Warenkunde: Bio-Babygläschen

Ein Brei für alle Fälle

Fürs Baby nur das Beste: Obst und Gemüse von Bio-Bauern, schonend zubereitet, ohne Zusätze. Stimmen die Zutaten, dann ist es nicht so wichtig, wer den Brei kocht. // Leo Frühschütz

Noch ein Löffelchen für Papa und leer ist das Glas. Tomaten-Nudeln steht drauf. Na ja, schmeckt ein wenig fad, da fehlen Salz und Gewürze. Oregano zum Beispiel. Doch der Kleinen hat es geschmeckt, das ist die Hauptsache. Babys haben empfindlichere, noch untrainierte Geschmacksnerven. Deshalb kommen in die Gläschenbreie im Bioladen weder Salz noch Gewürze und nur selten ein paar Gartenkräuter. Denn zuerst sollen die Babys lernen, wie Obst und Gemüse an sich schmecken.

Das Lernen beginnt zwischen dem vierten und sechsten Monat, wenn zur Muttermilch oder Flaschennahrung die ersten Gemüse- und Obstbreie hinzukommen und mit der Zeit immer mehr Milchmahlzeiten ersetzen. Dann taucht für die Mütter (und manche Väter) die Frage auf: selber kochen oder aus Gläschen füttern? „Es gibt keine pauschale Antwort, kein besser oder schlechter, das muss jede Mutter nach ihren Lebensumständen entscheiden“, findet Ursula Jahn-Zöhrens, Hebamme und Buchautorin. Wichtig sei, wie zugefüttert werde . Auch ihre Berufsorganisation, der Bund Deutscher Hebammen, lässt den Eltern die Wahl. Also heißt es abwägen: Selber kochen ist billiger und gar nicht so zeitaufwändig, wenn man mehrere Portionen vorkocht, einfriert und bei Bedarf, wie die Gläschen auch, im Wasserbad aufwärmt.

Nitrat in Babykost

Obst und Gemüse aus dem Bioladen sind ebenso wenig mit Pestiziden und anderen Schadstoffen belastet, wie die Rohstoffe, die Hersteller von Babygläschen bei Bio-Bauern einkaufen. Mit einer Ausnahme: Die Diätverordnung schreibt für Babykost einen maximalen Nitratwert von 200 Milligramm je Kilogramm vor. Denn der Pflanzennährstoff Nitrat kann im Körper zu Nitrit abgebaut werden und dann den Sauerstofftransport im Blut hemmen. Bei Gemüsesorten, die von Natur aus viel Nitrat aufnehmen, wie Karotten, Fenchel, Kohlrabi oder Spinat, lässt sich der strenge Grenzwert nur durch viel Sorgfalt und Aufwand beim Anbau, zum Beispiel Nährstoffanalysen des Bodens, und strenge Qualitätskontrollen einhalten. Bei Bio-Gemüse im Regal kann der Nitratgehalt deshalb höher liegen als in den Gläschen. Zu Werten, die wirklich ein gesundheitliches Problem darstellen, kommt es bei Bio-Gemüse jedoch nicht.

Vitaminschonend kochen

Für Selbstgemachtes spricht auch der Geschmack. An einen frisch geriebenen Apfel kommt ein Gläschenbrei nicht ran. Das gilt auch für Mamas pürierte Karotten und andere frisch zubereitete Gerichte. Da können Konserven nicht mithalten. Was Vitamine und Nährstoffe angeht, dagegen schon. Die Babykost-Hersteller verarbeiten ihre Zutaten schonend, waschen, putzen und blanchieren das Gemüse, pürieren das Obst. Unter Vakuum kommen die Zutaten zusammen, werden gekocht, passiert und abgefüllt. Die verschlossenen Gläschen werden kurz erhitzt und sind danach ungeöffnet 24 Monate haltbar. „Wir kochen keine Vitamine tot“, sagen die Gläschenhersteller einmütig. Viel eher passiere das am heimischen Herd, wo kein Temperaturfühler und kein Computersteuerungsprogramm die Produktion überwacht. Auch sei so eine moderne Anlage weit keimfreier als jede Küche. Das stimmt sicher, aber andererseits sind ein paar Keime auch notwendig, um Babys Immunsystem zu trainieren. Außerdem passt auch Mama beim Kochen auf. Doch Gläschen sind einfach bequem: Sie sind schnell zur Hand, wenn keine Zeit zum Kochen ist. Schreit der Nachwuchs unterwegs nach Futter, kann man ein Gläschen auch mal handwarm auftischen. Ist das Baby satt, kommt der Deckel auf das Glas und schon ist aufgeräumt.

Risikofaktor Gläschendeckel

Oje, die Deckel! Vor drei Jahren fanden Labore in Babygläschen Spuren von Semicarbazid (SEM). Die Substanz war ein Abbauprodukt des Treibmittels, mit dem die Dichtungen der Deckel aufgeschäumt wurden. Ein Jahr später tauchte 2-Ethylhexansäure (2-EHA) auf. Sie stammte aus Stabilisatoren, die eingesetzt wurden, um die Dichtungen hitzebeständig zu machen. Zwar hat das Bundesinstitut für Risikobewertung in beiden Fällen versichert, dass die festgestellten Konzentrationen kein Gesundheitsrisiko darstellten. Dennoch hätten die Substanzen in Babykost nichts zu suchen.

Nach Aussagen der Hersteller kommen inzwischen nur noch Deckel ohne SEM und 2-EHA zum Einsatz. In den letzten beiden Untersuchungen konnte das Magazin Ökotest im Inhalt der Bioladen-Gläschen auch keinen der beiden Stoffe mehr nachweisen. In manchen Gläschen aus Super- und Drogeriemärkten dagegen fanden sich weiterhin Spuren dieser Chemikalien.

Für Gläschen aus dem Bioladen spricht auch, dass die Rohstoffe nicht einfach nur „Bio“ sind. Sie stammen von Bauern, die in den Anbauverbänden organisiert sind und noch viel strengere Richtlinien einhalten. Besonderheiten gibt es auch im Sortiment. Dort sind Gläschen mit nur einer Sorte Obst oder Gemüse besonders stark vertreten. Das ist gut für Babys mit erhöhtem Allergierisiko. Glutenhaltiges Getreide wie Weizen, Dinkel und Hafer ist kaum zu finden. Isolierte Stärke, Zucker und natürliche Aromen kommen, im Gegensatz zu manchem Bio-Gläschen aus dem Drogeriemarkt, nicht in der Zutatenliste vor. Auch wenn es billiger wäre.

Nicht nur für Babys

Jedes vierte Gläschen wird von Kunden gekauft, die gar keine kleinen Kinder haben. Ältere Menschen mit Kau- oder Schluckbeschwerden löffeln gerne mal ein Glas mit fein püriertem Brei leer. Beliebt ist, was sich nach richtiger Mahlzeit anhört, zum Beispiel Gemüsereis mit Pute. Junge Frauen stehen dagegen auf Obstbrei als leckere und vitaminreiche Zwischenmahlzeit. Wie wärs mit Mango oder Kirsche?

Beim Zufüttern langsam anfangen!

  • Auch wenn auf den Gläschen „ab dem vierten Monat“ steht: Wenn möglich sollten Frauen bis zum sechsten Monat voll stillen.
  • Für das Zufüttern gilt: Langsam anfangen, bei jeder Sorte eine Woche bleiben, dann die nächste ausprobieren. Häufige Wechsel überfordern das Baby. Außerdem lassen sich Unverträglichkeitsreaktionen so genau zuordnen.
  • Je weniger Inhaltsstoffe in der Zutatenliste, desto besser. Auf aromatisierte und gesüßte Produkte verzichten.
  • Bei Gemüse- und Obstbrei gehört immer auch ein Getränk dazu. Tee oder Fruchtsaft. Brei alleine wäre zu trocken.
  • Gut eignen sich für den Anfang Karotte,
  • Kürbis, Pastinake, Fenchel oder Kartoffel. Obstbrei kommt erst später als zweite Mahlzeit hinzu.
  • Mit einem Jahr kann das Kind bei den Eltern mitessen, eigene Gläschen braucht es dann nicht mehr.

Die Tipps fürs Füttern stammen von Ursula Jahn-Zöhrens. Sie ist Hebamme und Autorin des Buches: Entspannt erleben – Babys 1. Jahr.
Trias Verlag 2005, 236 Seiten, ISBN 3-8304-3150-3, 19,95 Euro

Instant-Getreidebreie

Instant-Breie enthalten mit Hitze aufgeschlossenes, zerriebenes Getreide, das sich leicht in Flüssigkeit löst. Im Bioladen sind es meist pure Getreidemischungen, glutenfrei mit Reis und Hirse oder mit Dinkel als Alternative zu Weizen.

Auf Aromen, synthetische Vitamine und Zucker, wie in konventionellen Produkten üblich, verzichten die Hersteller. Nur Vitamin B1 müssen sie zusetzen, weil es gesetzlich vorgeschrieben ist. Milchpulver kommt nur selten zum Einsatz.

Die Eltern können selbst entscheiden, ob sie den Brei mit verdünnter Kuhmilch, Soja- oder Reismilch anrühren und wie sie ihn süßen.

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