spezial: Bin ich dick? - Kommentar

"Kein Sponsoring von Gesundheitsorganisationen!"

Elke Achtner-Theiß (BMI = 23,5) wundert sich darüber, dass sie sich beim Zeitunglesen oft so pummelig fühlt.

Schiedsrichter der Bundesliga haben nichts in einem Wettbüro zu suchen - darüber sind sich alle einig. Verkehrspolitiker sollten nicht auf der Gehaltsliste von Automobilkonzernen stehen. Auch dies ist unbestritten. Was aber legitimiert die Daueraktivität pharmazeutisch finanzierter Gesundheitsberater wie der IOTF als Normgeber für die WHO?

Die Grenzen zwischen uneigennützigem Sponsoring und dreister Schleichwerbung sind längst eingerissen. Organisationen mit honorigem, wissenschaftlichem Anstrich und großzügig ausgestattetem PR-Büro initiieren „Studien“, deren Ergebnisse ihren Geldgebern nützen sollen. Keine These, die zu lächerlich wäre, sie in die Medienlandschaft zu kippen: Nudeln machen glücklich, Milch hält jung, Handys fördern die Libido ... Die Kunst ist nur, die Nachricht so zu verkleiden, dass keiner die Absicht dahinter bemerkt.

In dieser Hinsicht ist die IOTF noch entwicklungsfähig. Sich im missionarischen Eifer des Gefechts öffentlich bei seinen Sponsoren zu bedanken - wie ungeschickt! Oder ist es eher Kühnheit? Unterfüttert vom guten Ansehen der Genfer Weltgesundheitswächter, an deren Hof man sich tummeln darf?

Kühn ist es auf alle Fälle, der Welt ein engeres Maßband umzulegen und dann die Nachricht zu lancieren, sie sei in dramatischer Weise in die Breite gegangen. Das wirkliche Drama daran ist, dass die tatsächlich Übergewichtigen so noch tiefer ins Stigma, die vermeintlich Übergewichtigen in die nächste Diätfalle getrieben werden.

Ich bin der Meinung, wir brauchen keinen BMI, sondern einen SMI, einen superschlanken Sponsoring-Mass-Index - damit Gesundheitsorganisationen unabhängig bleiben.

 

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