Warenkunde: Sonnenschutz

Einfach zurückstrahlen

Sonnenschutz durch Naturkosmetik wird immer beliebter. Er ist gut verträglich, wirkt sofort und hat die Pflege gleich eingebaut. Die Idee dahinter ist einfach: Die UV-Strahlen werden reflektiert. // Leo Frühschütz

Titandioxid. Dieses Wort steht im Zutatenverzeichnis jeder Sonnencreme oder Sonnenmilch im Bioladen. Es ist die chemische Bezeichnung für ein mineralisches, weißes Farbpigment. Weiße Flächen reflektieren das Sonnenlicht und mit ihm auch die ultravioletten (UV) Strahlen. Genau das machen die Titandioxid-Teilchen, wenn man sie auf die Haut trägt. Sie bilden eine hauchdünne Schutzschicht, die ankommende UV-Strahlen einfach abschmettert. Sowohl die energiereiche UV-B-Strahlung, die Sonnenbrand auslöst, als auch die UV-A-Strahlung. Die hinterlässt zwar keine sichtbaren Schäden, dringt aber tiefer in die Haut ein und lässt sie schnell altern.

Aber wer will sich denn wie eine Hauswand mit Titandioxid weiß anmalen? Niemand natürlich. Deswegen waren die ersten Naturkosmetik-Sonnencremes vor gut 15 Jahren auch keine Renner. Die Pigmente waren noch relativ grob und man sah nach dem Eincremen wirklich aus wie frisch geweißelt. Inzwischen sind die eingesetzten Titandioxid-Teilchen so klein, dass das Auge den Schutzfilm kaum mehr wahrnimmt. Nur bei Cremes mit sehr hohem Lichtschutzfaktor oder wenn man frisch eingecremt ins Wasser geht, ist gelegentlich noch ein weiß-violetter Schimmer sichtbar.

Chemische UV-Filter reichern sich im Körper an

Die winzigen Pigmente sind mit einer Fettschicht überzogen. Das macht sie noch verträglicher für die Haut. Die Befürchtung, dass die Teilchen, weil sie so klein sind, in die Haut eindringen könnten, hat sich nicht bestätigt. Untersuchungen an der Universität Leipzig zeigten, dass die Winzlinge an der Hautoberfläche bleiben. Von den chemischen UV-Filtern in herkömmlichen Sonnenschutzprodukten kann man das nicht behaupten. Sie durchdringen die Haut und reichern sich im Körper an. Sogar in der Muttermilch haben Wissenschaftler diese Chemikalien schon nachgewiesen. Bedenklich ist das, weil eine Reihe dieser UV-Filter wie Hormone wirken und womöglich die Entwicklung von Kindern negativ beeinflussen. Bei zwei gängigen UV-Filtern hat sich inzwischen gezeigt, dass sie die Funktionen der Schilddrüse beeinträchtigen.

Vorsicht: Chemie-Cocktail

Nicht nur die UV-Filter sind bei herkömmlichen Sonnenschutzprodukten ein Problem. Sie sind als Ganzes ein Chemikaliencocktail aus Filtern, Emulgatoren, Konservierungsmitteln und Duftstoffen. Dieser Cocktail wird auf die Haut aufgetragen und dort intensiv mit Sonnenlicht bestrahlt. Häufige Folgen sind Unverträglichkeiten oder allergische Reaktionen, Stichwort Mallorca-Akne. Auch in der Anwendung haben Produkte mit chemischem UV-Schutz einen Nachteil. Sie entfalten ihre Wirkung erst nach 20 Minuten. Genug Zeit für blasse Haut, um am Strand einen Sonnenbrand zu bekommen. Titandioxid schützt sofort nach dem Auftragen.

Auch die beste Creme lässt immer noch ein wenig UV-Licht durch. Die energiereichen Strahlen setzen in den Zellen der Haut aggressive Verbindungen frei, die so genannten freien Radikale. Damit diese keinen Schaden anrichten können, enthalten die Sonnenschutzmittel Antioxidantien. Das sind natürliche Wirkstoffe aus Karottensaft, Sanddornöl oder Heilpflanzenextrakten, die freie Radikale einfangen und sie zu harmlosen Verbindungen abbauen. Andere Heilpflanzen spenden Feuchtigkeit oder beruhigen die Haut. Dazu gehören Aloe Vera, Ringelblume, Schafgarbe, Quittensamen und die afrikanische Mittagsblume. Hinzu kommen noch hautpflegende Öle wie Mandelöl, Jojobaöl oder Sheabutter. In vielen Produkten sorgen natürliche ätherische Öle für einen angenehmen, dezenten Duft – doch nicht in allen. Einige Hersteller haben Sonnencremes ganz ohne Duftstoffe im Programm. Für Menschen mit besonders empfindlicher Haut. Für diese Gruppe sind auch die Produkte mit sehr hohen Lichtschutzfaktoren gedacht. Faktor 40 hat derzeit der stärkste natürliche Sonnenschutz.

Breites Sortiment im Bioladen

Sonnencreme steht übrigens nur selten auf der Tube. Cremes sind sehr fetthaltig und legen einen spürbaren Schutzfilm auf die Haut. Gut beim Skifahren im Winter, aber an heißen Sommertagen ist das nicht jedermanns Geschmack. Bei einer Sonnenmilch dagegen überwiegt der Wasseranteil. Sie ist dünner, lässt sich leichter verteilen und zieht schneller ein. Neben der Tube gibt es die Milch auch als Pump-Spray: eine praktische Hilfe beim Auftragen. Bei Lotionen oder Fluids ist der Fettanteil noch geringer. Nur völlig fettfreies Sonnenschutzgel gibt es nicht. Für dessen Herstellung wären Zusatzstoffe notwendig, die für Naturkosmetik nicht erlaubt sind. Abgerundet wird das Sonnenschutzsortiment im Bioladen durch Lippenpflege und After-Sun-Lotion. Trotz der Vielfalt an natürlichen Sonnenschutzprodukten: Den wirkungsvollsten Schutz bieten Schatten, Hut und Kleidung. Vornehme Blässe ist, zumindest für die Haut, durchaus gesund. Auch wenn die Kolleginnen im Büro dann mitleidig fragen: „Du bist so blass, warst du im Urlaub krank?“ Wer solchen Fragen aus dem Weg gehen will, für den gibt es ein besonderes Naturkosmetik-Produkt: Selbstbräuner mit pflanzlichen Wirkstoffen.

Schutz ist Pflicht

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 150.000 Menschen an Hautkrebs. Tendenz steigend. Die meisten Betroffenen sind über 50. Ursache: Zu viel Sonne in den Jahrzehnten zuvor. Langes Sonnenbaden schadet besonders Kindern, weil bei ihnen der natürliche UV-Schutz der Haut noch nicht voll ausgebildet ist. Mehr Infos unter www.hautkrebs.de

Der Lichtschutzfaktor – wie lange schützt er?

LSF 10: Für kurze Aufenthalte in der Sonne, schwache Sonnenstrahlung, sowie für Menschen mit dunklem Teint und dunkler Hautfarbe.

LSF 15 bis 25: Passt für fast alle Gelegenheiten. Je stärker die Sonne scheint und heller oder jünger die Haut ist, desto höher sollte der Schutzfaktor sein.

LSF über 25: Für einen ganzen Tag am Strand oder auf dem Gletscher, sowie für Menschen mit sehr heller Haut, vielen Sommersprossen und rötlichem oder hellblondem Haar.

Die Zahl gibt an, wie viel Mal länger man in der Sonne bleiben kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Das gilt allerdings nur, wenn man sich dick eincremt. Erwachsene brauchen etwa 30 Milliliter für den ganzen Körper. In der Praxis bleibt es oft bei der Hälfte.

Tagescreme mit Sonnenschutz?

Im konventionellen Bereich gibt es Tagescreme, Make-up und sogar Haarspray mit Sonnenschutz. Entsprechende Naturkosmetik-Produkte gibt es kaum. Mit mineralischen Pigmenten und den wenigen in der Naturkosmetik erlaubten Emulgatoren sind solche Produkte schwieriger herzustellen. Zudem sollte die Schutzschicht der Pigmente nicht fühlbar sein. Auch das ist eine Herausforderung für die Hersteller. Einen gewissen Schutz vor UV-Strahlen in Naturkosmetik-Cremes bieten manche pflanzliche Öle und Extrakte. Hersteller, die damit werben, müssen die Lichtschutzfaktoren mit den dafür vorgesehenen Tests nachweisen.

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