BioLandbau: Tummelplatz für Tiere
Es lebe die Feldlerche!
Viele Studien und praktische Beispiele zeigen es: Auf Bio-Bauern-höfen tummeln sich mehr Tier- und Pflanzenarten als in der konventionellen Landwirtschaft. // Leo Frühschütz
„Einen ökologisch bewirtschafteten Acker erkenne ich gleich“, sagt Hermann Hötker. „Da fliegen viel mehr Vögel drüber, Feldlerchen zum Beispiel, und bei schönem Wetter Schwalben.“ Hötker ist Leiter des Instituts für Vogelschutz beim Naturschutzbund Deutschland (NABU). Für ihn ist klar: „Der Verzicht auf Pestizide und Kunstdünger erhöht das Nahrungsangebot für die Vögel.“
Dasselbe zeigt eine Untersuchung von Lukas Pfiffner. Der Leiter der Fachgruppe Biodiversität am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) im schweizerischen Frick hat 44 Studien ausgewertet, in denen das Bodenleben auf konventionell und ökologisch bewirtschafteten Flächen verglichen wurde. Egal ob Regenwürmer, Laufkäfer, Spinnen oder Tausendfüßler: Fast immer fanden die Forscher auf den Bio-Flächen mehr Arten und davon auch mehr Einzeltiere.
Sechsmal mehr Ackerwildkräuter
Auch die Pflanzenwelt profitiert: Auf einem Öko-Acker oder einer Öko-Weide wachsen mehr Arten als auf konventionell bewirtschafteten Flächen: Weil Beikräuter nicht mit Herbiziden tot gespritzt werden und der Boden nicht überdüngt ist. Bis zu sechsmal mehr verschiedene Ackerwildkräuter auf Öko-Flächen zählten die Biologen in vergleichenden Untersuchungen. Viele dieser „Un“-Kräuter wie das Adonisröschen, der Acker-Rittersporn oder der Lämmersalat gehören inzwischen zu den gefährdeten Arten.
Die pflanzliche Vielfalt hat Folgen für die Tierwelt. Sie verbessert durch ihre Blüten das Nahrungsangebot für Insekten. Die Samen bereichern den Speiseplan der Vögel. Dass Bio-Bauern vielfältige Fruchtfolgen einhalten, kommt den Tieren ebenfalls zugute. Hermann Hötker: „Von Winterweizen alleine kann eine Feldlerche nicht leben.“ Wie sich der reichlich gedeckte Tisch konkret auf die Feldlerche auswirkt, haben Wissenschaftler in einer Studie für den britischen Biolandbau-Verband Soil Association festgehalten. Sie zählten zweieinhalb Mal mehr Feldlerchen auf Bio-Äckern im Vergleich zu konventionellen Nachbarflächen.
Die EU-Öko-Verordnung verlangt vom Bio-Bauern den „Schutz von Nützling-en durch Schaffung günstiger Verhältnisse“. Das Ziel ist klar: Da der Landwirt nicht mit Chemie gegen Blattläuse oder gefräßige Raupen vorgeht, muss er Lebensraum für die Feinde der Schädlinge schaffen. Wie er das im Detail macht, bleibt ihm überlassen.
Rainer Oppermann vom Institut für Landschaftsökologie in Singen hat für eine bundesweite Untersuchung zahlreiche Bio-Höfe besucht und deren Leistungen für den Naturschutz erfasst. „Es wird auf vielen Betrieben etwas für die Artenvielfalt getan“, lautet sein Fazit. Als Beispiele nennt er das Anlegen von Streuobstwiesen, oder das Stehenlassen von Randstreifen bei der Getreideernte, damit viele Vögel und Insekten weiterhin Nahrung und Schutz finden.
Hecken als Schutz für Nützlinge
Sehr häufig werden auch Hecken angelegt, als Lebensraum für Vögel, aber auch als Erosionsschutz und Landschaftselement. „Hecken sind das Augenfälligste“, sagt Rainer Oppermann und lobt die Bio-Bauern gleichzeitig für das, was man nicht auf den ersten Blick sieht: „Viele helfen dem Naturschutz und der Artenvielfalt, indem sie eine extensive Nutzung weiterführen.“ Dadurch, dass sie zum Beispiel den Wiesenstreifen am Waldrand nur zwei Mal im Jahr mähen oder auf eine organische Düngung von Magerrasen-Flächen verzichten.
Thomas van Elsen von der Uni Kassel stößt ins selbe Horn: „Gerade in Regionen mit reich strukturierter Landschaft, wie etwa in Mittelgebirgen, ist es das Wichtigste, die Vielfalt an Lebensräumen zu erhalten. Eine alte Hecke zu pflegen ist arbeitsaufwändiger als eine neue anzulegen.“ Van Elsen hat Bio-Bauern nach Gründen für ihr Engagement im Naturschutz befragt. Ergebnis: Bio-Bauern sind Überzeugungstäter, die nicht aus wirtschaftlichen Gründen auf Öko umgestiegen sind. Trotzdem muss sich das Ganze rechnen, was insbesondere bei den Milchbauern zurzeit nicht der Fall ist. Van Elsen: „Wer vielfältig blühende Wiesen will, muss den Bauern für Bio-Milch mehr zahlen.“
Spenden für 150 Tierrassen
Greenpeace hat den Tierpark Warder in Schleswig Holstein gekauft, ein Zentrum für bedrohte Nutztierrassen – mit 1.000 Tieren aus 150 Rassen. Der einzigartige Tierpark, größter seiner Art in Europa, war in Existenznot geraten. Spendenkonto: Umweltstiftung Greenpeace, Konto 40040000, GLS-Bank, BLZ 43060967. Weitere Infos: Telefon 040-30618-234 (Melanie Stöhr)
Deutlich mehr Leben auf Bio-Äckern
Lukas Pfiffner vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in der Schweiz hat 44 Studien ausgewertet, in denen die Tierwelt auf Öko-Äckern mit denen auf konventionell bewirtschafteten Flächen verglichen wird. Klares Signal dieser Studien: Auf Öko-Äckern leben wesentlich mehr Tiere. Aufgelistet wird hier die Zahl der Studien, nicht die Zahl der Arten oder Tiere.
| Tiergruppe | Zahl der Studien | Studien, die deutlich mehr Tiere auf Bio-Flächen zählen | Keine Unterschiede | Studien, die deutlich mehr Tiere auf konventionellen Flächen zählen |
| Vögel | 5 | 5 | 0 | 0 |
| Regenwürmer | 18 | 17 | 1 | 0 |
| Laufkäfer | 15 | 13 | 2 | 0 |
| Spinnen | 7 | 6 | 1 | 0 |
| Tausendfüssler | 4 | 4 | 0 | 0 |
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