Zu Besuch bei GSE

Die Kern-Gesunden

Extrakt aus Grapefruit-Kernen war sein erstes Produkt. Heute vertreibt Michael Gracher knapp 20 Nahrungsergänzungsmittel, und seine Firma ist kerngesund. // Text: Manfred Loosen, Fotos: Andreas Gerhardt

In der Saargemünder Straße 13 in Saarbrücken sitzen auf der Dachterrasse unter großen Sonnenschirmen die GSE-Mitarbeiter. Vor ihnen dampfender Kaffee sowie Brötchen, Aufstriche, Käse und Wurst vom Bioladen um die Ecke. Jeden Freitag um halb zehn frühstücken Michael und Jennie Gracher und das ganze Team zusammen und besprechen dabei was ansteht: Wer ruft welche Lieferanten an, wer übernimmt die Urlaubsvertretung in der Buchhaltung, wie weit ist die Entwicklung des neuen Produkts, wie soll das Etikett dafür aussehen?

Aber es geht nicht nur um Geschäftliches: Auch die Geburtstage werden - laut singend - gefeiert. Chef Michael Gracher sieht im Freitagstreffen keine verlorene Arbeitszeit: „Zum einen kommen so alle Mitarbeiter auf den neusten Stand, zum anderen macht das zwanglose Zusammensitzen Spaß und erhöht die Motivation“. Nicht nur freitags sorgt er dafür, dass sich seine Mitarbeiter wohl fühlen: Jeder kann einmal im Monat zwei Häuser weiter zur Massage gehen - auf Kosten der Firma. Als der Mann einer Mitarbeiterin arbeitslos wurde, bot Michael Gracher ihm, um die erste Zeit zu überbrücken, einen 400-Euro-Job an. „Uns ist der Zusammenhalt der Belegschaft sehr wichtig. Wir sind eine richtige kleine Familie“, sagt der Chef.

Soziales Engagement zeigt Gracher auch anderswo: In Mostar/Bosnien-Herzegowina behandelte Michael Gracher Ende der 90er Jahre zusammen mit anderen Heilpraktikern und Ärzten kostenlos

kriegstraumatisierte Einheimische. Ein schlichtes Plastikschild am Eisentor wies auf die Praxis in dem etwas feuchten Haus hin, von dem der Putz bereits abblätterte. Michael Gracher war einer der ersten, der dort geholfen hat. Der Verein Homöopathen ohne Grenzen versorgte die Menschen dort zunächst medizinisch und bildete dann Einheimische aus, die die Arbeit übernahmen. Heute trägt sich das Projekt in Mostar selbst, Grachers Spenden fließen nun in andere Vorhaben des Vereins, auch in Mazedonien.

Engagiert für eine gute Sache

Das Engagement Michael Grachers kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit. Früher war er häufiger auf dem Balkan, heute nur noch ab und zu. „Das geht nur, weil meine Familie und das Team hier in der Firma das mittragen“, erklärt er. Anja Binger, die bei GSE unter anderem für die Produktentwicklung zuständig ist, nickt: „Für die gute Sache halten wir ihm aber gerne den Rücken frei.“

Wie das alles begann? Vor elf Jahren, als Gracher von seiner amerikanischen Homöopathie-Lehrerin den Auftrag übernahm, Grapefruit-Samen-Extrakt zu besorgen. Während einer homöopathischen Konstitutionsbehandlung sei das ein ideales Mittel, um Erkältungen in den Griff zu bekommen und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Er besorgte in den USA drei Liter von der Flüssigkeit, füllte sie am Küchentisch in kleine Fläschchen und versorgte damit seine Homöopathen-Kollegen. Immer mehr Menschen fragten nach dem Elixier, deshalb gründete Gracher mit seiner Frau eine Firma. Er nannte sie nach seinem ersten, bis dahin einzigen Produkt GSE: Grapefruit-Samen-Extrakt.

In nur zehn Jahren sind 17 weitere Produkte zur Nahrungsergänzung hinzugekommen: Zum Beispiel Bio-Algen-Produkte wie Spirulina, AFA-Alge und Chlorella, Noni-Saft, biologisches Traubenkern-OPC, Gersten- und Weizengras. Die Inhaltsstoffe stammen, wenn irgend möglich, aus kontrolliert biologischem Anbau. GSE lässt die Waren von verschiedenen bio-zertifizierten Unternehmen herstellen. Verpackt und etikettiert werden sie in der Regel in Saarbrücken.

Nahrungsergänzung - wozu?

Wer braucht solche Mittel? Sind Pillen, Pülverchen und Essenzen für ausgewogen ernährte Menschen nicht total überflüssig? Wer jeden Tag fünf Mal Obst und Gemüse esse, immer genug Schlaf finde und regelmäßig Sport treibe, brauche kaum Nahrungsergänzung. „Aber wer kann das heutzutage schon alles?“, fragt Gracher, der sich und seine Familie biologisch ernährt, fast täglich joggt, aber es manchmal aus Zeitgründen doch nicht schafft, sich ausgewogen zu ernähren. „Dann ist Nahrungsergänzung einfach nützlich und gut“, sagt er.

Hoher Bio-Flavonoid-Gehalt

Seine Frau Jennie ist Ärztin und schwört bei Erkältungen auf den Grapefruit-Samen-Extrakt, den GSE mittlerweile unter dem Namen CitroPlus vermarktet. Die Firma war die erste, die dieses Produkt aus Bio-Anbau angeboten hat: Die Grapefruits haben Demeter-Qualität. Sie werden genau zur richtigen Zeit geerntet. „So können wir den am Markt unerreichten Bio-Flavonoid-Gehalt von 600 Milligramm pro 100 Milliliter bieten“, berichtet Michael Gracher.

Stolz schwingt dabei mit. Stolz darauf, wie sich GSE-Vertrieb entwickelt hat. Vorbei ist die Zeit, als Michael und Jennie Gracher aus dem Schlaf schreckten, weil etwas piepste, und die vierjährige Tochter im Zimmer nebenan nach ihren Eltern rief. „Mist, Hannah ist schon wieder wach geworden, weil das Fax-Gerät Alarm gegeben hat!“ Michael Gracher tappte dann im Dunkeln schnell rüber, legte Papier ins Fax und beruhigte seine Tochter. Nach dieser nächtlichen Eskapade wurde umgeräumt: Das „Büro“ war nicht länger im Kinderzimmer, das Fax nicht länger unter dem Stockbett der Töchter Hannah und Rebecca.

Vision für die zweite Lebenshälfte

Die sind heute 15 und 13 Jahre alt. Für die Zeit, wenn die beiden volljährig sind, haben Michael und Jennie Gracher besondere Pläne: Seit Jahren spenden Sie große Summen für den Verein Kinder des Himalaya: Ein buddhistischer Mönch hat in der nördlichsten Provinz Indiens ein Zentrum mit einer Schule gegründet, in der er Unterprivilegierten Lesen und Schreiben beibringt. Außerdem baute er unter anderem eine Krankenstation, ein Alten- und ein Behindertenheim.

Hier eine Zeit lang zu leben, das fasziniert die Grachers, darüber reden die beiden in letzter Zeit immer öfter. „Das einfache Leben dort in Ladakh gibt uns sehr viel“, erzählt der 47-jährige GSE-Chef, für den Meditation sehr wichtig ist. „Wenn unsere Kinder aus dem Haus sind, werden wir das wohl ernsthaft angehen.“

Steile Erfolgskurve

1994 Michael Gracher gründet mit dem Produkt Grapefruit-Samen-Extrakt in Saarbrücken den GSE-Vertrieb.

1996 Der erste Mitarbeiter wird eingestellt; heute sind 18 Menschen für GSE tätig.

1997 Umzug in größere Räumlichkeiten. In Bosnien behandelt der GSE-Chef als Heilpraktiker Opfer des Krieges und finanziert die Ausbildung einheimischer Homöopathen, seit 2000 auch in Mazedonien.

1998 GSE führt nun jedes Jahr zwei neue Produkte ein.

2000 Umwandlung in eine GmbH.

2002 GSE bringt den weltweit ersten biologischen Grapefruit-Samen-Extrakt auf den Markt.

2004/2005 Umzug in eigene, größere Räume.

Information ist alles

Der GSE-Vertrieb bietet unter der Telefonnummer 08 00 / 50 50 33 3 kostenlose Beratungen an. Wer Näheres zu den Produkten, ihren Inhaltstoffen und Wirkungen erfahren will, erhält hier fachkundige Information. www.gse-vertrieb.de

Zurückhaltende Reklame

„Aggressive Werbung ist nicht unsere Sache“, sagt Michael Gracher, Besitzer des GSE-Vertriebs. Die Firma setzt auf Mund-zu-Mund-Propaganda und dezente Zeitschriften-Werbung. Mit Erfolg: Der Umsatz stieg in den vergangenen Jahren jeweils zweistellig.

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