Gen-Reis

Vom Winde verweht

Bei Anbau-Versuchen mit gentechnisch verändertem Reis wurde in Amerika herkömmlicher Reis kontaminiert. Dieser ist unter anderem in Deutschland aufgetaucht. Auch aus China kam Gen-Reis nach Deutschland. // Leo Frühschütz

Im September 2006 war jede fünfte Packung Langkornreis aus den USA gentechnisch verunreinigt. Das ergaben Untersuchungen der europäischen Reis-Verarbeiter. Zahlreiche Handelsketten räumten daraufhin US-Reis aus ihren Regalen. In den USA brach der Reispreis ein. Die dortigen Farmer befürchten Millionenverluste und haben den Bayer-Konzern auf Schadensersatz verklagt, denn der Konzern wird für die Verunreinigung verantwortlich gemacht.

Von 1998 bis 2001 baute die Firma Aventis in den USA in Feldversuchen ihre Gen-Reissorte LL601 an. Das heute zum Bayer-Konzern gehörende Unternehmen hatte die Reiskörner so verändert, dass die Pflanze gegen das Bayer-Pestizid „Liberty Link“ resistent war. Vermutlich durch verwehte Blütenpollen übertrug sich das veränderte Erbgut auf herkömmliche Reispflanzen.

Entdeckt wurde die Verunreinigung erst Anfang 2006. Ein halbes Jahr später informierte Bayer die US-Behörden. Die ließen sich drei Wochen Zeit, bevor sie die Nachricht an die EU und andere Länder weitergaben. Ob der genmanipulierte Reis gesundheitlich unbedenklich ist, kann niemand mit Sicherheit sagen. Denn der Reis ist nirgends zugelassen und deshalb auch nicht getestet.

Gen-Reis aus China

In chinesischen Reisnudeln fand Greenpeace ebenfalls gentechnische Verunreinigungen. Betroffen waren mehrere EU-Staaten, darunter Deutschland. Die Quelle sind Anbauversuche einer chinesischen Universität. Die dortigen Wissenschaftler hatten das Gen-Saatgut illegal an Bauern weitergegeben.

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) wies darauf hin, dass der erhältliche Reis auf dem deutschen Biomarkt aus Frankreich, Italien und Indien komme. „Somit ist es extrem unwahrscheinlich, dass bei uns auch Bio-Produkte betroffen sind“, erklärte Peter Röhrig, Gentechnik-Experte des BÖLW. Für den Verband sind die Verunreinigungen ein weiterer Beweis dafür, dass die Koexistenz zwischen mit Gentechnik arbeitender und gentechnikfreier Landwirtschaft nicht funktioniert. Der BÖLW-Vorsitzende Dr. Felix Prinz zu Löwenstein erklärte: „Offenbar hat die Gentechnik-Industrie ihre Produkte nicht im Griff oder – was noch schlimmer wäre – will sie gar nicht im Griff haben.“

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