begegnen

interview

Diva oder Yoga?

„Deutschland sucht den Superstar“ war ein Spektakel. -Wir -hatten Gelegenheit, einem der „Superstars“ zu begegnen und fanden mehr Substanz als manche Medien wahrhaben wollen, gerade auch beim -Thema -Essen: Juliette Schoppmann. // Das Gespräch führten Martin Fütterer und Guido Barth

? Was ist für dich ein Superstar?

! Jemand, der durch Höhen und Tiefen geht, sich durch Kontinuität und Qualität auszeichnet. Superstars sind für mich Leute wie die Rolling Stones, die über Jahrzehnte im Geschäft bleiben. Im Zusammenhang mit meiner Person benutze ich dieses Wort nie.


„Ich esse nichts, was Augen hat“, sagt die überzeugte Vegetarierin.

? Wie sieht dein Weg aus, nach diesem ganzen Medienrummel um „Deutschland sucht den Superstar“?

! Ich mache meine Musik und bin glücklich, etwas zu tun, hinter dem ich stehen kann. Ich habe mich in den letzten Wochen und Monaten auf das neue Album konzentriert, auf den kreativen Prozess. Das gibt mir Kraft, diesen öffentlichen Rummel zu bestehen.

? Deine Karriere begann in jungen Jahren. Welche Höhen und Tiefen hast du erlebt?

! Ich habe in den 13 Jahren viele Krisen durchgemacht – künstlerische, persönliche, finanzielle. Mir ist einigermaßen klar, dass es nicht immer aufwärts geht.

? Die Presse, vor allem die Boulevard-Fraktion, ist recht ruppig mit dir umgegangen. Wie kommst du damit zurecht?

! Das sind Dinge, die für mich persönlich sehr schwierig sind. Auf diese emotionale Belastung bin ich nicht vorbereitet gewesen, das ging ja von Null auf Hundert. Ich hatte nie die Zeit, an meiner emotionalen Belastbarkeit zu arbeiten, schon als Kind ging es für mich um Leistung. Plötzlich bist du interessant für die Medien und ganz toll. Und dann heißt es, wir machen sie fertig. Es wird das Privatleben breitgetreten, Dinge werden aufgebauscht. Wenn ich heute eine Kamera auf mich gerichtet sehe, erwarte ich nichts Gutes.

? Was tust du, um Abstand zu gewinnen?

! Für mich sehr wichtig ist der Halt in der Familie, sind Freunde, die mich als Mensch kennen und nicht als fiktive Fernsehperson. Außerdem hilft mir mein Yoga, bewusster zu leben und Distanz zu bekommen. Ich mache die Übungen mit einer sehr guten Freundin, die auch meine Personal-Trainerin ist. Gerade in Phasen extremer Belastung brauchen wir richtig viel Yoga. Entscheidend ist außerdem die Ernährung.

? Viele Menschen essen hektisch, wenn sie stark unter Stress stehen.

! Genau, das ist die Gefahr. Gerade, wenn man sich so ausgelaugt fühlt, greift man schnell zu Sachen, die einen noch ungesünder machen. Du musst lernen, dich zu schützen. Ich weiß, ich tue mir was Gutes mit einer bestimmten Art, wie ich esse. Dann zelebriere ich das Essen. Wenn du es selbst zubereitest und dich schon darauf freust, nimmst du es ganz anders auf.

? Wie gelingt es dir, das in deinem stressigen Alltag überhaupt umzusetzen?

! Das hat etwas mit Erziehung zu tun. Was die Küche betrifft, bin ich französisch groß geworden, meine Mutter ist Französin und ich habe als Kind mehr Zeit in Frankreich verbracht als in Deutschland. Wir kauften fast alles auf dem Markt ein, ganz frisch, viel Gemüse.

? Welche Lebensmittel tun besonders gut?

! Stilles Wasser ist wichtig. Kräutertees tun immer gut. Es ist komisch, je mehr ich mich bewusst ernähre, desto mehr merke ich auch, was mit mir passiert. Manchmal brauche ich einfach einen Milchkaffee und trotzdem spüre ich unmittelbar, wie der Kaffee mir Flüssigkeit entzieht, mich dehydriert. Ein anderes Beispiel: Wenn ich am Morgen total verquollen bin, weiß ich, die drei Packungen Schoko-Crossies gestern Nacht waren vielleicht doch nicht so gut.

? Welche Rolle spielt für dich, wo die Lebensmittel herkommen?

! Je mehr man auf die Ernährung achtet, desto mehr schmeckt man die Unterschiede. Holland erkenne ich sofort: Wasser, Wasser, Wasser. Aber ich brauche diesen Geruch, diesen Geschmack, und deshalb genieße ich zum Beispiel diese spanischen Strauchtomaten, die du mit allen Sinnen erleben kannst.

? Wie wichtig ist dir der Unterschied zwischen „Bio“ und „Konventionell“?

! Ich kaufe gerne Brot im Bioladen, außerdem vegetarische Aufstriche und alles Mögliche andere. Das sind Lebensmittel, für die ich gezielt dorthin gehe, weil die mir einfach schmecken. Es gibt aber auch gutes Gemüse beim Türken. Man hat ja so seine Vorlieben und weiß, wer bei welchen Produkten das Beste bietet.

? Du lebst seit einigen Jahren vegetarisch. Wie kam es dazu?

! Mein Körper hat mir schon sehr früh gesagt: Rotes Fleisch brauchst du nicht. Ich habe eigentlich immer nur Geflügel oder Fisch gegessen und das eher selten. Dann kam der Tag, als ich im Fernsehen eine Reportage über Tierhaltung sah. Da war es vorbei. Ich wollte einfach diese Schlachterei nicht mehr fördern. Diese Bilder, dass ein Huhn mit abgetrenntem Kopf noch weiterläuft, gingen mir nicht aus dem Kopf.

? Wie engagierst du dich?

! Indem ich meine Popularität nutze. Komischerweise interessiert sich jetzt jeder für meine Meinung. Ich dräng’ mich nicht auf, aber wenn man mich fragt, äußere ich mich gerne. Zum Beispiel finde ich den Spruch von Paul McCartney gut: Ich esse nichts, was Augen hat.

? Würdest du auch bei Kampagnen -mitmachen?

! Ich bin sehr interessiert, an einer Aktion mit der Tierschutzorganisation PETA teilzunehmen, zum Thema Tierversuche. Das ist etwas derart Unnützes, da muss ich mich einfach engagieren. Oder nimm’ das Thema Pelzmäntel. Es gibt unechte Pelze, die sind wunderschön, viel pflegeleichter, viel toller. Warum muss man Tiere häuten? Das ist doch krank.

? Was ist dir wichtig im Leben?

! Wichtig ist mir meine Balance. Ich brauche einerseits einen starken Halt von Familie und Freunden. Aber ich brauche auch meinen Druck und meine Arbeit. Ohne mich selbst zu fordern, kann ich nicht leben. Ich bin wirklich extrem, wenn ich arbeite. Das muss alles auf den Punkt gebracht werden – und nicht einen Millimeter daneben. Ich brauche es, mich selbst zu treten, bis ich sage: Wow, das ist es.

? Was kommt nach deinem neuen Album?

! Sicherlich noch eine weitere Single und auf jeden Fall viele Auftritte. Ich freue mich darauf, Konzerte zu geben. Die Band, mit der ich bisher immer aufgetreten bin, ist der Hammer. Es ist toll, wenn man sich richtig austoben kann und jeder Raum hat, sich zu zeigen.

? Wann geht es los?

! Entweder Ende diesen Jahres oder -Anfang nächsten Jahres.

Zu anspruchsvoll für Dieter Bohlen

Die Wahl-Hamburgerin Juliette Schoppmann steht seit ihrem zehnten Lebensjahr auf der Bühne. Sie absolvierte eine sechsjährige Ausbildung zur klassischen Tänzerin im Hamburger Ballettzentrum von John Neumeier. Im Anschluss kam das Fach Musical an der Stella R1 Academy hinzu.

Nach der Publikumswahl zur Zweitplatzierten bei „Deutschland sucht den Superstar“ beendet Juliette die Vermarktung durch Dieter Bohlen und bringt mit „Calling you“ einen alten Klassiker als Single, der zwar „nur“ auf Platz 10 der Charts kommt aber dafür auch in zehn Jahren noch Gänsehaut er-zeugen wird. Als Pop-Sternchen hat sich Juliette damit dis-qualifiziert – viel zu anspruchsvoll. Auf das Album, das dieser Tage heraus kommt, dürfen Liebhaber ausdrucksstarken Gesangs gespannt sein.

Weitere Infos

Unter www.juliette-schoppmann.de finden Sie Musik, Videos, News und die aktuellen Tourdaten.

 

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