spezial: Bio und Billig? | Hauptsache billig
Preis-Diät mit Nebenwirkungen
Seit Jahren specken Deutschlands Supermärkte und Discounter ihre Preise um die Wette ab. Die Verbraucher steigen darauf ein. Doch der Preisverfall bei Lebensmitteln hat Folgen - für Arbeitsplätze, Qualität …
Wachsen oder Weichen: Die fünf größten Handelskonzerne weisen inzwischen einen Marktanteil von 65 Prozent auf. Vor 20 Jahren lag dieser Wert noch bei einem Viertel. Im gleichen Zeitraum hat sich die Zahl kleiner Märkte und Fachgeschäfte halbiert. Der Trend verstärkt sich noch: Für 2005 rechnet man mit etwa 10.000 Insolvenzen im Lebensmittelhandel, 2002 waren es 7.500.
Konzentration überall: Auch die Lebensmittelverarbeiter wurden immer größer. Von 3.000 Molkereien, die 1960 in Deutschland gezählt wurden, existieren noch 126. Den größten Teil des Getreides mahlen heute 60 Mühlen. Vor 25 Jahren gab es noch 2500. Mit den kleinen Betrieben schwanden Arbeitsplätze und es wuchs die Entfernung der Produkte zum Verbraucher.
Hersteller unter Druck: Mit ihrer Marktmacht setzen die Handelsketten Hersteller und Landwirte massiv unter Druck. Wer nicht billiger produziert, der fliegt. Längst zahlen die Hersteller Listungsgebühren, damit die Supermärkte ihre Produkte ins Regal nehmen. Die Bauern verdienen kaum noch Geld mit ihrer Arbeit. Jedes Jahr geben 10.000 Landwirte auf.
Sparen an Qualität: Der Preisdruck fördert auch Schlampereien und kriminelles Handeln. Da werden belastetes Altöl ins Futter gemischt, Kälber mit Hormonen gedopt oder Erdbeeren verkauft, deren Pestizidbelastung weit jenseits aller Grenzwerte liegt.
Alle zahlen: Die Kosten für verloren gegangene Arbeitsplätze, für Pestizide im Grundwasser oder ernährungsbedingte Krankheiten, tragen nicht die dafür verantwortlichen Unternehmen. Es zahlt die Allgemeinheit - in Form höherer Sozialabgaben und Steuern.
Immer billiger: immer weniger
Wenige große Konzerne dominieren den Einzelhandel und diktieren die Preise. Die Lebensmittelhersteller verlieren Betriebe und Arbeitsplätze.
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