spezial: 50 plus. Alles klar. - Interview

"Zur Kreativität muss man sich gelegentlich zwingen"

Ingrid Noll begann im Alter von 55 Jahren so ungewöhnliche Krimis wie „Der Hahn ist tot“ zu veröffentlichen. Im März ist nun ihr Roman „Ladylike“ erschienen, in der zwei alte Damen ganz ungewöhnliche Dinge treiben (Buchvorstellung siehe unten).

Viele Menschen, die die Rente vor sich haben, träumen davon, auf spanischen Inseln abzuhängen. Sie dagegen haben mit 55 Jahren zu schreiben begonnen und liefern nun einen Bestseller nach dem anderen. Wie haben Sie das geschafft?

Wer schon immer ein kreativer Mensch war, kann sich diese Gabe durch bestimmte Strategien erhalten. Dazu gehören eine positive Lebenseinstellung, Bereitschaft zum Lernen und Nachdenken, Neugier und Offenheit. Ich rate jedem, das Interesse an der Welt, an den Problemen der Mitmenschen und an der Zukunft unserer Kinder und Enkel niemals zu verlieren.

Das ist Theorie. Und die Praxis?

Zur Kreativität muss man sich gelegentlich zwingen. Früher habe ich eine Zeit lang jeden Montag in einem Chor gesungen, und es kam vor, dass ich mich abends müde fühlte und partout keine Lust hatte. Da ich aber immer gemeinsam mit einer Freundin zur Probe fuhr, konnte sich keine von uns drücken. Hinterher waren wir froh und überhaupt nicht mehr müde. So ähnlich geht es einem wohl mit vielen Aktivitäten – man muss sich anfangs disziplinieren, dann läuft es wie von selbst.

Haben Sie auch zuvor in Ihrem Leben gern geschrieben?

Bereits in der Schule konnte ich meine schlechten Noten in Mathematik durch gute im Aufsatz ausgleichen. Später hatte ich jahrelang wenig Zeit für meine eigenen Bedürfnisse, aber Briefe habe ich immer gern geschrieben, gelegentlich auch kleine Geschichten für Kinder.

In Ihren Romanen zeigen sich oftmals stille, vom Leben benachteiligte Frauen plötzlich als recht eigensinnig. Ist das der berühmte „Altersstarrsinn“?

Wenn sich zu kurz gekommene Frauen in der Lebensmitte zu einem gewissen Egoismus bekennen, dann ist es völlig legitim. Sie müssen ja nicht – wie in meinen Büchern – gleich zu Mörderinnen werden. Diese Ichbezogenheit hat aber meiner Meinung nach nichts mit Altersstarrsinn zu tun, der eher ein Verharren in ausgefahrenen Gleisen bedeutet. Der neu entdeckte Egoismus ist dagegen ein mutiges Experiment.

Noll, Ingrid: Ladylike.

Diogenes-Verlag 2006, 325 Seiten,
ISBN 3-257-86135-4,
19,90 Euro

Der verdiente Ruhestand ist nichts für Lore und Anneliese. Sie gehen auf Tour. Dabei pflastert schon mal die eine oder andere Leiche ihren Weg – ungeschickterweise natürlich. Schwarzer Humor vom Feinsten, amüsant und spannend bis zum Schluss.

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