editorial

Genfood stoppen!

Die Gentechnik kommt auf deutsche Äcker. Das ermöglichen die Gesetze, die derzeit beschlossen werden. Anscheinend kann die Freisetzung von gentechnisch manipulierten Pflanzen nicht gesetzlich verhindert werden. Also konzentrieren sich die Gesetze unter anderem darauf, uns Verbrauchern die Wahl zu ermöglichen: durch mehr oder weniger durchgängige Kennzeichnungspflichten.

So können wir bewusst entscheiden, ob sich Gentechnik verbreitet: indem wir kaufen oder nicht kaufen. Wenn wir die Botschaften der Ministerin Künast richtig verstehen, dann hofft sie, dass die Deutschen nicht kaufen – und ausnahmsweise ist Bauernverbandspräsident Sonnleitner mit ihr einer Meinung.

In der Tat: Wir sollten nicht kaufen. Dazu haben wir folgende Möglichkeiten:

Was können wir damit erreichen?

Wir können nicht verhindern, dass ein bestimmter Prozentsatz von Landwirten Gentechnik ausprobiert. Aus wirtschaftlichen Gründen oder aus Überzeugung.

Wir können auch nicht verhindern, dass Pflanzen sich unkontrollierbar ausbreiten. Simulationen lassen erwarten, dass schon bei vergleichsweise wenig Gen-Anbau (zum Beispiel zehn Prozent des Rapses) wenig Flächen übrig bleiben, die völlig frei von gentechnisch manipulierten Pflanzen sind.

Aber wir können erreichen, dass es bei einem Großversuch bleibt und kein Normalzustand eintritt. Wenn nämlich Bauern feststellen, dass Gentech-Lebensmittel praktisch unverkäuflich sind, wird sich der gewerbsmäßige Anbau nicht lange halten. Sogar nach dem Stopp von Gentech-Anbau dauert es noch acht bis 15 Jahre, bis auf dem Acker weniger als 0,9 Prozent gentechnisch veränderte Pflanzen wachsen. Solange darf die Ernte nach dem neuen Gesetz nicht als gentechnik-frei verkauft werden.

Eigentlich ganz schön abschreckend. Als Bauer würde ich mir gut überlegen, ob ich mich auf dieses Risiko einlasse.

Vielleicht bewirkt das Gesetz also doch etwas? Nein, nicht das Gesetz allein – nur wenn wir durch unser Verhalten die Chancen ausnutzen, die das Gesetz bietet:

Kein Genfood kaufen.

Nicht ein Gramm.

Martin Fütterer

 
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