Interview
Frauen haben mehr Schlafstörungen als Männer
Interview mit Annerose Scheuermann vom Feministischen Frauengesundheitszentrum Berlin.
? Warum sind Frauen häufiger von Schlafstörungen betroffen als Männer?
! Unser Schlaf ist von einer individuellen inneren Uhr gesteuert und die wird hormonell geregelt. Hormonelle Veränderungen jeglicher Art können unseren Schlaf-Wach-Rhythmus stören. Verstärkt treten Schlafstörungen bei Frauen über 40 auf. Im Alter lässt zwar bei beiden Geschlechtern die Schlaftiefe nach, bei den Frauen macht sich dann jedoch die Hormonumstellung der Wechseljahre, verbunden mit Symptomen wie Hitzewallungen, besonders bemerkbar. Während Frauen häufiger unter Einschlaf- und Durchschlafstörungen leiden, sind Männer vermehrt vom Schlaf-Apnoe-Syndrom betroffen, das sind kurzzeitige Atemstillstände während der Nacht.
Frauen tendieren dazu, sich für alles verantwortlich zu fühlen. Das führt zu seelischen Problemen, die den Nachtschlaf stören.
? Also alles Biologie?
! Nein. Das Problem hat auch eine soziale Seite. Frauen sind häufig der Doppelbelastung in Haushalt und Beruf ausgesetzt und können schlechter abschalten. Während Männer Spannungen eher ausagieren, nehmen viele Frauen ihre Probleme mit ins Bett. Schlaf hat wesentlich mit loslassen, entlasten und abgeben können zu tun. Die wirtschaftliche und soziale Situation vieler Frauen, nicht nur der Alleinerziehenden, ist häufig ein wichtiger Faktor für eine dauernde innere Anspannung. Dasselbe betrifft die alleinige Zuständigkeit für Kinder und Haushalt. Während viele Männer nachts durchschlafen, wird der Schlafrhythmus der Frau durch die Bedürfnisse ihrer Kinder unterbrochen. Häufig neigen Frauen auch vermehrt dazu, sich für Probleme verantwortlich zu machen. In den kurzen nächtlichen Wachphasen, die jeder im Schlaf hat, setzt häufig unmittelbar der Ärger über sich selbst ein – und über die Unfähigkeit weiterzuschlafen. Das verschärft also das Problem noch.
? Wie gehen die Ärzte mit frauenspezifischen Schlafstörungen um?
! In der Forschung wurde das Thema spezifisch weiblicher Schlafprobleme lange Zeit vernachlässigt. Viele Ärzte nehmen auch die Beschwerden von Frauen über schlechten Schlaf nicht besonders ernst. Wahrscheinlich wirkt da noch das alte Rollenbild nach, dass Frauen häufiger klagen würden. Entsprechend verschreiben die Ärzte meist nur Beruhigungs- oder Schlafmittel. Bei den Männern wurde eine Schlafstörung viel häufiger als schwerwiegende Beeinträchtigung gesehen, da betrieb man Ursachenforschung. Übrigens: Chemische Schlafmittel können die Ursache einer Schlafstörung nicht beheben.
Gesundheitsinfos für Frauen
In Deutschland gibt es zahlreiche Zentren, die Frauen gezielt in Gesundheitsfragen beraten. Eines davon ist das Feministische Frauen Gesundheits Zentrum e. V. (FFGZ) in Berlin. Es gibt mit Clio die einzige Zeitschrift für Frauengesundheit heraus und hat unter anderem die Info-Mappe „Wege zum erholsamen Schlaf“ zusammengestellt. Sie kann für vier Euro plus Versandkosten bezogen werden bei: FFGZ, Bamberger Str. 51, 10777 Berlin, Telefon 0 30 / 213 95 97, Fax 0 30 / 214 19 27, E-mail ffgzberlin@snafu.de, www.ffgz.de. Weitere Informationen zum Thema unter www.imagination-visualisierung.de
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