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Warenkunde: Bio-Rotwein

Probieren geht über Studieren

Höchste Eisenbahn, um sich mit Freunden bei einer Bio-Weinprobe auf Entdeckungstour zu begeben. Denn die Ökowinzer beherrschen mittlerweile die Kunst, Trauben in hochgeschätzte Spitzenweine zu verwandeln. // Gudrun Ambros

ÖKOWINZER haben im Turbotempo dazugelernt. Nicht nur das Ökosystem Weinberg, Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt sind wichtig. Was genauso zählt, ist die Qualität des gewonnenen Weins. Die Erkenntnis wirkt sich mehr als deutlich aus. Inzwischen werden ganz selbstverständlich im Kleinen Johnson von 2003 französische Ökowinzer mit vier Sternen für „erstklassig“ befunden (Huet-L’Echansonne, Domaine Leroy, Domaine Leflaive, Vign-oble de la Coulée de Serrant). Deutsche Ökoweingüter erhalten drei Sterne für „bekannt“ oder „bekannt und besonders gut“ (Fürstlich Castell’sches Domänenamt, Weingut Freiherr Heyl zu Herrnsheim).

Vielen ist das Reich der Weine und erst recht das der Bioweine noch fremd. Wer Lust hat, in diese Welt einzutauchen, wird nicht gleich mit den hochdekorierten Tropfen anfangen wollen. Vielleicht lieber etwas einfacher, und auch nicht gleich beim Winzer, sondern beispielsweise mit einer kleinen Weinprobe daheim unter Freunden. Puristen stellen professionell eine Reihe Flaschen auf einen weißbetuchten Tisch, dazu Wasser zum Spülen und einen Spucknapf, wenn die Urteilsfähigkeit bis zum letzten Probierwein erhalten bleiben soll.

In geselliger Runde

Angenehmer und entspannter lässt sich Wein bei einem gemeinsamen Essen entdecken. Dafür reicht es, sich erst mal für drei Sorten Rotwein zu entscheiden. Eventuell aus derselben Region. Damit kann man durchaus schon vergleichen.

Von jeder Sorte möglichst gleich zwei Flaschen besorgen: Um bei einer späteren Gelegenheit erneut zu prüfen, ob der fantastische Burgunder oder Rheinhesse sich bewährt.

Bestimmte Grundregeln bei der Weinprobe zu beachten, ist ganz sinnvoll. Also: Kein Parfüm auflegen und aufs Rauchen verzichten. Die Düfte würden das Bouquet des Weines verfälschen. Regel Nummer zwei: Bevor eine neue Sorte getestet wird, sollten Speise- und Weinaromen mit hellem Brot neutralisiert oder mit Wasser aus dem Mund gespült werden.

Zum Wein aus der Region...

Bleibt die Kardinalsfrage: Welches Essen passt zu welchem Wein? Klar gibt es die Möglichkeit, einen Weinführer zurate zu ziehen. Dort sind die schönsten Kombinationen aufgeführt: Zu Weinbergschnecken einen Alsace Riesling, zu Jungtauben mit jungem Gemüse einen roten Bordeaux. Es geht auch einfacher: Zum Wein aus der Region ein Essen aus der Region. Da liegt man meistens nicht falsch. Also zu Pilz-Risotto einen Barbera, zur Ratatouille einen Bordeaux. Etwas Wagnis ist dabei. Passt der erste Wein nicht so wie erwartet, dann ist vielleicht der zweite perfekt.

Den ersten Schluck probiert jeder pur. Dazu noch ein Tipp: Rotweine entwickeln ihr bestes Aroma zwischen 15 und 18 Grad, mögen’s also gar nicht so sehr warm. Bei über 20 Grad verdampft der Alkohol zu schnell. Das verfälscht das Bukett.

So probieren Kenner

Jedem ein drittel Glas eingeschenkt und – erst mal anschauen. Wie ist die Farbe? Granatrot oder ins Violette? Kenner prüfen auch die Klarheit und finden hier Anhaltspunkte für Alter und Qualität des Weins. Jetzt Augen zu und riechen. Dann das Glas schwenken und noch mal riechen. Da ändert sich was. Dann erst sind Zunge und Gaumen dran: Einen Schluck nehmen, vorsichtig Luft dazusaugen, im Mund hin- und herbewegen, mit geschlossenen Lippen ausatmen. Dann erst den Hals hinunter rinnen lassen. Je besser ein Wein ist, desto breiter die Aromenvielfalt und umso länger anhaltend der Nachgeschmack, der Abgang.

Welche Assoziationen weckt der Wein? Beeren, Früchte, Erde, Gras, Leder, Pfeffer – alles ist möglich. Wer den probierten Wein beschreibt, kann sich später leichter an die Buketts erinnern und sie unterscheiden. Und dann bei der nächsten Weinprobe vergleichen und weiter entdecken. Im Laufe der Zeit entwickelt der „Jung-Sommelier“ ein Gefühl für gut ausbalancierte Weine und findet auf diesem Wege sicherlich bald im Naturkostladen den einen oder anderen Lieblingstropfen.

Öko-Weinpfad

Wandern von Bio-Weinkeller zu Bio-Weinkeller – das geht im Markgräfler Land südlich von Freiburg. Der 15 km lange Pfad über ökologische Weinkultur ist zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkundbar. Unterwegs durch die Weinkulturlandschaft wird auf 13 Stationen ökologischer Weinbau anschaulich erklärt. Und natürlich kann der Ökowein auch probiert werden. Wer mehr dazu erfahren und einen Tourenplaner bekommen will, wende sich an den NABU Baden-Württemberg, Telefon 07 11/96 67 20 oder www.NABU-bw.de. Die Adressen der Öko-Winzer aus dem Markgräfler Land gibt es unter www.ecovin.de oder Telefon 0 61 33/16 40.

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