spezial: Bio und Billig? | Zeitgeist wandelt sich
Lebensmittel billiger, mehr Fertigkost
Zwölf Prozent unseres Einkommens geben wir für Nahrungsmittel aus. 1970 lag dieser Wert noch bei 25 Prozent. Damals musste ein Arbeiter 22 Minuten schaffen, um das Geld für 250 Gramm Butter zu verdienen, heute braucht er gerade noch vier Minuten - weil Löhne und Gehälter viel schneller stiegen als die Preise der Lebensmittel und die Verdienste der Bauern. Bei den Landwirten kommen heute von jedem Euro, den wir für Nahrungsmittel ausgeben, noch 24 Cent an.
Aber nicht nur der Preis, auch der Speiseplan hat sich entschieden geändert. Kartoffeln waren noch in den Jahren kurz nach dem Krieg das Grundnahrungsmittel schlechthin.
175 Kilogramm pro Kopf und Jahr aßen die Deutschen davon. In den letzten Jahren waren es nur noch jeweils 75 Kilogramm. Davon müssen die traditionellen Pellkartoffeln noch Anteile an Chips und Pommes abtreten. Obst und Gemüse haben in den letzten 50 Jahren bei den Verbrauchern kontinuierlich an Akzeptanz gewonnen. Brot und Backwaren liegen nach einer Phase des Desinteresses wieder im Trend.
Bequemlichkeit siegt
Sieger auf dem Speiseplan sind jedoch Tiefkühlgerichte und Fertigprodukte. Der Verbrauch an Tiefgefrorenem hat sich in den letzten 30 Jahren verdreifacht. Bei 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen kommt einmal die Woche Pizza und einmal Pommes auf den Tisch. Jedes vierte Kind isst mindestens einmal die Woche einen Hamburger.
Insgesamt gibt es in rund der Hälfte aller deutschen Haushalte mehrmals in der Woche Fertiggerichte. Ideal zum Aufwärmen dafür ist die Mikrowelle, die inzwischen in knapp zwei Dritteln aller Haushalte steht. Ihr Siegeszug macht der traditionellen Küche das Leben schwer. Verlierer sind die Jungen: 80 Prozent der 20- bis 35-Jährigen können nicht mehr richtig kochen.
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