheitliche Standards für Naturkosmetik hat der Bundesverband Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren und Körperpflegemittel (BDIH) festgelegt. Die Einhaltung des Richtlinienkatalogs überwacht ein unabhängiges Kontrollinstitut. Nur wenn das Produkt alle Kriterien erfüllt, darf es sich mit dem runden Label Kontrollierte Naturkosmetik BDIH schmücken. Bislang lassen 19 Naturkosmetikhersteller ihre Waren prüfen. Ihre Marken sind insbesondere im Naturwarenhandel vertreten. Die meisten dieser Firmen produzieren schon lange nach den jetzt formulierten Kriterien, einige legen die Messlatte sogar noch höher und gehen über die vom BDIH formulierten Mindestanforderungen hinaus. Diese schreiben unter anderem einen Verzicht auf hautreizende, allergisierende Inhaltsstoffe wie synthetische Farb- und Duftstoffe, Rohstoffe vom toten Tier und gentechnisch veränderte Bestandteile vor. Positivlisten regeln den Einsatz von kritischen Zusatzstoffen wie Konservierungsmitteln und Emulgatoren.
Keine synthetische Konservierung. Konservierungsstoffe schützen vor dem Verderb der empfindlichen Rohstoffe. Weil die Softies viel Wasser enthalten, können sich in ihnen unerwünschte Keime besonders gut vermehren. Übrigens ist oftmals nicht nur Leitungswasser die Basis der Naturkosmetik-Lotionen. Wässrig-alkoholische Destillate aus Hamamelis, Ringelblumen, Kamille oder Quittensamen, Orangenblütenwasser, Mimosenblüten und -blätterextrakte enthalten Wirkstoffe aus Blüten und Blättern. Die eingefangenen Pflanzenkräfte können sich auf der Haut entfalten.
Ständige Kontrollen der Keimzahlen in den wässrigen Rohstoffen und äußerste Hygiene bei jedem Produktionsschritt sollen die einwandfreie Qualität der empfindlichen Produkte garantieren. Das ist mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden, so müssen etwa die Maschinen nach jedem Produktionsschritt stundenlang sorgfältig desinfiziert und gereinigt werden. Doch selbst peinliche Sauberkeit schützt nicht ausreichend genug. Um eine gewisse Konservierung der Lotionen kommt man deshalb auch bei Naturkosmetik kaum herum. Der BDIH erlaubt neben natürlichen Konservierungssystemen auch naturidentische Benzoesäure, Salicylsäure, Sorbinsäure oder Benzylalkohol. Vitamin E und ätherische Öle haben von Natur aus konservierende Eigenschaften und werden deshalb gerne eingesetzt. Die ätherischen Pflanzenaromen beduften dabei gleichzeitig die Lotion. Speziell für Allergiker gibt es aber auch neutrale Lotionen frei von ätherischen Ölen, Blütenessenzen und Pflanzendestillaten.
Stabil durch Emulgatoren. Emulgatoren kommen in Lotionen auf einen Anteil von fünf bis zehn Prozent. Vereinfacht ausgedrückt sind es Moleküle, die Andockstellen für Wasser- und Fettmoleküle haben. Es gibt ganz verschiedene Emulgatoren, zum Teil sorgen gleich mehrere in einer Lotion für die gewünschte Stabilität. PEG oder PEG-Derivate sind in Naturkosmetik verboten. Hinein dürfen nur aus natürlichen Rohstoffen wie Fetten, Ölen oder Wachsen gewonnene Substanzen. Ein beliebter Emulgator ist beispielsweise Lecithin aus der Sojabohne.
Wertvolle Zutaten. Zu den teuersten Zutaten der Naturkosmetik-Lotionen zählen die hochwertigen Pflanzenöle, Fette und Wachse. Sie kommen überwiegend aus kontrolliert-biologischem Anbau oder kontrolliertem Wildwuchs. Öle aus Mandeln, Olive, Aprikose, Avocado, Sesam oder der Jojobapflanze dringen in die Haut ein, wirken rückfettend, glättend und nährend, ohne dabei die Hautatmung zu behindern. Je nach Pflanze werden ihnen besondere Eigenschaften zugeschrieben. So soll Rosenöl den Organismus wärmen, die Haut regenerieren und beruhigend wirken, Macadamianussöl die Elastizität der Haut verbessern und Jojobaöl soll sie samtig weich machen. Bienenwachs und Kokosfett pflegen die Haut ebenfalls und geben der Lotion außerdem eine etwas festere Konsistenz.
Weil eine gute Lotion auch Feuchtigkeit spenden soll, ergänzen Naturkosmetik-Hersteller ihre Rezepturen mit Pflanzensäften und feuchtigkeitsbewahrenden Ölen wie Aloe Vera-Extrakt oder -Saft sowie Shea- und Kakaobutter. Isolierte Pflanzensubstanzen wie Glycerin, Sorbit sowie Sterole erfüllen die gleiche Aufgabe. Nicht hinein dürfen Fette vom toten Tier, tierisches Kollagen und Frischzellen.
Astrid Wahrenberg
Hinweise im Kleingedruckten
Ihre Lotion trägt kein Naturkosmetik-Label und Sie möchten wissen, was drin steckt? Dann lohnt sich der Blick aufs Etikett. Die INCI-Liste, übersetzt bedeutet das International Nomenclature Cosmetic Ingredients ist seit 1999 für alle Kosmetik-Hersteller ein Muss. Die europaweit gültige Deklarationsform für kosmetische Produkte listet die Inhaltsstoffe in absteigender Reihenfolge, das heißt die mengenmäßig größten Bestandteile kommen zuerst. Das Fachchinesisch mit botanischen und chemischen Bezeichnungen macht es wissbegierigen Kunden jedoch schwer, da blicken höchstens Chemiker durch. Naturkosmetik-Firmen im Naturwarenhandel drucken deshalb die deutsche Übersetzung auf die Verpackung.
Tipp: Wer PEGs und PEG-Derivate, Formaldehydabspalter und halogenorganische Verbindungen enttarnen will, kann sich auf der CD-ROM von Öko-Test informieren. Dort sind mehr als 6.000 Kosmetik-zutaten gelistet und gut verständlich erklärt. Die CD kostet 7,57 Euro.
Wer ganz auf Emulgatoren verzichten möchte, kann seine Haut mit Körperölen pflegen und massieren. Unter www.naturkost.de/schrotundkorn/sk971009.htm erfahren Sie, mit welchen Produkten aus dem Bioladen Sie sich verwöhnen können.
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