Wohlfühlen

Better-Aging statt Anti-Aging

Im besten Alter bleiben

Alter ist auch ein Thema für Junge. Statistisch gesehen werden sie länger leben als die heutige Seniorengeneration. Umso wichtiger ist die Frage: WIE wollen wir alt werden? // Astrid Wahrenberg

Wie alt wir werden, hängt nur zu einem Drittel von den Genen ab: Zwei Drittel beeinflussen die Lebensweise. Was wir wie essen. Wieviel wir uns bewegen. Wie stressig wir leben und wie wir damit umgehen.

Man ist so alt, wie man sich bewegt!

Wer rastet, der rostet. Selbst im Alter lohnt es sich noch, mit einer gesunden Lebensweise zu beginnen, sagt der Gerontologe Professor Kruse von der Universität Heidelberg. Zum Beispiel mit Sport. Eine Studie zeigte, dass untrainierte 60-Jährige nach zwölf Wochen Krafttraining so leistungs-fähig wie eine Vergleichsgruppe untrainierter 40-Jähriger waren.

„Ich sehe keinen Tag jünger aus als ich bin. Alles lässt ein bisschen nach. Mit Staunen sehe ich, wie ich älter werde – mein Gesicht, der Körper. Und ich lasse es zu.“ Wer das sagt? Eine der (immer noch) bestaussehenden Schauspielerinnen im deutschen Fernsehen: Senta Berger. Wie macht die 61-Jährige das bloß? „Kinder, Familie und Beruf – all das ist mir wichtig und nicht ein paar Falten mehr oder weniger“. Also Better-Aging statt Anti-Aging? Gelassen, mit einer positiven Lebenseinstellung älter werden statt täglich um ein faltenfreies Dekolleté zu kämpfen – darin liegt sicherlich eines der Geheimnisse attraktiver Senioren. Quelle dieser Ausstrahlung sind innere Harmonie, eine lebensbejahende Grundstimmung und die Fähigkeit, das Leben auch in schwierigen Situationen letztlich positiv zu nehmen.

Ohne Training lässt die Kraft schon ab Ende 20 nach

Doch was nutzt es, alt wie Methusalem zu werden, wenn Vergesslichkeit, Schwäche und Krankheit drohen? „Dem Altern so lange wie möglich gegensteuern“, raten Altersforscher.

„Wer sich nicht bewegt, wird früher alt“, bestätigt auch Sportwissenschaftler Dr. Dietmar Lüchtenberg von der Universität Konstanz. Ohne Training bilden sich schon ab Ende 20 Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Koordinations- und Gleichgewichtssinn zurück.

Bewegung, damit meinen Mediziner keine körperlichen Höchstleistungen wie Marathonlauf oder Alpinski. Dreimal in der Woche eine halbe Stunde schwimmen, radfahren oder walken – das genügt schon, um die Muskulatur zu stabilisieren, das Blut mit Sauerstoff zu füllen und Glückshormone freizusetzen. Wichtig ist dabei, den Puls nicht zum Rasen zu bringen. Das richtige Tempo hat, wer sich beim Sport noch locker unterhalten kann.

Was für die Muskeln gilt, gilt übrigens auch für die Gehirnzellen. Training hält geistig fit. Durch körperliche Bewegung lässt sich die Gehirnleistung um bis zu 20 Prozent steigern - dank der guten Sauerstoffversorgung. Zusätzlich bringt Gedächtnistraining die Gehirnzellen auf Trab.

„Bewegung hilft auch, mit Stress fertig zu werden“, sagt der Marburger Psychologe Dr. Gerhard Kaluza. Wer sich nicht von Ärger, Wut oder Angst auffressen lässt, sieht entspannter aus. Ob man stressige Situationen bei einem Spaziergang verdaut, autogenes Training oder Yoga praktiziert oder im warmen Wannenbad alles hinter sich lässt, ist den persönlichen Vorlieben überlassen.

Gründe für‘s Altern

Altersforscher schätzen, dass jedes zweite Mädchen, das heute geboren wird, seinen 100. Geburtstag erleben wird. Lässt sich die Lebensspanne immer weiter dehnen? Einige Wissenschaftler halten das für möglich. Man weiß, dass etwa ein Drittel der Lebenszeit von den Genen abhängt, den Rest bestimmt die Lebensweise. Eine entscheidende Rolle im Alterungsprozess spielt oxidativer Stress. Der läuft tagtäglich vielfach in unserem Körper ab: Aggressive Sauerstoffmoleküle (freie Radikale) greifen die Zellen an. Werden die freien Radikale nicht von körpereigenen Abwehrsystemen abgefangen, zerstören oder schädigen sie die Zellen.

Was dagegen tun ...

Als Altersbremse von innen wirken Radikalfänger wie die Vitamine C, E und Betacarotin sowie viele sekundäre Pflanzenstoffe. Sie fangen freie Radikale im Organismus ab, verhindern deren zerstörerische Wirkung an Genen, Eiweißen und Zellmembranen. Vitamin C liefern beispielsweise Zitrusfrüchte, Beeren und Paprika, Vitamin E Pflanzenöle und Nüsse. Betacarotin ist zum Beispiel in Möhren, Aprikosen und Feldsalat enthalten. Und die sekundären Pflanzenstoffe findet man reichlich in Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Getreide.

Mediterrane Kost ist ideal

Um gut mit allen wichtigen Vital- und Nährstoffen versorgt zu sein, braucht niemand Anti-Aging-Pillen zu schlucken. Eine gesunde, ausgewogene Ernährung füllt die Nährstoffspeicher auf. Ideal ist die traditionelle mediterrane Kost, so unverfälscht und ursprünglich, wie sie früher im Süden Europas auf den Tisch kam: Viel frisches Obst und Gemüse, viele pflanzliche und wenig tierische Fette und Öle, viel Fisch, wenig Fleisch und ab und an ein Gläschen Rotwein. Apropos Trinken. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist im Alter besonders wichtig. Insgesamt zwei bis drei Liter Mineralwasser, Saftschorlen, Früchte- oder Kräutertee sollten es täglich mindestens sein, am besten gut über den Tag verteilt.

Und natürlich gibt es auch hier weitergehende Ideen. Eine für jeden ganz einfach zu verwirklichende ist das ...

Dinner-Cancelling

Schlafend jünger werden, das verspricht diese Methode. Sie ist einfach: Ab 17 Uhr wird nichts mehr gegessen. Die Theorie: Während der Nacht schüttet der Körper besonders viele Wachstumshormone sowie Melatonin aus. Melatonin reguliert den Schlaf-Wachrhythmus und hilft dem Körper, sich zu regenerieren. Je weniger Energie nun Magen und Darm für die Verdauung beanspruchen, um so besser können beide Hormone arbeiten. Der Verband unabhängiger Gesundheitsberater (UGB) sagt dazu: Ob diese Hormon-Mengen für messbare Wirkungen ausreichen, lasse sich derzeit nicht abschätzen. Viele Menschen können jedoch nachts besser schlafen, wenn sie abends nichts essen. Andere dagegen haben Hunger und eine unruhige Nacht. Somit muss jeder entscheiden, ob ihm Dinner-Cancelling gut tut.

Was tun bei Falten?

Um die 30 geht es los: Die Haut verliert Spannkraft, wird dünner, Fett und Feuchtigkeit fehlen. Anti-Aging-Cremes sollen hier ausgleichend helfen. Außerdem sollen sie – dank moderner Wirkstoffe – Falten ausbügeln. Experten bezweifeln diese Wirkung jedoch. „Es ist auf jeden Fall eine Wirkung da“, entgegnet Sabine Kästner von Lavera. Die Naturkosmetikfirma hat seit zwei Jahren eine spezielle Anti-Aging-Linie im Programm. „Schon nach wenigen Wochen sieht die Haut einfach straffer, rosiger aus. Kleine Fältchen sind durch die Wirkstoffe aufgepolstert und wirken somit geglättet.“ Sabine Kästner verweist auf Testreihen, in denen der Vorher-/Nachhereffekt millime-tergenau vermessen wurde. Bei Augen-fältchen habe das beauftragte Labor beispielsweise einen Rückgang um bis zu 30 Prozent gemessen. Wegzaubern lassen sich Falten aber nicht. Hört man mit dem Cremen auf, leeren sich nach und nach die Depots in der Haut.

Diskutieren Sie mit!

Wie wirkt eine gesunde Ernährung auf das Aussehen und die Fitness im Alter? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Was halten Sie von diversen „Jungbrunnen“-Angeboten? Über diese und andere Fragen rund ums Älterwerden möchten wir mit Ihnen diskutieren: im Internet unter naturkost.de/fit-ins-alter. Dort haben wir ein Forum eingerichtet, das vom agrarwissenschaftlichen Institut der Universität Göttingen betreut wird.

Buchtipps

  • Mark Benecke: Der Traum vom ewigen Leben. Die Biologie beantwortet das Rätsel des Alterns, Reclam, Leipzig, 2002, 280 Seiten, ISBN 3-379200298, 11,90 Euro
  • Roland Geisselhart, Christiane Hofmann-Burkart: Stress ade. Die besten Entspannungs-techniken, Haufe Sachbuch Verlag, 2002, 128 Seiten, ISBN 3448049646, 6,60 Euro
  • Heike Höfler: Fitnesstraining fürs Gesicht, Trias Verlag, 2002, 144 Seiten, ISBN 3893734511, 12,95 Euro
  • Schönheit Beauty Beauté – Eine Kultur-geschichte (Schönheit im Wandel der Zeit),Schirmer/Mosel, München, 400 Seiten, über 300 farbige Abbildungen, ISBN 3-888149460, 29,80 Euro
  • Sylvia Schneider: Tatort Frau. Der große Hormonschwindel, Ueberreuter Verlag, Wien, 2003, 150 Seiten, ISBN 3-800039168, 17,95 Euro
  • Frank Berchem: Gehirnjogging. So bringen Sie Ihr Gedächnis in Schwung, Goldmann-Verlag, 1998, 221 Seiten, ISBN 3442138426, 7,00 Euro.

Im Internet

Um das Thema Wechseljahre und um den richtigen Sport bei Gelenkproblemen geht es unter


Interview

Künstliche Hormone haben schlimme Nebenwirkungen

Sylvia Schneider ist Chefredakteurin der Zeitschrift „Gesundheit für Frauen“ und Buch-autorin („Tatort Frau“, siehe Buchtipps).

? Welche Hormone gelten denn als Anti-Aging-Mittel?

! Dazu zählt man die beiden weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen, das männliche Testosteron, das so genannte DHEA – eine Art Vorstufe der Geschlechtshormone – das Melatonin aus der Zirbeldrüse und die Wachstumshormone.

? Helfen diese Hormone tatsächlich bei Falten, schlappen Muskeln und einem müden Liebesleben?

! Vermutlich wird es den einen oder anderen Effekt geben. Aber sie bringen, wie sich das gerade bei den Wechseljahrshormonen Östrogen und Gestagen in einer großen Studie herausgestellt hat, schlimme Nebenwirkungen mit sich. Diese erhöhen das Thrombose-, Schlaganfall- und Brustkrebsrisiko erheblich. Die Studie ist übrigens drei Jahre vor ihrem offiziellen Ende wegen der Risiken abgebrochen worden.

? Welche Nebenwirkungen sind darüberhinaus noch bekannt?

! Beim DHEA mehren sich die Studien, die seine Nutzlosigkeit nachweisen. Jedoch kann DHEA offenbar Lungenkrebs auslösen und das Wachstum von Prostatakrebs beschleunigen. Im Tierversuch löste es auch Leberkrebs aus. Bei Melatonin wurde belegt, dass es zu Gefäßverengungen in Herz und Lunge führen kann und die Geschlechtsorgane schrumpfen lässt. Generell ist davon auszugehen, dass jedes künstliche Hormon im Körper Schaden anrichtet.

? Trotzdem hört man nur wenige kritische Stimmen zu diesen Hormonen.

! Klar, weil eine gigantische Industrie dahinter steckt. Viele Ärzte verdienen kräftig mit daran. Deswegen hält sich ihr Aufklärungsbedürfnis auch in Grenzen. Im übrigen sind in Deutschland alle Hormone für die fragwürdige Indikation „Anti-Aging“ nicht zugelassen, manche sind generell verboten. Dennoch wächst die Schar der schwarzen Schafe unter den Ärzten, die ihren Patienten auf irgendwelchen Kanälen diese Mittel besorgen – etwa über das Internet.

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