Einkauf: Cornflakes
Knusperflocken
Den Erfindern von Birchermüsli und Cornflakes lag die Gesundheit des Menschen am Herzen. Im Industrie-Zeitalter verloren die Lebensmittel mehr und mehr an Qualität. // Susanne Teige
BIO-PRODUKTE kommen dem Ursprungsgedanken wieder näher. Supermarkt-Cornflakes haben die Metamorphose zur Bioflocke verschlafen. Dabei war ihr Erfinder, John Harvey Kellogg, ein wahrer Gesundheitsapostel. Sogar Bircher-Benner, der Ahnvater des Müslis, schickte seinen Sohn zur Weiterbildung über den großen Teich nach Battle Creek am Kalamazoo River. Nicht überliefert ist zwar, ob er als Erster die Flakes nach Europa brachte. Fest steht allerdings, die Knusperflocken erfüllen das millionenfache Bedürfnis nach einem unkomplizierten, schnellen Frühstück. „Lass mich noch ein paar Minuten schlafen“, grummelt der Morgenmuffel in seine Kissen. Die Cornflakes in der Packung nehmen es nicht übel und sind später noch genauso gut.
Die Bio-Flocken sind geschmacklich und farblich ganz nah an ihrem Urahn. Jedoch haben sie zusätzliche Aromen nicht nötig und Gen-Mais, ein sehr amerikanisches Problemkind heutiger Zeit, kommt auch nicht in die Tüte. Bio-Cornflakes werden von unabhängigen Kontrollstellen regelmäßig auf Verunreinigung mit gentechnisch verändertem Mais kontrolliert.
Sanft backen und rösten
Probleme mit Karies gab es jedoch auch schon früher: Wir schreiben das Jahr 1893. Eine alte Lady im Gesundheitszentrum in Battle Creek zerbricht sich ihr künstliches Gebiss am harten Vollkorn-Zwieback. Die Dame verlangt Beißbares. Über Nacht, so die Legende, wurden die Cornflakes erfunden.
Heute sind zwei Herstellungsstandards gängig. Erstens das schonende, beispielsweise bei Barnhouse praktizierte Verfahren: Zerkleinerte Maiskörner mit Wasser kochen, mit Malz und Salz abschmecken, zu Flocken walzen und anschließend leicht backen. Zweitens das praktische Verfahren: Maiskörner zu Mehl vermahlen, mit Wasser mischen und unter Hitze und Druck zu Flakes formen, walzen und rösten. So macht es zum Beispiel Rosengarten. Zungenfeinschmeckkünstler behaupten, einen Unterschied zu schmecken. Für Laien löst er sich in Milch auf.
Vor allem bei gesüßten Cornflakes könnte durch das Rösten Acrylamid zur Gesundheitsfalle werden. Bio-Produzenten setzen daher auf sanftes Bräunen der empfindlichen Knusperflakes und lassen die Werte laufend überprüfen. Ein Signalwert von 200 Mikrogramm pro Kilo wird nach Auskunft von Allos weit unterschritten.
Besser ohne Keimling
Der Siegeszug der Cornflakes begann mit einer Produktionsumstellung. William Keith nutzte die Gunst der Stunde, als sein Bruder abwesend war: Er ließ den schnell ranzig werdenden Keimling entfernen und fügte Zucker zu. Aus dem einstigen Gesundheitsessen wurde das erste Fertig-Frühstück. Den Mais-Keimling weitestgehend zu entfernen, ist auch in der Bio-Branche Standard, da er bitter schmeckt.
Mit oder ohne Zucker - das bleibt dem Kunden überlassen. Lima zum Beispiel bietet urgesunde ungesüßte, die Bohlsener Mühle mild gesüßte Flakes an. Sogar Varianten mit Schokolade wurden gesichtet. Für Gourmets gibt es Flakes mit Nüssen und Honig, zum Beispiel von Davert. Egal, ob süß oder nicht süß, gemeinsam ist allen Bio-Knusperflocken, dass die Zutaten aus kontrolliertem Bio-Anbau stammen - frei von chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln und Kunstdünger.
Jetzt müssen die knusprigen Flakes nur noch sicher eingetütet werden. Martin Evers Naturkost zum Beispiel packt klassisch in die Papiertüte. Andere wie Spielberger setzen auf sichtbare Flakes in Klarsichtfolie. „Jetzt aber raus aus den Federn - Frühstück wartet!“
Wirtschaftsfaktor Futterneid
Kurz nach Beginn der industriellen Produktion geriet ein amerikanischer Cornflakes-Hersteller in einen Lieferengpass. Er startete eine legendäre Anzeigenkampagne: „For thirty days please stop eating toasted corn flakes“ („Bitte essen Sie dreißig Tage lang keine Knusperflocken.“). Doch der Futterneid unter den Konsumenten ließ die Nachfrage geradezu explodieren.
Knusperflocken aus anderem Getreide
In Amerika heißt „corn“ Mais und nur Knusperflocken aus diesem Getreide dürfen sich Cornflakes nennen. Im Bio-Laden hat die erfolgreiche Flocke Vollkorn-Geschwister: zum Beispiel Amaranth, Quinoa, Weizen und Dinkel. Buchweizen-Flakes haben zwar nicht die gewohnt gelbe Farbe, bieten aber Abwechslung und sind ebenso krachkross im Biss. Mais, Amaranth, Quinoa und Buchweizen sind von Natur aus glutenfrei, doch nur wenige Hersteller wie zum Beispiel Werz garantieren Glutenfreiheit.
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