Universität widerlegt Vorurteil

Öko-Bauern nicht bevorzugt

Eine Studie der Universität Hohenheim belegt: Bio-Bauern kommen unterm Strich schlechter weg als ihre Kollegen aus dem konventionellen Landbau. Dies gibt der Diskussion um Subventionskürzungen neuen Zündstoff. // Manfred Loosen

Professor Stephan Dabbert und sein Team von der Universität Hohenheim, haben die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU und deren Zahlen genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist eindeutig: „Insgesamt wird der Öko-Landbau durch die Agrar-Politik sogar benachteiligt“, fasst der Wissenschaftler seine Arbeit zusammen.

Die finanzielle Ausrichtung der GAP basiert auf drei verschiedenen Säulen: Erstens den Direktzahlungen für erzeugte Produkte, zweitens den ländlichen Entwicklungsprogrammen und drittens den so genannten Marktstützungen.

Die Direktzahlungen gibt es beispielsweise für Schlachtvieh, Getreide oder verschiedene Körnerfrüchte wie Erbsen und Bohnen. Diese Finanzspritze ist die bedeutendste. Konventionell wirtschaftende Bauern bekommen hier mehr Geld, weil sie ihren Ertrag so hoch wie möglich schrauben. Die ökologische Landwirtschaft dagegen arbeitet extensiv, produziert geringere Mengen und erhält deshalb auch weniger Beihilfe.

Gleiches gilt für die Säule „Marktstützung“. Dahinter verbergen sich Maßnahmen, die Mindestpreise für verschiedene Produkte wie etwa Zucker garantieren. Auch hierbei profitieren nach den Berechnungen der Hohenheimer Wissenschaftler eher die konventionellen Erzeuger.

Einzig im Bereich der ländlichen Entwicklungsprogramme erhalten Bio-Bauern höhere Förderungen. Sie beziehen sich auf Tier- und Landschaftsschutzmaßnahmen wie beispielsweise die Bewirtschaftung von Streuobstwiesen. Diese Finanzsäule spielt vom Umfang her gesehen im Gesamtgefüge aber eine eher untergeordnete Rolle.

Insgesamt sieht die Situation für den Öko-Landbau also gar nicht so rosig aus, wie viele Politiker und Funktionäre der Öffentlichkeit glauben machen wollen. Es könnte sogar noch schlechter werden. Nach Meinung der Hohenheimer zeichne sich schon jetzt ab, dass die jüngsten Sparbeschlüsse auf EU-Ratsebene zu einem Rückgang der Agrar-Umweltzahlungen führen werden.

Landwirtschaftsminister Seehofer hat in den vergangenen Wochen häufiger angekündigt, er wolle konventionell wirtschaftende Bauern und Bio-Bauern gleich behandeln. Wenn sich Bio-Landwirte auf sein Wort verlassen können, dann dürfen sie bald mehr Geld erwarten.

Anmerkungen und Kommentare zum Artikel

Leserbrief schreiben Seite empfehlen
powered by
Impressum
Newsletter
Forum
Anfragen