Warenkunde: Gesichtscreme für reife Haut

Natürliche Entfaltung

Das Leben hinterlässt Spuren im Gesicht, die zeigen wie sich eine Persönlichkeit entfaltet. Können Cremes Falten glätten und der Alterung der Haut entgegen wirken? // Gudrun Ambros

ZARTE LACH- und Sorgenfältchen zeigen sich schon ab dem 25. Lebensjahr. Hautzellen, Talg- und Schweißdrüsen arbeiten langsamer, elastische Fasern leiern aus und die kollagenen Fasern verhärten. Die Haut produziert weniger Fett, verliert Feuchtigkeit und wird dünner. Umwelteinflüsse, Rauchen und verschmutzte Luft beispielsweise, lassen die Haut schneller verwittern. Die Sonne schreibt sich ins Gesicht. UV-B-Strahlen attackieren die Oberhaut, UV-A-Strahlen dringen bis zur Lederhaut vor und zerstören dort das Bindegewebe. Man darf hoffen, dass gepflegte Haut davor besser geschützt ist und sich ihr jugendliches Aussehen länger bewahren kann. Doch Vorsicht! Konventionelle Cremes enthalten oft gesundheitsschädliche Stoffe. Paraffine und Silikone aus Erdöl bilden einen undurchlässigen Film auf der Haut, der den Stoffaustausch behindert.

Naturkosmetik-Cremes „für anspruchsvolle, reife, trockene oder empfindliche Haut“ wollen nicht nur kurzfristig aufpolstern, sondern auch mit natürlichen Wirkstoffen die Hautfunktionen regenerieren: Hyaluronsäure spendet Feuchtigkeit. Quitte, Algenextrakt, Aloe Vera, Vitamin E und das B-Vitamin Panthenol helfen Feuchtigkeit zu speichern, was die Hornschicht glättet. Pflanzliche Fettalkohole schützen vor Feuchtigkeitsverlust. Regenerierend wirken Ginseng, Allantoin aus der Sheabutter, grüner Tee und Algenextrakte, außerdem Rose, Ringelblume, Johanniskraut, Wundklee und das ayurvedische Tigerkraut.

Natürliche Wirkstoffe

Ist die Schutzhülle schon angegriffen, helfen das entzündungshemmende Bisabolol der Kamille oder Coenzym Q 10, eine vitaminähnliche Substanz, die wie die Vitamine A, C und E, Grüner Tee, Traubenkern- und Granatapfelöl als Radikalenfänger der Zellzerstörung entgegenwirkt. Für Granatapfelöl konnte eine antimutagene Wirkung nachgewiesen werden, also Schutz gegen krankhafte Zellveränderung. Vitamin A und Phytohormone aus Soja regen die Kollagenbildung an. Katzenkralle stärkt die Abwehrkraft der Haut.

Die Grundlage naturkosmetischer Cremes bilden pflanzliche Öle, Wachse und Fette. Diese lassen den Feuchtigkeitsaustausch der Haut zu. Sheabutter, Weizenkeim- und Avocadoöl bringen zusätzlich radikalenfangende Vitamine mit. Sanddornöl beruhigt. Mandel-, Traubenkernöl und Sheabutter wirken als natürlicher UV-Schutz, wobei die Haut sich die Fähigkeit erhalten soll, selbst eine Sonnenschutzbarriere aus Melanin aufzubauen. Konventionelle Cremes dagegen sind teils mit synthetischen Filtern ausgestattet, die wie Hormone wirken und die Haut belasten.

Der Alterungsprozess lässt sich zwar nicht aufhalten. Doch selbst die Naturkosmetik-Firmen sichern Erfolge zu im Kampf gegen „vorzeitige Ermüdungserscheinungen der Haut“. Manche gehen sogar so weit, 25 bis 47 Prozent weniger Faltentiefe nach vier bis sechs Wochen zu versprechen und weisen dies durch einschlägige Tests nach. Dass das Leben Spuren auf unseren Gesichtern hinterlässt, ist unvermeidlich. Aber wie tief sie sich eingraben, ist durchaus eine Frage von guter Pflege.

Die Schönmacher der Haut

Viel reines Wasser trinken, für erholsamen Schlaf sorgen, Bewegung an der frischen Luft, ausgewogen essen mit viel frischem Obst und Gemüse, und vor allem: So leben, dass man sich wohlfühlt in seiner Haut.

Kontrollierte Naturkosmetik

Das Zeichen „BDIH - kontrollierte Naturkosmetik“ steht für Kosmetika, die nur aus natür-lichen Stoffen hergestellt wurden. Ausgeschlossen sind synthetische Farb- und Duftstoffe und andere Erdölprodukte. Pflanzliche Rohstoffe sollen aus kontrolliert biologischem Anbau oder Wildsammlung stammen. Tabu sind Rohstoffe von toten Tieren und Tierversuche. Nicht jeder leistet sich das BDIH-Label und manche Firmen haben sich sogar noch strengere Richtlinien auferlegt. So enthält Demeter-Naturkosmetik zu 90 Prozent Demeter-Rohstoffe und wird nach aufwändigen Verfahren produziert.

Interview

"Selbstregulation der Haut respektieren!"

Prof. Dr. med. Matthias Augustin ist Oberarzt an der Uni-Hautklinik in Hamburg-Eppendorf. Zu den Klinik-Schwerpunkten gehört auch die ästhetische Dermatologie.

? In welchen Fällen benötigt das Gesicht Unterstützung durch eine Creme?

! Die gesunde Haut ist in der Regel fähig, sich selbst zu versorgen. Wenn allerdings die Haut besonders strapaziert ist, etwa durch Kälte im Winter, Nässe, trockene Heizungsluft, dann sollte sie behandelt werden.

? Woran merkt man, dass die Haut überstrapaziert ist?

! Wenn schuppige, raue oder rissige Stellen entstanden sind. Das Gesicht ist gerötet. Es juckt oder brennt - beispielsweise nach einem ausgedehnten Spaziergang - und der Zustand bessert sich auch nicht innerhalb weniger Stunden.

? Es soll aber auch den Fall geben, dass zu oft oder zu viel gecremt wird …

! Wenn die Selbstregulationsfähigkeit der Haut zu wenig respektiert wird, kann Überpflege Reizungen oder gar Erkrankungen auslösen. Periorale Dermatitis etwa, zu erkennen an Rötungen, kleinen Knötchen und Pusteln um den Mundbereich oder gar im ganzen Gesicht.

? Was kann man dann tun?

! Die Diagnose sollte durch einen Hautarzt gestellt werden. Ich empfehle in der Regel eine Entzugstherapie: Waschen nur mit Wasser, anschließend keine Salben, keine Cremes, stattdessen zur Linderung Schwarzteeumschläge.

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