Editorial
Rettet „Bio“ das Klima?
69 % der Deutschen glauben, dass der Klimawandel böse Folgen haben wird, immerhin sind 15 % aus diesem Grund auch für höhere Spritpreise (Emnid Juni 2006). Der Chef der UNO-Umweltorganisation UNEP, Klaus Töpfer, sagte im Interview in Schrot&Korn (12/2005), es sei keine Frage, ob der Klimawandel komme oder nicht, wir seien bereits mittendrin.
Für
mich ist das spätestens seit letztem Winter klar. Da
wurde gemeldet, dass der Golfstrom, die große Wärmepumpe
im Atlantik, infolge des Klimawandels bereits um 30 % langsamer
geworden ist. Keine Prognose mehr, über die man streiten
kann, sondern eine echte, gemessene Veränderung mit großen
und unter Umständen sehr schnellen Folgen gerade für
uns. Würde der Golfstrom nicht Wärme vom Äquator
bis in die Nordsee transportieren, wäre es hier in Deutschland
etwa so gemütlich wie im kanadischen Labrador, das liegt
auf gleicher geografischer Breite.
Natürlich streiten die Gelehrten darüber, welche Folgen eine Abschwächung oder der Ausfall des Golfstromes hat. Bekommen wir eine Eiszeit? Oder gleicht die globale Erwärmung die Abkühlung in Europa wieder aus? Ehrlich gesagt: Ich weiß nicht, was schlimmer wäre.
Für Schrot&Korn haben wir recherchiert, ob und wie sich denn Bio-Landbau auf das Klima auswirkt. Wenn schon nicht die Rettung der Welt dabei herauskommt, so dachte ich, dann wenigstens ein kleines Zusatzargument Bio zu kaufen. Denn dass Bio weniger fossile Energie verbraucht und weniger Treibhausgase produziert, ist bekannt. Das Ergebnis unserer Recherche allerdings hat mich ziemlich überrascht: Bio-Anbau kann wohl einen größeren Beitrag zur Verlangsamung des Klimawandels leisten als bisher auch von Optimisten gedacht.
Denn Bio besteht nicht in erster Linie aus dem Weglassen von Pestiziden, sondern vor allem darin, eine dickere und lebendigere Humusschicht aufzubauen. Humus aber bindet das Treibhausgas Kohlendioxid. Der österreichische Professor Raggam hat errechnet, dass das für den globalen Temperaturanstieg verantwortliche Kohlendioxid komplett im Bodenhumus gebunden werden könnte – vorausgesetzt es würde in großem Maßstab auf Bio-Anbau umgestellt (Spezial). Natürlich wird dem Professor widersprochen. Aber, selbst, wenn nur 10, 20 oder 30 % des Kohlendioxides wieder aus der Atmosphäre zurückgeholt werden könnten …
Für Ihren Einkauf im Bioladen bekommen Sie also mehr, als Sie bisher angenommen haben: gesunde Ernährung, besseren Geschmack, weniger Agrargifte in der Umwelt, Gewässerschutz, Landschaftspflege, Artenvielfalt, artgerechte Tierhaltung und zusätzlich – einen Beitrag zum Schutz des Klimas.
Martin Fütterer
Auto und Klima
Ein großer Faktor für das Klima ist der Verkehr. Den energiefressenden Individualverkehr werden wir allerdings nicht so schnell reduzieren können, viel zu sehr beruht unsere ganze Infrastruktur darauf. Immerhin: Wenn Sie in nächster Zeit den Kauf eines neuen Autos planen: Es tut sich einiges bei energiesparenden und klimaschonenden Konzepten. Mehr dazu in der Schrot&Korn-Ausgabe November.
Biolandbau trotzt der Dürre, ...
denn ökologisch bewirtschafteter Boden kann spärlich gefallenen Regen besser und länger speichern. Grund: der höhere Humusgehalt
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