Naturkost in Kiel
Ganz persönliche Läden
Beim Besuch von zehn Naturkostgeschäften in Kiel haben wir festgestellt: Jede Inhaberin, jeder Inhaber vertritt eine ganz persönliche Geschäftsidee. Eines liegt allen am Herzen: das Wohlbefinden ihrer Kunden. // Text und Fotos: Karin Heinze
Naturkost ist präsent in der Hauptstadt Schleswig-Holsteins. An der Eisenbahnbrücke ein Riesenschild des 1000-Körner-Marktes: „Besser iss das!“ Unter dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“ macht das Unternehmen auf Naturkost aufmerksam. Unübersehbar ist auch das bunte, handgemalte Schild der Brennessel – Natürlich Einkaufen an der großen Kreuzung in Schilksee.
Mit offenen Karten ...
möchte
Sabine Kollmann spielen. „Darum kommen die Kunden”, sagt
die Marktleiterin, die zusammen mit drei weiteren Frauen Nachbars Garten
führt. Als Beispiel führt sie die BSE-Krise an. „Wir
haben viel mit den Leuten diskutiert und Zusatzinformationen bei Herstellern
eingeholt, um ihnen ihre Unsicherheit zu nehmen. Als Nitrofen kam, spürten
wir ein richtiges Solidaritätsgefühl.“ Hintergrundarbeit
gehöre notwendigerweise dazu, wenn man einen Naturkostladen führe.
„Hier kann ich meine Überzeugungen in die tägliche Arbeit
einbauen.“ Während sie zum Bergkäse greift, meint eine
Kundin überzeugt: „Es schmeckt einfach anders. Konservierungsstoffe
müssen doch nicht sein.“
Sieben Mal die Woche ...
verheißt
das Laden-Design vom Brotgarten frische Bio-Brötchen. Inhaberin
Patricia Pitzschel leistet einen Beitrag, damit die „Brotesser-Nation
Nummer 1“ gesunde Back-waren auf den Tisch bekommt. Vor zwanzig
Jahren, nach Einblick in konventionelle Backstuben, gründete die
Bäckermeisterin eine Bio-Bäckerei: „Öko-Landbau
ist Umweltschutz und Gesundheitsvorsorge.“ Dabei ist sie offen
für Trends: „Wir haben bewusst Weißmehlprodukte in
unser Sortiment aufgenommen und die Brötchen backen wir rund um
die Uhr.“
Mit Auswahl trumpft ...
der
1000-Körner-Markt auf. Rund 10.000 Artikel auf über 600 Quadratmetern
und 60 Parkplätze vor der Tür versprechen einen bequemen One-Stop-Einkauf.
Für Dieter Dreher, Gründer und Motor des Unternehmens, werden
Visionen Realität: Zum Gelände der ehemaligen Käsefabrik,
die den Naturkostmarkt beherbergt, kommen nun weitere 300 Quadratmeter
Verkaufsfläche dazu. Sein Ziel ist, „dem Verbraucher die
ganze Palette naturköstlichen Angebots schön übersichtlich
zu präsentieren.“ Er plant, die restlichen Gebäude für
„grüne“ Dienstleistungen zu nutzen und sucht Partner-Firmen
im Bereich Wellness und Baubiologie. In der Stadt sind zwei weitere
1000-Körner-Filialen.
Wie zu Hause ...
fühlt
sich Maureen Löchel in ihrem Laden, wo sie schließlich den
ganzen Tag verbringt. Durch den Wintergarten von Naturkost Sonne betritt
man den wohnlichen Laden, wo Einrichtung und Kaufmannswaage für
eine nostalgische Atmosphäre sorgen. „Meine Kunden finden
es toll, weil es solche Läden kaum mehr gibt, - so einen Tante-Emma-Nachfolger.“
Schon vor der Selbstständigkeit war die Kauffrau überzeugte
Bio-Konsumentin: „Ich habe alle Produkte selbst ausprobiert, ich
liebe sie“, schwärmt sie. „Außerdem lese ich
jeden Schnipsel und sauge Informationen auf, denn die Kunden fühlen
sich aufgehoben, wenn ihre Fragen beantwortet werden.“
Eine nette Entdeckung ...
in
der Ostseestadt ist ein Namensvetter von uns. Den Traditionsladen Schrot&Korn
im Studentenviertel besucht ein bunt gemischtes Publikum. „Bei
euch wird schön viel gelacht“, erklärt eine Stammkundin.
„Wir wollen nicht nur verkaufen, wir wollen Begegnungsort sein“,
so drücken es die Inhaber Michael und Gabriele Niklesz aus. „Nicht
selten habe ich ein Kind auf dem Arm, während die Mutter in Ruhe
einkauft“, das sei doch normal, sagt Frau Niklesz. Im Gespräch
mit den Kunden lässt sich auch erklären, wie wichtig es ist,
dass die Bauern entsprechende Preise für ihre Ware bekommen. Viele
der Lieferanten kennen sie persönlich. Sie sind überzeugt:
„Unsere Ware ist ihren Preis wert.“
Probierhäppchen ...
machen
das Einkaufen in der Kornblume zusätzlich attraktiv. Vor allem
Kinder fliegen auf appetitliche Brotquadrate, Apfelschnitze und Mangostückchen.
Die familiäre Atmosphäre ist ein weiterer Pluspunkt bei Elke
Fahrenkrug, die sich mit ihrem Laden einen Traum erfüllt hat. Seit
elf Jahren betreut sie intensiv Kunden. „Psychologischen Dienst“
nennt sie das scherzhaft. Wenn eine Familie neu nach Wellingdorf auf
der anderen Seite der Kieler Förde, zieht, hat ein Aushang am Laden
schon manchmal zu Kontakten geführt.
Inspirationen und Spezialitäten...
bringt
Hilda Horn von Naturkost Horn von Reisen mit. Auf dem Neuheitentisch
steht gerade Eingemachtes in hübschen Gläsern vom Bioland-Hof.
Neue Ideen schöpft Frau Horn, die ihre Naturkost-Karriere mit Vollwertkochkursen
in der Kindergartenzeit ihrer Kinder begonnen hat, auch aus dem regelmäßigen
Erfahrungsaustausch mit anderen Naturkosthändlern. „Mein
Sortiment ist im Wandel, um den Wünschen der Kunden gerecht zu
werden und ihr Interesse für neue Produkte zu wecken“. Ihr
Motto dabei: „Mit Ernährung lässt sich eine Menge für
die Gesundheit tun.“
Bauernhof- Atmosphäre ...
umgibt
den Naturkostladen Brennessel. Die umgebenden Wiesen und Felder vermitteln
diesen Eindruck ebenso wie das Backstein-Gebäude selber. Doris
Langfeldt setzt das Naturkostsortiment mit frischen Blumen, Tüchern
und Dekoration stimmungsvoll in Szene. „Die Produkte haben Ausstrahlung“,
sagt Mitarbeiterin Rosemarie Zinke. In den großen Supermärkten
stünden die Kunden doch ständig unter Strom. „Hier lässt
es sich in Ruhe einkaufen.“ Wie als Beweis kauft gerade ein junger
Vater Möhren für den Brei der kleinen Tochter. Die schläft
derweil im Kinderwagen vor der Tür in der Sonne. Die Brennessel
ist auch Einkaufsgemeinschaft, das heißt Mitglieder bekommen auf
alle Produkte Prozente.
Die Tür steht offen ...
zum
Laden von Doris Radtke. „Viele kommen und wollen einfach quatschen“,
erzählt die gelernte Heilpraktikerin. Jugendliche zählen auch
zu ihren Kunden. „Die sind durchaus offen für Bio.“
Als Mutter von vier Kindern ist es ihr Anliegen, die junge Generation
für gesunde Ernährung zu begeistern. „Aber man darf
nicht mit der Tür ins Haus fallen“ weiß sie. Der vegetarische
Imbiss, den sie mit einer Ernährungsberaterin eröffnen will,
ist sicher eine viel versprechende Idee dafür.
Vertrauen gewinnen ...
und
gut beraten sind zwei Hauptmotive für die Arbeit von Kohzad Kamrani.
In seinem Laden Naturalsense ist der Ökotrophologe gerade bei Allergikerprodukten
gut sortiert. „Es ist mein Anliegen, Kunden die Unsicherheit gegenüber
Ernährungsproblemen zu nehmen“, betont er. Für alle,
die sich eingehend mit Ernährung beschäftigen wollen, veranstaltet
er auf Anfrage deshalb auch Seminare.
Serie: Naturkost vor Ort
In jeder Stadt hat die Bio-Szene ihr eigenes Gesicht. Nach Münster und Darmstadt (nachzulesen in der Linkliste im Internet unter www.schrot-und-korn.de), stellen wir Ihnen diesmal Läden in Kiel vor.
Naturkost in Kiel ist sehr individuell.
von links: Hilda Horn, Naturkost Horn; Dieter Dreher und Angela Raasch, 1000-Körner-Markt; Naturalsense; Sabine Kollmann, Nachbars Garten; Sigrid Randschao, Brotgarten
Blick in die Läden.
links: Naturkost Sonne; Doris Radke (l.o.);
Elke Fahrenkrug, Kornblume (l.u.);
rechts: Rosemarie Zinke, Brennessel; Schrot&Korn
Laden-Adressen
Kieler Geschäfte:
www.naturkost.de/nkl/14a13.htm
Alle Läden in Deutschland: www.naturkost.de/nkl
| Leserbrief schreiben | Seite empfehlen | |


