Blumenproduktion
Rosige Geschäfte?
Der Blumenhandel floriert. Rund vier Milliarden Euro gaben die Deutschen 2005 für Schnittblumen aus. Doch woher kommen die Geschenke zum Valentinstag? // Text und Fotos: Patrick Gallitz
Gewächshäuser aus milchigen Plastikfolien beherrschen das Landschaftsbild der Hochebene Cayambe in Ecuador. An der Bushaltestelle von San Pedro wirbt ein mit Rosenmotiven bemaltes Schild für die benachbarte Blumenplantage. Hinter dem Stacheldrahtzaun dröhnen die Lüftungsturbinen.
Die meisten der wartenden Menschen halten sich Taschentücher vor den Mund. „Erst letzten Monat wurden hier fünf bewusstlose Plantagenarbeiter aus dem Gewächshaus getragen und ins Krankenhaus gebracht“, berichtet ein aufgebrachter Passant, während er in ein Taschentuch hustet. „Die Chemikalien machen uns alle krank.“
Pestizidvergiftungen sind ein häufiges Krankheitsbild auf den Blumenplantagen. Überhaupt sind die Arbeitsbedingungen für die meisten Angestellten alles andere als rosig. Die Beschäftigten verfügen nur über unzureichende Schutzkleidung und werden durch kurzfristige Verträge und Niedriglöhne systematisch ausgebeutet.
Sich für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen ist schwierig, denn Gewerkschaften sind in Lateinamerika nur in den wenigsten Branchen geduldet. Wer trotzdem an Arbeitnehmer-Versammlungen teilnimmt, riskiert seinen Arbeitsplatz.
Blumenzucht ist - sowohl in Lateinamerika als auch in Afrika - ein schmutziges Geschäft. Erst seit deutsche Blumenimporteure, Kirchen und Menschenrechts-Organisationen das Flower-Label-Programm (FLP) ins Leben gerufen haben, ist für die Arbeiter Besserung in Sicht.
Das leistet ein FLP-Betrieb
Damit das Gütesiegel FLP vergeben werden kann, muss der Betrieb Löhne in einer Höhe bezahlen, die die Existenz der Arbeiter ermöglichen. Die Firma muss auf Kinderarbeit verzichten, ein hygienisches Arbeitsumfeld garantieren und Gewerkschaften zulassen. Jardines Piaveri, am Fuß des mächtigen Vulkans Cotopaxi, gehört zu den ersten Plantagen in Ecuador, die den Richtlinien des FLP genügen. 135 Mitarbeiter hegen und pflegen unermüdlich ein Meer aus 720000 Rosenstöcken. „Rund eine Million Rosen werden in diesen Tagen allein hier für den Export in die USA und Europa geerntet und verpackt“, erklärt Felix Salcazar, Verwalter der Plantage.
„Unsere Gewächshäuser liegen auf 3000 Metern Höhe. Die intensive äquatoriale Sonne und die über das ganze Jahr fast konstante Tagestemperatur von 23 Grad Celsius sind das Geheimnis dafür, dass wir in so unverwechselbarer Qualität liefern können.“
Bestmögliche klimatische Bedingungen, aber auch billige Arbeitskräfte und geringe Umweltauflagen sind hier ein optimaler Nährboden für die Blumenindustrie. Da lohnt sich sogar der Transport über den Atlantik. In Europa ist die Arbeitskraft vergleichsweise teuer. Zudem müssen Gewächshäuser beheizt werden. Aus diesen Gründen werden mittlerweile über 30 Prozent aller weltweit gehandelten Blumen in Äquatornähe angebaut.
Jardines Piaveri ist es trotz höherer Lohnkosten, Investitionen in medizinische Versorgung und Langzeitarbeitsverträgen gelungen, ihre Rosen auch mit dem Gütesiegel profitabel zu vermarkten. „Wir nutzen ein neues Drainagesystem und verwenden vor allem weniger Pestizide. Dadurch können wir erheblich sparen“, beschreibt Präsident Davalos die finanziellen Wechselwirkungen.
„Das FLP-Siegel ist ein zusätzlicher Verkaufsfaktor“, argumentiert auch Silke Peters vom Flower-Label-Programm in Bonn. „FLP-Blumen“ werden deshalb zunehmend nachgefragt.“ Knapp 900 Läden bieten in Deutschland Schnittblumen mit dem Gütesiegel an, Tendenz steigend. „Jedes Jahr kommen mehr als hundert dazu“, bestätigt Frank Braßel, Vorsitzender der FLP-Initiative in Bonn. Im Jahresdurchschnitt beträgt der Marktanteil der zertifizierten Pracht trotzdem bislang nur etwa drei Prozent.
Am späten Vormittag werden auf Jardines Piaveri Pestizide eingesetzt. Die Angestellten betreten das Gewächshaus in grünen Schutzanzügen aus Plastik. Ein Arbeiter stellt auf einer Scheibe mit zwei roten Zeigern die Uhrzeit ein, ab der das Personal die behandelten Gewächshäuser wieder betreten darf. „Ganz ohne Gift geht es leider nicht. Immerhin erfüllen wir die strengen Wiederbetretungsfristen des FLP, um unsere Arbeiter zu schützen“, erläutert Salcazar. „In vielen Gewächshäusern konventioneller Plantagen arbeiten die Mitarbeiter auch kurz nach dem Pestizideinsatz ohne entsprechende Schutzkleidung.“
Das Gütesiegel garantiert den Arbeitern nachweislich bessereArbeitsbedingungen. Allerdings produzieren immer noch nicht genügend Betriebe nach den Bestimmungen. Laut Silke Peters ist noch viel Öffentlichkeitsarbeit zu leisten.
| Das Flower-Label-Programm Interessenverbände der Blumenindustrie und Menschenrechtsorganisationen entwarfen 1998 Richtlinien für eine soziale und umweltschonende Produktion von Schnittblumen. Unternehmen mit FLP-Zertifikat erkennen diese Standards an und erklären sich zur regelmäßigen unabhängigen Überprüfung ihrer Produktionen bereit.Am FLP beteiligte Institutionen
Das FLP garantiert:
FLP-Blumen erfüllen allerdings nicht die Kriterien des EU-Öko-Standards. |
„Blumen-Siegel“, die auf eine umweltschonende Produktion hinweisen:
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