Holz hat viele Vorteile
Ein Haus, das atmet
Holzhäuser versprechen behagliches Wohnklima. Dabei kommt es nicht nur aufs Baumaterial an, sondern auch auf Verarbeitung und Dämmstoffe. Bericht einer Besichtigung. // Leo Frühschütz
Heute
hat Christian Huber ein Stück Wand dabei. Es steht, einen halben
Meter hoch, mitten im Wohnzimmer. Mit seiner Hilfe erklärt der
Berater des Holzhaus-Herstellers Baufritz den Aufbau der Holzwand. Das
Wohnzimmer gehört Michael und Alexandra Rosenwirth, die gerade
das Holzhaus in dem kleinen Ort Pfaffenhofen westlich von München
gebaut haben. Hier drängen sich heute die Interessenten, um sich
aus erster Hand zu informieren. Denn die Rosenwirths haben konkrete
Erfahrungen mit dem, was ihre vielen Besucher noch planen. „Wir
wollten eigentlich schon immer ein Holzhaus haben, vom Wohngefühl
her, der Optik von außen, das gefällt uns einfach“,
erzählt Alexandra Rosenwirth.
Im letzten Sommer stellte die Firma das Haus auf. Die Außenfassade war am ersten Tag komplett fertig, am zweiten Tag kam das Dach drauf. Den gesamten Innenausbau hat die Familie selbst übernommen. Jetzt sind sie fast fertig, in zwei, drei Wochen wollen Rosenwirths mit ihren drei Kindern einziehen.
Wie eine Holzhaus-Wand genau aussieht
Vor allem Paare zwischen 30 und 50 sind gekommen, holen sich Ratschläge für den Innenausbau oder informieren sich ganz allgemein über Holzhäuser. Dann zeigen Christian Huber und seine beiden Kollegen immer wieder auf das Wand-Modell und erklären: Den Kern der 30 Zentimeter starken Wand bilden tragende senkrechte Holzbalken, jeweils im exakten Abstand von 58,5 Zentimetern. Die Zwischenräume sind mit Holzspänen als Dämmmaterial gefüllt, das auf beiden Seiten von dünnen Holzplatten gehalten wird. Daran schließen sich Hohlräume an, die Platz lassen, um Rohre oder Kabel zu verlegen. Die Außenfassade bilden fünf Zentimeter dicke Holzbohlen, nach innen schließt eine Platte aus Naturgips mit Kohlenstoffbestäubung, die vor Elektrosmog schützen soll, das Ganze ab.
„Kann man an einer solchen Wand auch etwas aufhängen“, fragt einer der Besucher. „Bis 40 Kilogramm Belastung pro Haken ist das kein Problem“, erklärt Berater Christian Huber. „Wollen Sie aber zum Beispiel eine Hängematte aufhängen, dann müssen sie direkt einen der Holzständer anbohren. Das ist aber kein Problem, denn deren Lage ist im Bauplan genau eingezeichnet.“
Besucherin Helga Eitzenberger ist von den Holzspänen als Dämmung begeistert. „Mineralfasern trau´ ich nicht.“ Auch wenn es heiße, die seien inzwischen unbedenklich. „Wenn Sie schon Mineralwolle verarbeitet haben, wissen Sie, wie unangenehm sich der Werkstoff anfühlt“, pflichtet ihr Michael Michaelis, ein anderer Besucher, bei. Er kritisiert die geringe Wärmespeicherfähigkeit der Mineralwolle, die eine Art Barackenklima fördere. „Für uns spielen neben den technischen Details auch gesundheitliche Fragen eine wichtige Rolle. Wir haben ein kleines Kind und meine Frau ist von vielen Allergien geplagt.
Kurze Bauzeit und nach- wachsender Rohstoff
Für Siegfried Fiebig-Bartl sprechen das angenehme Wohnklima und die kurze Bauzeit für ein Holzhaus. Vor allem aber will er stärker auf ökologische Belange achten als damals, als er vor rund 20 Jahren sein erstes Haus aus Ziegeln baute. „Wir wollen möglichst nachwachsende Ressourcen nutzen. Außerdem hat Holz gute Isolierwerte, das trägt zum Energiesparen bei.“ Ehrensache, dass diesmal auch Sonnenkollektoren und Photovoltaikanlage aufs Dach kommen und nicht mit Öl sondern mit Holzpellets geheizt wird.
Auch bei Karl Eitzenberger führte das Thema Energiesparen zum Holzhaus: „Uns war relativ schnell klar, dass die klassische Bauweise mit Stein oder Ziegel die Niedrig-energiehausanforderungen nur erfüllen kann, wenn man dicke Mauerstärken nimmt oder von außen ganz viel mit Kunststoff isoliert. Dann verliere ich aber den Vorteil vom Ziegel.“
Massivbau statt Hütte
Der Inbegriff von Holzhaus ist für viele Menschen der Blockbau, gefertigt aus runden oder eckigen Balken, die an den Ecken über Kreuz aufeinander geschichtet werden. Doch mit einer kanadischen Holzfällerhütte haben moderne Massivholzbauten nur noch den Baustoff gemeinsam. Die Balken sind passgenau vorgefertigt, meist besteht eine Wand aus zwei Balkenmauern, mit Dämmstoffen dazwischen. Die Firma Stommel hat eine Methode entwickelt, bei der die Balken nicht waagrecht, sondern senkrecht, wie Palisaden, eingebaut werden. Solche Wände sind tragfähiger und sehen weniger rustikal aus.
Fenster ohne PVC
Wer Holz im Haus eine Chance geben will, kann dies auch im Kleinen tun. Zum Beispiel bei den Fensterrahmen. Nur noch jedes vierte neue Fenster hat einen Holzrahmen. Der Rest ist aus PVC oder Aluminium. Vor 30 Jahren lag der Holzanteil noch bei 60 Prozent. In der Ökobilanz liegt Holz deutlich vor dem Problemkunststoff PVC.
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